
Epstein-Skandal: Schlüsselzeuge wollte auspacken – dann herrschte plötzlich Schweigen
Neu veröffentlichte Akten des US-Justizministeriums werfen ein erschütterndes Licht auf eine verpasste Chance, den Sexhandelsring von Jeffrey Epstein bereits 2016 zu zerschlagen. Der französische Modelagent Jean-Luc Brunel – eine zentrale Figur in Epsteins kriminellem Netzwerk – war offenbar bereit, mit den Bundesbehörden zusammenzuarbeiten. Doch dann geschah, was in diesem Fall immer wieder geschieht: Die Wahrheit wurde zum Schweigen gebracht.
Drei Millionen Dollar für das Schweigen
Handschriftliche Notizen eines Bundesstaatsanwalts vom Februar 2016 belegen, dass Brunel sich kooperationsbereit zeigte. „Einer von Epsteins Freunden, Jean-Luc Brunel, hat geholfen, Mädchen zu beschaffen. Er möchte kooperieren", heißt es in den Aufzeichnungen. Brunels Anwalt verhandelte demnach mit Vertretern der Opfer über ein mögliches Treffen mit Bundesstaatsanwälten in New York – im Austausch gegen Immunität. Brunel habe Mädchen für Epstein rekrutiert und belastendes Fotomaterial besessen.
Dann brach die Kommunikation ab. Einfach so. Und die Akten liefern einen verstörenden Hinweis, warum: Epstein erfuhr von den Verhandlungen. Am 3. Mai 2016 schrieb er eine E-Mail an Kathy Ruemmler, eine hochrangige Juristin aus der Obama-Administration und damalige Chefjuristin von Goldman Sachs, die kürzlich ihren Rücktritt wegen ihrer Verbindung zu Epstein ankündigte. In dieser Nachricht warnte Epstein, dass Brunel plane, in der folgenden Woche die Staatsanwaltschaft aufzusuchen – und dass ein Freund Brunels drei Millionen Dollar verlangt habe, damit dieser davon absehe.
Ob Epstein diese Summe tatsächlich zahlte, bleibt unklar. Was hingegen kristallklar ist: Es wurde keine Ermittlung eingeleitet. Keine. Drei Jahre lang blieb Epstein auf freiem Fuß.
Goldman Sachs, Obama-Netzwerke und das große Schweigen
Die Rolle Ruemmlers wirft Fragen auf, die weit über den Fall Epstein hinausreichen. Sie antwortete Epstein innerhalb weniger Stunden und bat ihn, sie anzurufen. Am nächsten Tag schrieb sie: „Bin jetzt wach. Spreche in 20 Minuten mit Poe." Gregory Poe war Epsteins Anwalt in Washington. Poe bestreitet allerdings, jemals mit Ruemmler oder Epstein über Brunel gesprochen zu haben.
Ruemmler selbst behauptet, sie habe Epstein nie juristisch vertreten und bedauere die Verbindung zu ihm. Eine Sprecherin erklärte, dies sei „ein weiterer Fall, in dem Epstein versuchte, Frau Ruemmler in eine Angelegenheit einzubeziehen, von der sie keine Kenntnis hatte." Man fragt sich unwillkürlich: Wie viele solcher „Angelegenheiten" gab es eigentlich? Und wie oft wurde weggeschaut – von Institutionen, die eigentlich dem Recht verpflichtet sein sollten?
Die Modelagentur als Rekrutierungsmaschine
Brunel war kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 1988 strahlte CBS eine Untersuchung aus, in der Frauen berichteten, von ihm unter Drogen gesetzt und zum Sex mit seinen Geschäftspartnern gedrängt worden zu sein. Strafrechtliche Konsequenzen? Keine. Brunel bestritt alles und machte weiter – jahrzehntelang.
Um das Jahr 2005 herum überwies Epstein bis zu eine Million Dollar, um Brunel bei der Gründung der Modelagentur MC2 Model Management zu unterstützen. Der Name war laut den Akten ein Insiderwitz – eine Anspielung auf Einsteins berühmte Formel E=MC², wobei das „E" für Epstein stand. Die Agentur diente als perfekte Tarnung: Sie rekrutierte junge Frauen aus Europa und Russland, beschaffte Arbeitsvisa und erzeugte den Anschein legitimer Beschäftigung. In Wahrheit war sie ein Instrument der Kontrolle und Ausbeutung.
E-Mails aus dem Jahr 2006 zeigen, wie Epstein Brunel anwies, eine Frau „auf deine Gehaltsliste" zu setzen – mit einem Jahresgehalt von 50.000 Dollar. Als Brunel fragte, ob sie Models scouten solle, antwortete Epstein lediglich: „Gehalt so schnell wie möglich starten." Er werde die folgende Woche in Paris sein und „könnte sie dann sehen."
