
Erste Klasse für Schwangere: CDU entdeckt die Familie als Wahlkampfthema

Während die Deutsche Bahn seit Jahren mit maroder Infrastruktur, chronischen Verspätungen und einem Service kämpft, der bestenfalls als mangelhaft bezeichnet werden kann, präsentiert die CDU nun einen Vorschlag, der aufhorchen lässt. Der nordrhein-westfälische Landesverband will Schwangeren ab dem fünften Monat das Reisen in der ersten Klasse ermöglichen – ohne den üblichen Aufpreis zahlen zu müssen.
Ein Antrag mit Symbolkraft
Der zur Annahme empfohlene Antrag für den CDU-Bundesparteitag im Februar trägt eine klare Botschaft: "Bahnfahren muss familienfreundlicher werden." Was zunächst wie eine selbstverständliche Forderung klingt, offenbart bei genauerem Hinsehen die ganze Misere des deutschen Schienenverkehrs. Denn offensichtlich ist das Reisen mit der Bahn für Familien derzeit alles andere als angenehm.
Konkret sieht der Vorschlag vor, dass werdende Mütter mit einer ärztlichen Bescheinigung des voraussichtlichen Geburtstermins kostenfrei in die erste Klasse umsteigen dürfen. Eine Maßnahme, die angesichts überfüllter Waggons, fehlender Sitzplätze und der körperlichen Belastung einer Schwangerschaft durchaus nachvollziehbar erscheint.
Wickelplätze, Kindertoiletten und funktionierende Mikrowellen
Doch die Christdemokraten belassen es nicht bei diesem einen Punkt. Der Antrag fordert eine standardmäßige Ausstattung der Züge mit Wickelplätzen, Kindertoiletten und Mikrowellen. Man fragt sich unwillkürlich, in welchem Jahrhundert wir eigentlich leben, wenn solche Grundausstattungen im Jahr 2026 noch als Forderung formuliert werden müssen.
Besonders pikant: Die Bahn hatte erst kürzlich die kostenlose Familienreservierung im Fernverkehr abgeschafft – ein Schritt, der bei vielen Eltern für Empörung sorgte. Die CDU verlangt nun eine Prüfung der Wiedereinführung dieser Leistung. Es scheint, als hätte man in den Chefetagen der Deutschen Bahn den Bezug zur Lebensrealität junger Familien vollständig verloren.
Konsequenzen für Verspätungen und Serviceausfälle
Der Antrag geht jedoch noch weiter und nimmt auch die notorischen Verspätungen ins Visier. Bei mehr als einer Stunde Verzögerung sollen Familien künftig eine vollständige Erstattung des Fahrpreises erhalten. Angesichts der desaströsen Pünktlichkeitsbilanz der Deutschen Bahn könnte dies zu erheblichen finanziellen Einbußen für das Staatsunternehmen führen.
"Es soll keine Boni für die Bahnvorstände geben, wenn ambitionierte Pünktlichkeitsziele nicht erreicht werden."
Diese Forderung dürfte in den Vorstandsetagen für nervöses Räuspern sorgen. Denn während die Fahrgäste regelmäßig in überhitzten oder unterkühlten Waggons ausharren, defekte Toiletten vorfinden oder auf das gastronomische Angebot verzichten müssen, fließen die Managerboni bisher weitgehend unabhängig von der tatsächlichen Servicequalität.
Ein überfälliger Kurswechsel?
Die Vorschläge der CDU mögen auf den ersten Blick wie klassischer Wahlkampf erscheinen. Doch sie treffen einen Nerv in der Bevölkerung. Jahrelang wurde die Familienpolitik in Deutschland vernachlässigt, während ideologische Projekte Vorrang erhielten. Dass nun ausgerechnet die Christdemokraten das Thema Familie wieder in den Fokus rücken, könnte als Rückbesinnung auf traditionelle Werte gedeutet werden.
Ob die Deutsche Bahn diese Forderungen tatsächlich umsetzen wird, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die Erfahrung lehrt, dass zwischen politischen Ankündigungen und deren Realisierung oft Welten liegen. Dennoch sendet dieser Antrag ein wichtiges Signal: Familien verdienen mehr Unterstützung – auch und gerade beim Reisen mit der Bahn.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











