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Frankreich in Flammen: Wer zündelt hinter den Schüler-Krawallen?

Frankreich in Flammen: Wer zündelt hinter den Schüler-Krawallen?
Symbolbild: KI-generiert

Angefangen hat alles Mitte September mit einem Schülerprotest gegen überfüllte Klassen an einem Gymnasium bei Paris. Inzwischen brennt das halbe Land: Rund 8.000 Menschen wurden festgenommen, Tausende Läden geplündert, Rathäuser angezündet. Frankreichs Regierung sieht die Verantwortung bei der radikalen Linken um Jean-Luc Mélenchon.

Vom Schultor auf die Barrikaden

Los ging es am 17. September am Lycée Saint-Exupéry in Créteil. Lehrer hatten dort gegen Personalmangel protestiert, danach blockierten Schüler ihre Schule. Auffällig ist der Zeitpunkt: Schon einen Tag vorher hatte die örtliche Gruppe von La France Insoumise (LFI) ihre Unterstützung angekündigt. Die LFI-Abgeordneten Louis Boyard und Clémence Guetté standen gleich am ersten Tag vor dem Schultor.

Danach ging es schnell. Am 1. Oktober meldete das Innenministerium Störungen an 1.027 der rund 3.700 Gymnasien im Land. Am 17. Oktober wurden laut Handelsminister Serge Papin mindestens 3.000 Geschäfte geplündert oder beschädigt. Medienberichten zufolge brannte in Limoges das Rathaus und in Lyon das Touristenbüro. Für die nächste Protestrunde am 24. Oktober waren 70.000 Polizisten im Einsatz.

Eine Bewegung „von Grund auf fabriziert“?

Die Regierung nennt das Ganze ein „Manöver, organisiert von LFI und ihren ultralinken Stellvertretern“. LFI bestreitet das. Parteikoordinator Manuel Bompard forderte die Regierung auf, sich nicht in Verschwörungstheorien zu verlieren.

Einige Vorgänge geben trotzdem zu denken. Mélenchon schrieb auf X, die Regierung habe Repression gegen „harmlose“ Schüler angeordnet, und das mit „offensichtlich rassistischem Beigeschmack“. Er rief Aktivisten auf, sich zwischen Schüler und Polizei zu stellen. Bally Bagayoko, LFI-Bürgermeister von Saint-Denis, soll gesagt haben, Gewalt könne „legitim“ sein, besser sei es aber, sie zu vermeiden. Der Pariser Polizeipräfekt gab diese Äußerung an die Staatsanwaltschaft weiter. Geprüft wird eine mögliche Anstiftung zu einer Straftat.

Die Schülergewerkschaft USL rief zur landesweiten Mobilisierung auf. Ihr 19-jähriger Präsident Ryad Rani hat Berichten zufolge seit Jahren enge Verbindungen zu LFI. Mit 14 machte er ein Praktikum bei einem LFI-Abgeordneten, im März kandidierte er auf einer von LFI unterstützten Liste.

Der Radikalismusforscher Olivier Vial sieht hier den üblichen Ablauf umgedreht. Normalerweise komme die Gewalt eines harten Kerns erst am Ende einer Schülerbewegung. Diesmal seien zuerst Linksextreme und Gewalt da gewesen, die Gewerkschaften mit ihren Forderungen erst danach.

Gelbwesten ohne gelbe Westen

Den Termin 17. Oktober schlug ein anonymer TikToker namens „v2.95“ vor. Kommunistenchef Fabien Roussel, LFI-Fraktionschefin Mathilde Panot sowie die Gewerkschaften CGT und Solidaires schlossen sich an. Benjamin Cauchy war 2018 eines der bekannten Gesichter der ersten Gelbwesten. Er wirft der Linken vor, die Bewegung schon damals vereinnahmt zu haben. Getragen hätten sie ursprünglich Unternehmer, Ladenbesitzer und Angestellte aus der Privatwirtschaft.

„Wir wollten niedrigere Steuern, um von unserer Arbeit leben zu können; die extreme Linke forderte mehr Sozialleistungen.“

Mitmischer aus Teheran, Doha und den USA

Auch das Ausland mischt mit. Außenminister Jean-Noël Barrot bestellte am 7. Oktober den iranischen Botschafter ein und warf Teheran eine „Desinformationskampagne“ vor. Der französischsprachige Ableger des von Katar finanzierten Senders Al Jazeera sprach von „Repression“ gegen Schüler. In den USA feierte BreakThrough News die Unruhen. Der republikanische Abgeordnete Jason Smith wirft dem Portal Verbindungen zu einem Netzwerk vor, das der Kommunistischen Partei Chinas nahestehe. Das Portal weist das zurück und spricht von „Verfolgung“.

Je gebildeter, desto gewaltbereiter?

Eine Ifop-Umfrage zeigt, wie tief das Problem reicht. 47 Prozent der Unter-35-Jährigen halten es für manchmal nötig, für ihre Ideen ein gewisses Maß an Gewalt einzusetzen. Unter LFI-Anhängern sind es 64 Prozent. