
Faule Kredite: Deutschen Banken droht der 53-Milliarden-Schock

Die großen deutschen Banken stellen sich auf deutlich mehr Kreditausfälle ein. Nach einer Umfrage der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) und der Frankfurt School of Finance & Management unter rund zwei Dutzend Instituten dürfte das Volumen notleidender Kredite bis Ende 2027 auf 53,1 Milliarden Euro klettern. Das wäre der höchste Stand seit 2016.
Zum Ende des ersten Quartals 2026 meldete die europäische Bankenaufsicht EBA für deutsche Häuser bereits gut 50 Milliarden Euro an ausfallgefährdeten Darlehen. Ein Kredit gilt als „notleidend“, wenn die Rückzahlung mindestens 90 Tage aussteht oder die Bank sie für unwahrscheinlich hält.
Ein Prozentwert, der alles verrät
Offiziell wirkt die Lage entspannt: Die NPL-Quote liegt bei mageren 1,6 Prozent des gesamten Kreditbestands. Doch dahinter verbirgt sich eine Kennzahl, die aufhorchen lässt.
Laut den Erhebungen gelten 15 Prozent der Kredite deutscher Banken als erhöht ausfallgefährdet – sogenannte Stage-2-Kredite. Im EU- und EWR-Durchschnitt sind es nur 9,1 Prozent. Deutschland liegt damit an der Spitze – ein Titel, auf den niemand stolz sein dürfte.
Gewerbeimmobilien: Das Pulverfass in den Bankbilanzen
Der Stresspunkt ist klar identifiziert. Bei Krediten für Gewerbeimmobilien liegt die Ausfallquote bei 6,8 Prozent – weit über dem EU-Schnitt von 4,1 Prozent. Seit Ende 2022 habe sich dieser Wert nach Einschätzung der Beratungsfirma Bain & Company mehr als verdreifacht.
Die Ursachen sind hausgemacht und struktureller Natur: Homeoffice hat die Nachfrage nach Büroflächen dauerhaft verändert. Und viele Objekte stehen noch mit Bewertungen aus der Niedrigzinsära in den Büchern – Preise, die bei auslaufender Zinsbindung schlicht nicht mehr zu halten sind.
Ein im Bericht zitierter Frankfurter Anwalt warnt, das tatsächliche Risiko im deutschen Gewerbeimmobilienkreditbuch dürfte deutlich höher liegen, als es die offiziellen Quoten erkennen lassen. Geopolitische Unsicherheiten wirkten dabei als Katalysator. Besonders betroffen seien bürolastige Portfolios in mittleren und schlechten Lagen sowie schwache Einzelhandelsobjekte.
Der Mittelstand wankt – und die Politik schaut zu
Noch alarmierender ist der Blick auf das Herz der deutschen Wirtschaft. Bei Krediten an kleine und mittlere Unternehmen erwarten die befragten Institute einen Anstieg der Ausfallquote von zuletzt 4,3 auf 5,7 Prozent bis Ende 2027.
Das passt ins Bild: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erreichte im ersten Halbjahr 2026 den höchsten Stand seit 2013. Wirtschaftsauskunfteien berichten von rund 12.900 Fällen im ersten Halbjahr und rechnen für das Gesamtjahr mit bis zu 26.000 Pleiten – nach knapp 24.000 im Jahr 2025.
Aus Sicht unserer Redaktion sind das keine Zufallszahlen, sondern die Rechnung für Jahre von Energiepreis-Experimenten, Bürokratieflut und Brüsseler Regulierungswut. Wer Unternehmen mit Berichtspflichten und Abgaben zermürbt, darf sich über wachsende Kreditrisiken nicht wundern.
Warum das jeden Sparer betrifft
Faule Kredite bleiben nicht im Bankkeller. Sie zwingen Institute zu höherer Risikovorsorge, drücken Gewinne – die Helaba etwa vermeldete Medienberichten zufolge einen Gewinneinbruch mit Problemen bei Gewerbeimmobilien – und verteuern neue Finanzierungen.
Wer sein Vermögen breit streut, denkt solche Kettenreaktionen mit. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen kein Ausfallrisiko eines Schuldners – ein Argument, das in Zeiten schwelender Kreditrisiken an Gewicht gewinnt.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er spiegelt unsere Einordnung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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