
Feuer über Abqaiq: Die Achillesferse der Weltwirtschaft brennt – und Berlin schaut zu

Es gibt Orte auf dieser Welt, deren Namen kaum jemand kennt, die aber über Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften entscheiden. Abqaiq in der saudischen Ostprovinz ist so ein Ort. Die größte Rohöl-Stabilisierungsanlage des Planeten, ausgelegt auf bis zu sieben Millionen Fass pro Tag, im Normalbetrieb rund 4,9 Millionen. Nun steht sie offenbar in Flammen – getroffen von Drohnen und Raketen, zugeschrieben den Huthi-Milizen oder iranisch gelenkten Verbänden aus dem Irak. Wer glaubt, das sei ein exotischer Nebenschauplatz fernab deutscher Wohnzimmer, der hat die vergangenen Jahre schlicht verschlafen.
Zwei Tage Ruhe – und schon lodert es wieder
Nach dreizehn Tagen des gegenseitigen Schlagabtauschs zwischen Washington und Teheran hatte es am Wochenende eine Atempause gegeben. Der amerikanische UN-Botschafter erklärte im Fernsehen, Präsident Trump wolle den Gesprächen „etwas Luft" verschaffen. Oman vermittle, man rede auf allen Ebenen. Klingt nach Diplomatie. Nur: Aus Teheran kommt die kalte Dusche. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums stellte klar, es gebe derzeit keinerlei Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten – Vermittler tauschten allenfalls Botschaften aus. Trumps Darstellung, der Iran bettele um Gespräche, wurde als Falschmeldung zurückgewiesen.
Gleichzeitig droht ein iranischer Armeesprecher unverhohlen mit geografischer Ausweitung der Angriffe, sollte Washington die Luftschläge wieder aufnehmen. Teheran rühmt sich, die Straße von Hormus zu kontrollieren, und lässt wissen, allein der Iran entscheide über das Ende des Konflikts. Ein namentlich nicht genannter Vertreter formulierte die Logik gegenüber Reuters simpel: Angriff für Angriff. Hörten die Amerikaner auf, höre man ebenfalls auf.
Das Munitionsproblem der Supermacht
Besonders bemerkenswert ist, was aus dem Inneren des amerikanischen Sicherheitsapparats durchsickert. Offiziell heißt es, dem US-Militär fehle es an nichts. Doch der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff soll intern gewarnt haben, eine Wiederaufnahme großer Kampfhandlungen würde die Bestände an Abwehrraketen im Zentralkommando empfindlich leeren. Der Vizepräsident soll im Weißen Haus vor einer Eskalation gewarnt haben. Und der CENTCOM-Befehlshaber empfiehlt Berichten zufolge, die Bombardierungen rund um Hormus einzustellen, weil sie ihre Wirkungsgrenze erreicht hätten.
Wenn die stärkste Militärmacht der Geschichte über knappe Abfangraketen debattiert, während die größte Ölanlage der Welt brennt, dann ist die Ordnung, auf die sich Europa jahrzehntelang bequem verlassen hat, nicht mehr das, was sie einmal war.
Die saudische Verteidigungsführung meldet, man habe Drohnen abgefangen, die von irakischem Territorium aus Ölanlagen in der Ostprovinz und in Riad angreifen sollten. Bereits am Wochenende sollen Aramco-Standorte in Jizan und Yanbu getroffen worden sein – Satellitenbilder zeigen eine Rauchfahne, die sich über rund siebzig Kilometer zieht. Ein Bild wie aus einem Katastrophenfilm. Nur eben real.
Und was macht Deutschland?
Man muss sich das vor Augen führen: Die Bundesrepublik hat ihre Energieversorgung in den vergangenen Jahren mit einer Mischung aus Ideologie und Naivität demontiert. Funktionierende Kernkraftwerke wurden abgeschaltet, während man sich gleichzeitig in globale Lieferketten begab, die von der Stabilität einiger weniger Nadelöhre abhängen – Hormus, Suez, Abqaiq. Wer den heimischen Grundlaststrom aus moralischen Gründen verschrottet, macht sich erpressbar. Das ist keine Prophezeiung, das ist Arithmetik.
Die neue Bundesregierung aus Union und SPD hat daran wenig geändert. Statt Versorgungssicherheit zur Chefsache zu machen, verankert man Klimaneutralität im Grundgesetz und schnürt Sondervermögen im dreistelligen Milliardenbereich – finanziert auf Pump, obwohl der Kanzler im Wahlkampf etwas anderes versprochen hatte. Sollte der Ölpreis nun infolge der Angriffe auf Abqaiq durch die Decke gehen, träfe das eine Industrie, die ohnehin am Tropf hängt, mit voller Wucht. Und die Inflation, die man den Bürgern gerade als überwunden verkaufen wollte, käme durch die Hintertür zurück.
Was aus solchen Nächten folgt
Historisch betrachtet ist der Zusammenhang zwischen geopolitischen Schocks am Golf und der Kaufkraft westlicher Währungen kein Geheimnis. Von der Ölkrise 1973 über die Golfkriege bis zum Drohnenangriff auf eben jenes Abqaiq im Jahr 2019 – jedes Mal folgte auf die Bilder brennender Anlagen eine Neubewertung von Risiko. Und jedes Mal erinnerten sich die Menschen daran, dass Papierversprechen dann am wenigsten wert sind, wenn man sie am dringendsten braucht.
Physische Edelmetalle sind kein Allheilmittel und keine Wette auf Krieg. Sie sind schlicht das, was sie seit Jahrtausenden waren: ein Wertspeicher, der weder von einer Notenbankentscheidung noch von einer brennenden Raffinerie im Wüstensand abhängt. In einer Welt, in der Regierungen Schulden auftürmen und Milizen über Weltmarktpreise entscheiden, gehört ein solider Anteil an Gold und Silber in jedes breit gestreute Vermögen. Nicht aus Angst – sondern aus Vernunft.
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