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Kettner Edelmetalle
15.03.2026
12:52 Uhr

Ex-VW-Chef Müller warnt: „Wir sind auf dem Weg zu einer DDR 2.0"

Es sind Worte, die aufrütteln – und die man von einem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden eines der größten deutschen Konzerne so deutlich selten hört. Matthias Müller, der frühere Chef der Volkswagen AG, hat in einem Interview mit dem Nachrichtenportal T-online eine schonungslose Diagnose des Zustands der Bundesrepublik gestellt. Sein Befund ist vernichtend: Deutschland befinde sich auf dem direkten Weg in einen „Vollkaskostaat" – und schlimmer noch, in eine „DDR 2.0".

Ein Topmanager rechnet ab

Müller, der den Wolfsburger Automobilriesen von 2015 bis 2018 durch die turbulenten Jahre des Dieselskandals führte, nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Bürger versteckten sich zunehmend hinter staatlicher Absicherung und übernähmen immer weniger Eigenverantwortung. „Wir sind ein Volk von Egoisten", so der Ex-Manager. Was für eine Bankrotterklärung – nicht an die Adresse der Wirtschaft, sondern an eine Gesellschaft, die sich offenbar in der wohligen Wärme des Wohlfahrtsstaates eingerichtet hat, während die wirtschaftliche Substanz des Landes erodiert.

Und tatsächlich: Wer mit offenen Augen durch Deutschland geht, kann Müllers Analyse kaum widersprechen. Die Bürokratie wuchert, die Produktivität stagniert, die Energiekosten treiben Unternehmen ins Ausland. Doch statt mutiger Reformen gibt es neue Sondervermögen – ein euphemistisches Wort für Schulden –, die künftige Generationen belasten werden. Friedrich Merz hatte versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Das 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturpaket der neuen Großen Koalition spricht eine andere Sprache.

Die Brandmauer als politisches Eigentor

Besonders brisant sind Müllers Äußerungen zur sogenannten Brandmauer gegenüber der AfD. Die etablierten Parteien sollten diese „ein Stück weit öffnen", forderte er. Sein Kalkül: Eine Einbindung könnte die „Unfähigkeit der Partei zutage bringen". Die bisherige Strategie der totalen Abgrenzung führe hingegen dazu, dass sich die AfD „schön eingehegt weiterentwickeln" könne – ohne jemals beweisen zu müssen, ob sie tatsächlich regieren kann.

Man muss kein AfD-Sympathisant sein, um diese Logik nachvollziehen zu können. Die demokratische Auseinandersetzung lebt vom Wettbewerb der Ideen, nicht von der Ächtung ganzer Wählergruppen. Wenn mittlerweile über 25 Prozent der Sitze im EU-Parlament von rechtskonservativen Parteien besetzt werden, dann ist das kein Betriebsunfall – es ist Ausdruck eines fundamentalen Unbehagens in der Bevölkerung, das die politische Mitte jahrelang ignoriert hat.

NGOs als verlängerter Arm der Regierung?

Auch den wachsenden Einfluss von Nichtregierungsorganisationen auf die deutsche Politik nimmt Müller ins Visier. Der Staat habe in den vergangenen Jahren systematisch Aufgaben an NGOs ausgelagert, die er eigentlich selbst übernehmen müsste. Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe oder der BUND könne man daher gleich in das Umwelt- oder Wirtschaftsministerium integrieren, so sein sarkastischer Vorschlag. Tatsächlich drängt sich die Frage auf, ob manche dieser Organisationen nicht längst als quasi-staatliche Akteure agieren – mit erheblichem politischem Einfluss, aber ohne jede demokratische Legitimation.

Überforderte Politik, resignierte Bürger

Müllers vielleicht härtestes Urteil gilt der politischen Klasse selbst: „Unsere Politiker sind damit überfordert", sagte er mit Blick auf die notwendigen Reformen. Ohne umfassende strukturelle Veränderungen drohe Deutschland wirtschaftlich weiter zurückzufallen. Es ist eine Warnung, die man ernst nehmen sollte – denn sie kommt nicht von einem politischen Aktivisten, sondern von einem Mann, der jahrzehntelang an der Spitze der deutschen Industrie stand und die Mechanismen der Weltwirtschaft aus nächster Nähe kennt.

Dass ausgerechnet ein ehemaliger Konzernchef derart deutliche Worte findet, zeigt, wie tief die Verunsicherung in der deutschen Wirtschaftselite mittlerweile reicht. Die Frage ist nur: Wird die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz den Mut aufbringen, die notwendigen Kurskorrekturen vorzunehmen? Oder wird Deutschland weiter auf dem Weg in jenen Vollkaskostaat taumeln, vor dem Müller so eindringlich warnt? Die Geschichte lehrt uns, dass Wohlstand keine Selbstverständlichkeit ist. Und wer die Warnzeichen ignoriert, der wird eines Tages aufwachen – in einem Land, das seinen einstigen Glanz unwiederbringlich verloren hat.

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