
Europas Energiepolitik: Vom russischen Tropf direkt an den amerikanischen Schlauch

Was für ein Triumph! Die Europäische Union feiert sich selbst für einen Beschluss, der bei nüchterner Betrachtung nichts anderes darstellt als den Austausch einer Abhängigkeit gegen eine andere. Die EU-Mitgliedstaaten haben am Montag ein rechtlich bindendes Verbot russischer Gasimporte unterzeichnet, das bis Ende 2027 vollständig umgesetzt werden soll. Doch während Brüssel sich in Selbstbeweihräucherung übt, offenbart sich das ganze Ausmaß europäischer Kurzsichtigkeit.
Der vermeintliche Befreiungsschlag
Unter dem neuen Abkommen wird die EU alle russischen Flüssiggas-Importe bis Ende 2026 stoppen, gefolgt von einem vollständigen Verbot für Pipeline-Gas bis zum 30. September 2027. Für Länder, die Schwierigkeiten haben, russische Lieferungen zu ersetzen und ihre Speicher vor dem Winter zu füllen, wurde gnädigerweise eine Hintertür eingebaut – sie dürfen den Pipeline-Stopp bis zum 1. November 2027 hinauszögern.
Roberta Metsola, Präsidentin des Europäischen Parlaments, verkündete den Beschluss mit den Worten:
„Wir haben gerade das Verbot russischen Gases in Geltendes Recht überführt. Europa sichert die Kontrolle über unsere Energieversorgung und stärkt unsere Autonomie."
Autonomie? Kontrolle? Diese Worte klingen wie blanker Hohn, wenn man die Realität betrachtet.
Die unbequeme Wahrheit hinter den Zahlen
Vor 2022 stammten mehr als 40 Prozent der europäischen Gasversorgung aus Russland – eine Zahl, die bis 2025 auf etwa 13 Prozent gesunken ist. Doch zwischen der politischen Rhetorik aus Brüssel und dem tatsächlichen Energieverhalten der Mitgliedstaaten klafft eine beachtliche Lücke. Allein im vergangenen Monat gaben die fünf größten EU-Importeure 1,4 Milliarden Euro für russische Energie aus, hauptsächlich für Gas und Flüssiggas. Ungarn führte die Liste an, gefolgt von Frankreich und Belgien.
Und wer springt in die Bresche? Die Vereinigten Staaten von Amerika. Tanker, beladen an US-Terminals, liefern seither große Mengen Flüssiggas an europäische Häfen in den Niederlanden, Frankreich und Belgien. Was vor drei Jahren noch als heroische Rettungsaktion gefeiert wurde, entpuppt sich nun als strategische Falle.
Von der Pfanne ins Feuer
Henning Gloystein, Geschäftsführer für Energie bei der Eurasia Group, bringt es auf den Punkt:
„Wir haben eine massive Abhängigkeit durch eine andere ersetzt. Das sah vor drei Jahren noch gut aus, aber jetzt nicht mehr."
Die Ironie könnte kaum größer sein. Europa wollte sich von einem vermeintlich unzuverlässigen Partner lösen und hat sich dabei einem anderen ausgeliefert, der Handel längst als Druckmittel in internationalen Streitigkeiten einsetzt. Präsident Trump nutzt seit Beginn seiner zweiten Amtszeit Handelsbeziehungen als Hebel – man denke nur an seinen jüngsten Vorstoß bezüglich Grönlands.
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen prahlt damit, wie ihr Land die Abhängigkeit von billigem russischem Gas, das eine theoretische Bedrohung darstellte, gegen teureres amerikanisches Gas eingetauscht habe. Kritiker merken bissig an, dass dieses amerikanische Gas eine direkte existenzielle Bedrohung für Dänemark darstelle.
Ein Armutszeugnis europäischer Führung
Was hier als energiepolitischer Durchbruch verkauft wird, ist in Wahrheit ein Offenbarungseid. Europa hat sich selbst in eine Position manövriert, in der es von amerikanischem Wohlwollen abhängig ist – und das zu deutlich höheren Preisen. Die europäische Industrie, ohnehin durch überbordende Regulierung und ideologiegetriebene Klimapolitik geschwächt, wird diese Mehrkosten schultern müssen.
Für den deutschen Bürger bedeutet dies: weiterhin hohe Energiepreise, während die politische Klasse sich für ihre vermeintliche Weitsicht auf die Schulter klopft. Die Tragödie Europas liegt nicht in seinen Energiequellen, sondern in einer Führung, die Unterwürfigkeit als Unabhängigkeit verkauft und dabei die wirtschaftlichen Interessen der eigenen Bevölkerung auf dem Altar geopolitischer Symbolpolitik opfert.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











