
Feld warnt: Amerika inflationiert sich aus 40 Billionen Schulden

Der Ökonom Lars Feld schlägt Alarm. In einem Interview mit der WirtschaftsWoche erklärt der Freiburger Professor und Direktor des Walter-Eucken-Instituts, die Voraussetzungen für eine neue Finanzkrise seien gegeben. Der Grund: eine weltweit ausufernde Staatsverschuldung – und ein US-Anleihemarkt in Alarmstimmung.
Feld war Vorsitzender des Sachverständigenrats und Chefberater des früheren Finanzministers Christian Lindner. Ein Panikmacher ist er nicht. Umso schwerer wiegen seine Sätze.
40 Billionen Dollar – und kein Plan
Die US-Bundesschulden haben Medienberichten zufolge im August 2026 erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich der Schuldenberg damit annähernd verdoppelt.
Einen klassischen Zahlungsausfall hält Feld dennoch für unwahrscheinlich. Schmerzfrei aber komme Amerika nicht davon: Er halte es für wahrscheinlich, dass die US-Notenbank ihre umstrittenen Anleihekäufe wieder aufnehmen und ausweiten müsse.
Pikant: Der neue Fed-Chef Kevin Warsh, seit Mai 2026 im Amt, hat exakt das Gegenteil versprochen – Bilanz verkürzen, Inflation zurück auf zwei Prozent. Feld sieht ihn in einem Dilemma, weil hohe Staatsschulden und steigende Renditen die Notenbank unter Druck setzten, den Staat am Anleihemarkt zu stützen.
Der leiseste aller Steuererhöhungen: Inflation
Auf der Ausgabenseite sieht der Ökonom kaum Spielraum. Militär, Medicaid, Medicare, Altersvorsorge – politisch alles kaum kürzbar. Bleibt der Hebel, den Regierungen seit Jahrhunderten ziehen.
„Die Wirtschaftsgeschichte zeigt: Ein zentraler Hebel zur Entschuldung ist stets die Inflation. Auch die USA werden auf diesen Hebel setzen."
Er sage nicht, dass dies politisch bereits bewusst geschehe, so Feld – ökonomisch aber laufe es am Ende darauf hinaus. Der Staat entwerte seine Schulden real, ohne unpopuläre Einschnitte. Mittelfristig hält er eine US-Teuerung von fünf Prozent und mehr für möglich, ausgehend von rund 3,4 Prozent zum Zeitpunkt des Gesprächs.
Und wer zahlt? Nach Felds Einschätzung vor allem Menschen mit geringem Einkommen, weil Lebensmittel und Energie besonders stark stiegen. Inflation wirke regressiv. Im Klartext: Die Rechnung für politisches Nichthandeln landet bei denen, die am wenigsten haben.
Kein sicherer Hafen mehr – außer einem
Die Renditen von US-Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand seit gut 15 Jahren geklettert. Feld erwartet, dass sie über Jahre erhöht bleiben – auch weil die kapitalhungrige KI-Industrie dem US-Finanzministerium um das Geld der Anleger Konkurrenz mache. Sein nüchterner Befund: US-Staatsanleihen genössen nicht mehr automatisch den Status als sicherer Hafen.
Frankreich, Japan, die USA – nirgends erkennt er einen überzeugenden Konsolidierungskurs. Ein Warnsignal sei für ihn auch, dass Berkshire Hathaway seine Kassenbestände deutlich erhöht habe.
Und der Euro als Profiteur? Fehlanzeige, sagt Feld. Anleger, die aus dem Dollar flüchteten, gingen derzeit vor allem in Gold. Ein Befund, den der Markt bestätigt: Die Feinunze notiert aktuell bei rund 4.600 US-Dollar.
Auch Berlin sollte zuhören. Wer Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe auflegt und gleichzeitig Sparsamkeit predigt, spielt dasselbe Spiel – nur eine Nummer kleiner.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion sowie öffentlich zugängliche Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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