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Kettner Edelmetalle
08.04.2026
09:00 Uhr

Flugtickets werden drastisch teurer – und ein Ende ist nicht in Sicht

Wer gehofft hatte, die von US-Präsident Donald Trump verkündete zweiwöchige Waffenruhe mit dem Iran würde rasch für Entspannung an den Tankstellen der Weltluftfahrt sorgen, der wird nun eines Besseren belehrt. Der Chef des Weltverbands der Fluggesellschaften (IATA), Willie Walsh, hat am Rande des IATA World Data Symposiums in Singapur unmissverständlich klargemacht: Höhere Flugticketpreise seien „unausweichlich" – und zwar trotz der diplomatischen Annäherung im Nahen Osten.

Zerstörte Raffinerien bremsen die Erholung

Der Grund für diese ernüchternde Prognose liegt nicht allein in der geopolitischen Unsicherheit, sondern in handfesten infrastrukturellen Schäden. Die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten – man erinnere sich an die dramatische Eskalation zwischen Israel und dem Iran im vergangenen Jahr – haben erhebliche Raffineriekapazitäten in der Region zerstört oder beschädigt. Selbst wenn die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt, sofort wieder vollständig geöffnet würde, dauere es Monate, bis sich die Kerosinversorgung normalisiere, so Walsh.

Zwar fielen die Rohölpreise nach Trumps Ankündigung um bis zu 16 Prozent auf unter 100 US-Dollar pro Barrel. Doch Walsh warnte davor, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen. Ein sinkender Rohölpreis bedeute keineswegs automatisch günstigeres Kerosin. Die Verarbeitungskapazitäten fehlten schlicht, und dieser Engpass lasse sich nicht über Nacht beheben.

Asien, Afrika und Europa besonders gefährdet

Die Auswirkungen der Krise treffen die Welt nicht gleichmäßig. Am stärksten gefährdet sei laut Walsh der asiatische Raum, gefolgt von Afrika und Europa. Besonders dramatisch stelle sich die Lage in einkommensärmeren, stark importabhängigen Ländern wie Vietnam, Myanmar und Pakistan dar. Verschärft wird die Situation dadurch, dass China und Thailand ihre Kerosinexporte komplett gestoppt und Südkorea sie auf das Vorjahresniveau gedeckelt haben. Walsh äußerte die Erwartung, dass diese Länder ihre Exporte wieder aufnehmen würden, sobald das Rohöl wieder fließe – doch wann genau das der Fall sein wird, bleibt ungewiss.

Fluggesellschaften reagieren mit Preiserhöhungen und Streichungen

Die Branche reagiert bereits mit drastischen Maßnahmen. Die malaysische Billigfluggesellschaft AirAsia X hat ihre Tarife um bis zu 40 Prozent angehoben. United Airlines in den USA habe die geplante Kapazität um rund fünf Prozent reduziert, Air New Zealand seine Flugpläne zum zweiten Mal gekürzt und die Preise erneut erhöht. Der CEO der Malaysia Aviation Group, Nasaruddin Bakar, brachte es auf den Punkt: Selbst wenn der Krieg aufhöre, werde es noch viele Monate dauern, bis sich die Preise stabilisierten. Thai-Airways-Chef Chai Eamsiri bezeichnete die aktuelle Krise gar als den schlimmsten Ölpreisschock seiner gesamten Karriere.

Europa nicht verschont – Italien als Warnsignal

Dass auch Europa keineswegs immun gegen die Verwerfungen ist, zeigte sich jüngst in Italien. An vier Flughäfen – Mailand-Linate, Venedig, Treviso und Bologna – kam es zu einem vorübergehenden Kerosinengpass, nachdem das britische Unternehmen Air BP auf begrenzte Verfügbarkeit hingewiesen hatte. Zwar konnte die Situation durch lokale Lieferanten behoben werden, doch das Signal ist unmissverständlich: Die Versorgungsketten sind fragil, und es braucht wenig, um sie ins Wanken zu bringen.

Für den deutschen Verbraucher, der ohnehin unter steigenden Lebenshaltungskosten ächzt, sind das keine guten Nachrichten. Die Inflation, befeuert durch das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung und eine Energiepolitik, die Deutschland systematisch von günstigen Energiequellen abgeschnitten hat, wird durch explodierende Kerosinpreise weiter angeheizt. Wer in diesem Sommer in den Urlaub fliegen möchte, sollte sich auf deutlich höhere Kosten einstellen – oder gleich im eigenen Land bleiben.

Die geopolitische Rechnung kommt beim Bürger an

Was wir hier erleben, ist die direkte Konsequenz einer Weltordnung, die zunehmend aus den Fugen gerät. Die Eskalation im Nahen Osten, die Abhängigkeit von instabilen Lieferketten, die fehlende strategische Vorsorge europäischer Regierungen – all das rächt sich nun. Und wie immer ist es der einfache Bürger, der die Zeche zahlt. Nicht die Politiker, die jahrelang ideologiegetriebene Energiepolitik betrieben haben. Nicht die Konzernchefs, die ihre Margen durch Preiserhöhungen sichern. Sondern die Familie, die sich den Sommerurlaub kaum noch leisten kann.

Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran mag ein erster Schritt sein. Doch zwei Wochen diplomatische Atempause heilen keine zerstörten Raffinerien und füllen keine leeren Kerosinlager. Die Luftfahrtbranche steht vor einer Belastungsprobe, deren Ende nicht absehbar ist. Und der deutsche Steuerzahler? Der darf einmal mehr die Rechnung begleichen – für eine Politik, die er sich so nie gewünscht hat.

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