
Ford-Beben in Köln: Kein Käufer, kein Modell – 500 Jobs weg!

Das nächste bittere Kapitel für das Kölner Ford-Werk: Auf einer Betriebsversammlung am 22. September wurde bekannt, dass weitere 500 Beschäftigte den Autobauer mit einer Abfindung verlassen sollen. Zuvor war die Suche nach Investoren für sieben Werksbereiche komplett gescheitert. Und die wichtigste Frage bleibt offen: Was soll in Köln nach 2030 überhaupt noch vom Band laufen?
Sieben Bereiche, null Interessenten
Ford wollte für sieben Sparten neue Betreiber finden, darunter den Werkzeugbau und Dienstleistungen wie die Gastronomie. Medienberichten zufolge blieben alle Gespräche ohne Ergebnis. Genau aus diesen Bereichen stammen nun die 500 Stellen, die wegfallen.
Das ist ein Warnsignal. Wenn sich für einen traditionsreichen Werkzeugbau am größten Autostandort des Rheinlands niemand findet, zeigt das, wie wenig Vertrauen Investoren derzeit in den Industriestandort Deutschland haben.
Wichtig zur Einordnung: Die 500 Stellen sind kein zusätzlicher Kahlschlag. Sie gehören zum laufenden Sparprogramm. Ende 2024 hatte Ford angekündigt, in Deutschland bis Ende 2027 rund 2.900 Arbeitsplätze abzubauen, die meisten davon in Köln. Im Frühjahr kamen 750 Stellen in der Fahrzeugfertigung dazu, weil eine komplette Schicht gestrichen wurde. Zusammen sind es rund 3.650 Jobs. Am Ende arbeiten in Köln weniger als 9.000 Menschen für Ford.
Elektro-Hoffnung am Tropf der Förderung
Der Blick zurück tut weh. Seit 1930 baut Ford in Köln Autos, jahrzehntelang lief hier der Fiesta vom Band, ein echter Verkaufsschlager. 2023 war damit Schluss. Heute baut das Werk ausschließlich zwei Elektro-SUVs: den Explorer und den Capri. Deren schwache Nachfrage hatte den Konzern erst zu den Einschnitten gezwungen.
Zuletzt lief die Produktion nach Medienberichten wieder etwas besser. Ford führt das auf die neue staatliche E-Auto-Prämie und eigene Rabatte zurück. Privatkunden erhalten bei ausgewählten elektrifizierten Modellen, darunter Explorer und Capri, einen Bonus von 5.000 Euro. Wer die Voraussetzungen erfüllt, bekommt obendrein Geld vom Staat.
Doch wie belastbar ist ein Aufschwung, der vor allem an Prämien hängt? Kritiker sehen darin eine teure Scheinblüte, bezahlt vom Steuerzahler. Denn endet die Förderung, droht die Nachfrage erneut abzustürzen, so wie schon nach dem abrupten Aus des Umweltbonus Ende 2023.
Die Zukunft wird in Frankreich gebaut
Entscheidend für das Werk ist die Zeit nach 2030. Nach Einschätzung des Betriebsrats braucht Köln ein weiteres Modell mit deutlich höheren Stückzahlen. Eine Zusage des Konzerns gibt es bislang nicht. Gesamtbetriebsratschef Benjamin Gruschka machte die Erwartung der Belegschaft klar:
„Wir wollen, dass Köln als Produktionsstandort bleibt und dafür braucht es die Diskussion mit der Geschäftsführung.“
Besonders bitter: Bei kleineren E-Autos setzt Ford auf eine Kooperation mit Renault. Zwei neue Ford-Modelle sollen auf der Ampere-Plattform der Franzosen entstehen. Gebaut werden sie aber in Nordfrankreich, nicht in Köln. Das erste Modell soll Anfang 2028 auf den Markt kommen. Für die Kölner Bänder bleibt davon nichts übrig.
Symptom einer ganzen Branche
Ford Köln steht nicht allein. Bereits einen Tag vor der Betriebsversammlung hatte die IG Metall bundesweit zu Protesten gegen den Stellenabbau in der Autoindustrie aufgerufen, auch vor den Kölner Werkstoren. Hohe Energiepreise, erdrückende Bürokratie und eine politisch verordnete Elektrowende, die viele Kunden nicht mitgehen, setzen den Herstellern zu.
Die Bundesregierung unter Friedrich Merz hat einen industriepolitischen Neustart versprochen. In Köln ist davon bislang wenig zu spüren. Für Tausende Familien am Rhein ist die Zukunft ungewisser denn je, und das in einem Werk, das fast ein Jahrhundert lang für deutsche Ingenieurskunst stand.
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