
Fake-Skandal beim ZDF: Das „Heute Journal" versinkt im Sumpf der eigenen Glaubwürdigkeit
Was passiert, wenn eine der meistgesehenen Nachrichtensendungen des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit gefälschtem Material auf Sendung geht? Richtig – zunächst einmal gar nichts. Zumindest nicht vonseiten der Verantwortlichen. Erst als unabhängige Medien und aufmerksame Blogger den Skandal ans Licht zerrten, sah sich das ZDF gezwungen, Farbe zu bekennen. Nun räumt Chefredakteurin Bettina Schausten ein, was ohnehin jeder sehen konnte: Das Flaggschiff des ZDF-Nachrichtenjournalismus ist „beschädigt".
KI-generierte Videos und falsch zugeordnete Aufnahmen
Der Fall ist so dreist wie bezeichnend. Die inzwischen abberufene Leiterin des New Yorker Korrespondentenbüros, Nicola Albrecht, hatte in einem Beitrag über ICE-Einsätze der US-Abschiebepolizei nicht nur ein durch Künstliche Intelligenz generiertes Video verwendet, sondern darüber hinaus Aufnahmen einer Schülerfestnahme aus dem Jahr 2022 – nach einer Amok-Drohung wohlgemerkt – in den Kontext aktueller Abschiebemaßnahmen gestellt. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein öffentlich-rechtlicher Sender, finanziert durch Milliarden an Zwangsgebühren, sendet manipuliertes Material in seiner wichtigsten Nachrichtensendung. Und niemand in der Mainzer Redaktion schlägt Alarm.
Genau das kritisiert nun auch Schausten selbst. Die Mängel hätten der Redaktion auffallen müssen, so die 61-Jährige gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Bei der Abnahme des Beitrags „hätte Alarm schrillen müssen, weil erkennbar Material aus dem Netz verwendet wurde". Arbeitsrechtliche Konsequenzen für weitere Beteiligte in der Redaktion seien nicht ausgeschlossen. Man schaue sich die Vorgänge „sehr genau an".
Tagelang heruntergespielt – die Arroganz der Pressestelle
Besonders entlarvend ist das Verhalten der ZDF-Pressestelle in den Tagen nach der Enthüllung. Statt den Skandal offensiv aufzuarbeiten, wurde er zunächst tagelang heruntergespielt. Kritische Nachfragen von Journalisten wurden mit einem lapidaren Verweis auf die schwer auffindbare Korrektur-Seite des Senders abgebügelt. Schausten selbst räumt ein, dass „die Tragweite des Themas spät erkannt" worden sei. Spät erkannt? Oder bewusst ignoriert, bis der öffentliche Druck zu groß wurde?
Es waren eben nicht die etablierten Medien, die diesen Skandal aufdeckten. Es war der sogenannte OERR-Blog, der die Manipulation als Erster enthüllte. Anschließend recherchierten unabhängige Medien intensiv weiter. Einmal mehr zeigt sich: Die vielgescholtenen „alternativen Medien" erfüllen eine Kontrollfunktion, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk offenbar selbst nicht mehr leisten kann – oder will.
Keine Täuschungsabsicht? Eine gewagte These
Trotz der offensichtlichen Manipulationen – das ZDF spricht verharmlosend von einem „Doppelfehler" – will Schausten keine bewusste Täuschung erkennen. Albrecht sei „eine erfahrene und angesehene Kollegin", der sie „in keiner Weise irgendeine Fälschungs- oder Manipulationsabsicht" unterstelle. Eine bemerkenswerte Aussage. Denn wie erklärt man sich, dass eine erfahrene Journalistin Aufnahmen einer Schülerfestnahme nach einer Amok-Drohung in einen völlig anderen Kontext stellt und obendrein KI-generiertes Material verwendet? Durch Schlamperei? Durch Überlastung? Oder vielleicht doch durch eine bestimmte narrative Absicht, die zur gewünschten Darstellung der Trump-Administration passte?
Der frühere „Heute Journal"-Moderator Claus Kleber hatte die Abberufung Albrechts offenbar kritisiert. Schausten wies dies zurück: Die Entscheidung sei „an der Sache orientiert". Ein Verstoß gegen Regeln fordere „auch eine Antwort". Immerhin – doch ob diese Antwort ausreicht, darf bezweifelt werden.
Ein Symptom eines tieferliegenden Problems
Dieser Skandal ist kein Einzelfall. Er ist Symptom einer Entwicklung, die viele Bürger seit Jahren mit wachsendem Unmut beobachten. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland, der eigentlich zur Objektivität und Ausgewogenheit verpflichtet wäre, gerät immer wieder in den Verdacht, eine bestimmte politische Agenda zu verfolgen. Ob bei der Berichterstattung über Migration, Klimapolitik oder eben die US-amerikanische Innenpolitik – der Eindruck einer tendenziösen Darstellung verdichtet sich bei vielen Zuschauern zu einer festen Überzeugung.
Und während die Beitragszahler jeden Monat brav ihre 18,36 Euro überweisen müssen – ob sie wollen oder nicht –, leistet sich der Apparat Skandale, die in jedem privatwirtschaftlichen Medienunternehmen existenzbedrohend wären. Doch beim ZDF? Da spricht man von einem „Wirkungstreffer", gibt sich „beschädigt, aber auch klüger" und macht weiter wie bisher. Die Frage, die sich der deutsche Gebührenzahler stellen muss, ist simpel: Wie viele solcher „Doppelfehler" kann sich ein Sender leisten, bevor das Vertrauen endgültig und unwiderruflich zerstört ist?
Vielleicht ist dieser Punkt längst erreicht. Die sinkenden Einschaltquoten und das wachsende Misstrauen gegenüber den Öffentlich-Rechtlichen sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache. Es wäre an der Zeit, dass die Politik – statt immer neue Beitragserhöhungen durchzuwinken – endlich eine grundlegende Reform dieses aufgeblähten Systems in Angriff nimmt. Doch angesichts der Tatsache, dass die Große Koalition unter Friedrich Merz bislang wenig Appetit auf echte Strukturreformen zeigt, dürfte auch diese Hoffnung vorerst vergeblich sein.
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