Ein System der Abhängigkeit
Nach seiner Verurteilung in Florida 2008 wegen der Beschaffung einer Minderjährigen zur Prostitution verlagerte Epstein seinen Fokus auf die Rekrutierung junger Frauen aus dem Ausland. Abhängig von Arbeitsvisa, Unterkunft und finanzieller Unterstützung, waren diese Frauen besonders verwundbar. Die Agentur MC2 fungierte dabei als Schuldenfalle: Modelaufträge versiegten, während die Gebühren stiegen. Eine Betroffene beschrieb gegenüber dem Wall Street Journal, wie sie sich in einem „Netz des Missbrauchs" gefangen fühlte, das von Epstein und Brunel kontrolliert wurde.
Besonders brisant: In den Akten taucht auch der Name Joshua Fink auf, Sohn des BlackRock-Vorstandsvorsitzenden Larry Fink. Er habe 2012 eine Beziehung zu einem MC2-Model gehabt und Brunel wegen einer Rechnung kontaktiert. Fink erklärte, er habe die Frau bei einer Dinnerparty kennengelernt und keine Beziehung zu Epstein oder Brunel gehabt. Er sei „völlig schockiert", dass sie elektronische Korrespondenz an Epstein weitergeleitet habe.
Zwei Tote in Gefängniszellen
Die Parallelen sind gespenstisch. Epstein wurde 2019 verhaftet und starb wenig später in seiner Gefängniszelle – offiziell durch Suizid. Brunel wurde im Dezember 2020 in Frankreich festgenommen, als er versuchte, einen Flug nach Senegal zu besteigen. Im Februar 2022 wurde auch er erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Zwei Schlüsselfiguren eines globalen Missbrauchsnetzwerks, beide tot unter nahezu identischen Umständen. Wer an Zufälle glaubt, der glaubt wohl auch noch an den Weihnachtsmann.
Die französische Staatsanwaltschaft kündigte am Wochenende an, den Fall erneut zu prüfen und ein Sonderteam zur Analyse von Beweismaterial zu bilden, das französische Staatsangehörige belasten könnte. Ob daraus tatsächlich Konsequenzen erwachsen, bleibt abzuwarten.
Das Versagen der Institutionen
Der Anwalt David Boies, der Zivilklagen im Namen von Epstein-Opfern führte, brachte es auf den Punkt: Brunels Entscheidung, nicht zu kooperieren, habe sie „ein paar Jahre zurückgeworfen." Aus den Klagen wisse man, dass nach diesem Zeitpunkt mehr als 50 weitere Mädchen Opfer des Menschenhandels geworden seien. Fünfzig Mädchen, deren Leid hätte verhindert werden können.
Das US-Justizministerium handelte erst, nachdem eine Recherche des Miami Herald Ende 2018 den früheren Vergleich in Florida erneut unter die Lupe nahm. Erst dann – drei Jahre nach den ersten konkreten Hinweisen – wurde Epstein verhaftet. Ghislaine Maxwell, eine weitere Mitverschwörerin, wurde 2021 verurteilt und verbüßt eine 20-jährige Haftstrafe.
Dieser Fall ist mehr als eine Kriminalgeschichte. Er ist ein Lehrstück darüber, wie Reichtum und politische Vernetzung ein System der Straflosigkeit schaffen können. Wenn Milliardäre und ihre Verbündeten in den höchsten Etagen der Macht – ob bei Goldman Sachs, im Weißen Haus oder in der Modeindustrie – ihre schützende Hand über Verbrecher halten, dann versagt nicht nur die Justiz. Dann versagt die gesamte Gesellschaft. Und die Leidtragenden sind immer die Schwächsten: junge Frauen und Mädchen, die niemand beschützt hat, obwohl die Beweise auf dem Tisch lagen.
„Epsteins Reichtum und Macht erlaubten es ihm, Branchen zu infiltrieren, vielleicht am durchdringendsten die Modelindustrie. Er fand in Jean-Luc einen gleichgesinnten Raubtier, mit dem er täglich konspirieren konnte, um das Leben unzähliger junger Frauen zu rekrutieren und zu kontrollieren" – Brad Edwards, Anwalt von über 200 Epstein-Opfern.
Die neu veröffentlichten Akten sind ein weiterer Mosaikstein in einem Bild, das immer düsterer wird. Die Frage, die sich jeder stellen sollte, lautet nicht mehr, was Epstein getan hat. Die Frage lautet: Wer hat es zugelassen – und warum?
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