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Kettner Edelmetalle
14.04.2026
08:29 Uhr

Europas Energiepolitik am Scheideweg: Eni-Chef fordert Rückkehr zu russischem Gas

Europas Energiepolitik am Scheideweg: Eni-Chef fordert Rückkehr zu russischem Gas

Es ist eine jener Ironien der Geschichte, die man sich kaum besser ausdenken könnte: Während die Europäische Union seit Jahren mit großem moralischen Pathos den Ausstieg aus russischer Energie predigt, kauft sie klammheimlich mehr russisches Flüssigerdgas als je zuvor. Nun bringt der Chef des italienischen Energieriesen Eni, Claudio Descalzi, das aus, was in Brüssel niemand laut sagen möchte – das geplante Importverbot für russisches LNG ab 2027 müsse verschoben werden.

Die Hormus-Krise als Brandbeschleuniger

Descalzi bezeichnete die durch die Schließung der Straße von Hormus ausgelöste Energiekrise als „das wichtigste Ereignis der letzten 40 Jahre". Und tatsächlich: Rund 20 Prozent der weltweit gehandelten Flüssigerdgas- und Ölmengen passieren täglich diese strategische Meerenge im Persischen Golf. Seit der Eskalation des Nahostkonflikts können große Teile dieser Mengen schlicht nicht mehr geliefert werden. Die Konsequenzen für den europäischen Energiemarkt sind verheerend.

In einer Rede an der politischen Ausbildungsstätte der rechtskonservativen Partei Lega erklärte der Eni-Chef unmissverständlich, er halte es für notwendig, das am 1. Januar 2027 in Kraft tretende Verbot für 20 Milliarden Kubikmeter LNG aus Russland auszusetzen. Ein Schritt, der in Brüssel auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte – aber die Realität kümmert sich bekanntlich wenig um ideologische Befindlichkeiten.

Rekordimporte trotz Sanktionsrhetorik

Besonders entlarvend sind die nackten Zahlen. Im ersten Quartal 2026 hat die EU nach Angaben des Analysehauses Kpler sage und schreibe 97 Prozent der Lieferungen aus dem russischen LNG-Projekt Yamal in der Arktis abgenommen. Das entspricht einer Steigerung von 17 Prozent auf rund fünf Millionen Tonnen. Im März importierte die EU sogar jede einzelne Ladung aus Yamal. Jede. Einzelne.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Dieselbe EU, die mit großer Geste ein vollständiges Importverbot für russisches LNG ab 2027 beschlossen hat, saugt derzeit jeden verfügbaren Tropfen russischen Flüssigerdgases auf wie ein Schwamm. Die Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und wirtschaftlicher Realität könnte kaum größer sein. Es ist genau diese Art von Doppelmoral, die das Vertrauen der Bürger in die europäische Politik nachhaltig untergräbt.

Europas fatale Investitionslücke

Descalzi legte den Finger noch in eine weitere offene Wunde. Zwar habe Europa die Lücke von rund 30 Milliarden Kubikmetern aus Russland durch den Bau von Regasifizierungsanlagen und alternative Lieferungen – etwa aus Algerien – teilweise schließen können. Doch das Grundproblem bleibe bestehen: Europa brauche den Rohstoff. Die Investitionen in die Gasinfrastruktur hätten sich seit 2014 halbiert, weil Europa erklärt habe, ab 2030 kein Gas mehr zu benötigen. Eine ideologiegetriebene Fehlkalkulation, deren Rechnung nun präsentiert wird.

Der globale Kampf um die letzten Tropfen

Zwischen Europa und Asien ist ein erbitterter Wettbewerb um die verbleibenden LNG-Mengen entbrannt. Tanker ändern ihren Kurs je nach Preislage – und derzeit bietet Asien oft mehr. „Letztlich fahren LNG- und Öltanker immer dorthin, wo es ökonomisch gerade am sinnvollsten ist", konstatierte Jakob Schlandt vom Hamburg-Institut nüchtern. Zahlreiche Tanker hätten in den letzten Wochen ihren Kurs von Europa in Richtung Asien geändert.

Die Alternativen zu russischem Gas sind dünn gesät. Die LNG-Anlagen in den USA seien voll ausgelastet, Katar habe die Produktion eingestellt, warnte die Energieanalystin Ana Maria Jaller-Makarewicz. Zwar könnten Länder wie Mexiko, Australien oder einige afrikanische Produzenten ihre Lieferungen leicht erhöhen – doch dieser Anstieg würde weniger als zehn Prozent der ausfallenden russischen Gaslieferungen ausmachen. Ein Tropfen auf den heißen Stein.

Brüssels Dilemma: Prinzipientreue oder Pragmatismus?

Die Denkfabrik Bruegel warnt davor, am Importverbot zu rütteln. Eine Rückkehr zu russischem Gas würde die Abhängigkeit wiederherstellen, deren Abbau Europa drei Jahre und erhebliche politische Anstrengungen gekostet habe. Russland könnte die Preise manipulieren, die EU politisch spalten und die langfristige Energiesicherheit gefährden.

Doch sind diese Warnungen nicht auch ein Stück weit realitätsfern? Die EU importiert bereits jetzt Rekordmengen russischen LNGs. Das Verbot existiert bislang nur auf dem Papier – und die Frage ist berechtigt, ob Europa es sich angesichts der multiplen Krisen überhaupt leisten kann, eine seiner wenigen verbliebenen Energiequellen abzuschneiden. Russland gewährt mittlerweile 40 Prozent Rabatt auf sein LNG und tarnt sogar die Herkunft – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Markt längst seine eigenen Regeln schreibt, ungeachtet aller Sanktionsbeschlüsse.

Was diese Entwicklung einmal mehr zeigt: Die europäische Energiepolitik der vergangenen Jahre war von Wunschdenken geprägt. Man hat sich eingeredet, den Ausstieg aus fossilen Energieträgern im Eiltempo vollziehen zu können, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Nun rächt sich diese ideologische Verblendung. Die Bürger zahlen die Zeche – in Form explodierender Energiepreise und einer schleichenden Deindustrialisierung, die den Wohlstand ganzer Generationen bedroht.

Gerade in solch unsicheren Zeiten, in denen geopolitische Verwerfungen die Energiemärkte erschüttern und Währungen unter Druck geraten, erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Sanktionen, keine Lieferengpässe und keine politischen Launen – sie bewahren ihren Wert seit Jahrtausenden.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.

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