
Eklat in Hamburg: 431 Anwälte stürzen ihren Versorgungswerk-Chef
Es war ein Abend, der in der Hamburger Anwaltschaft noch lange nachhallen dürfte. Am Montagabend wählten die Mitglieder des Versorgungswerks der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in der Freien und Hansestadt Hamburg ihren langjährigen Vorsitzenden Jörn Weitzmann ab – nicht wegen fachlicher Fehler, sondern wegen seiner Beiträge in sozialen Netzwerken. Das Ergebnis: 36 Stimmen für ihn, 431 gegen ihn.
Aus 50 werden plötzlich 510
Das Versorgungswerk zählt rund 12.000 Mitglieder und dient Anwälten als Alternative zur gesetzlichen Rentenversicherung. Normalerweise interessiert das kaum jemanden: Laut einem Bericht des Fachportals „LTO“ kämpft die Mitgliederversammlung üblicherweise damit, überhaupt die satzungsgemäß nötigen 50 Teilnehmer zusammenzubekommen.
Diesmal drängten sich 510 Anwälte in den Ballsaal des Luxushotels Grand Elysée. Der Grund war dem Bericht zufolge keine Satzungsfrage, sondern eine über vertrauliche Kanäle vorbereitete Aktion mit einem klaren Ziel: die Abwahl des Vorsitzenden, der das Ehrenamt über zwei Jahrzehnte innehatte.
Reposts als Ausschlussgrund?
Vorgeworfen wurden Weitzmann demselben Bericht zufolge Verharmlosung der AfD, Corona-Verschwörungsmythen und Äußerungen gegen queere Menschen. Zum Verhängnis wurde ihm offenbar ein X-Beitrag vom 19. August, in dem er ein Video des „Nius“-Chefredakteurs Julian Reichelt geteilt hatte – Titel: „Deutsche leben längst in der Knechtschaft der Eroberungsmigration“.
Weitzmann bestritt in der Versammlung zunächst, diesen Beitrag verfasst zu haben; der Post war auf seinem Account weiterhin auffindbar. Gegenüber „LTO“ wehrte er sich „entschieden gegen das Etikett ‚rechtsradikal‘“ und wies auch eine AfD-Nähe zurück. Fachliche Versäumnisse wurden ihm dem Bericht nach nicht vorgehalten – im Gegenteil, seine wirtschaftlichen Verdienste hoben selbst seine Kritiker hervor.
Wer den Coup organisierte
Als Initiator gilt der Berufsrechtler Oliver Islam, Vorstandsmitglied im Deutschen Anwaltverein und Mitgründer der „Refugee Law Clinic Hannover“. Er erklärte, die Anwaltschaft müsse sich wehren, wenn Repräsentanten drohten, den Boden der Verfassung zu verlassen. Den Antrag zur Abwahl brachte der SPD-Politiker Janwillem van de Loo ins Rollen, Beisitzer in der SPD Wilhelmsburg-West, der die Anwaltschaft „in besonderem Maße“ verpflichtet sieht, die Grundordnung gegen die AfD zu verteidigen.
Aus Sicht unserer Redaktion wirft der Vorgang eine unbequeme Frage auf: Wenn nicht mehr Bilanzen und Beitragssätze über die Eignung entscheiden, sondern geteilte Artikel aus „Welt“, NZZ oder „Cicero“ – wo endet dann Meinungsfreiheit im Berufsverband? Justiziabel waren die Beiträge nach Einschätzung des Ausgangsberichts nicht.
Was das für Sparer bedeutet
Nachfolger ist der bisherige Stellvertreter Horst Bonvie, dem Anwesende laut „LTO“ hohe fachliche Kompetenz bescheinigten. Die eigentliche Aufgabe bleibt: Altersvorsorge in Zeiten von Inflation, Schuldenbergen und Sondervermögen in Milliardenhöhe.
Berufsständische Versorgungswerke galten lange als sichere Bank. Doch niedrige Realzinsen und politische Eingriffe nagen an jeder kollektiven Vorsorge. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen will, setzt daher traditionell nicht auf eine Säule allein – physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind seit Jahrhunderten eine sinnvolle Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik





















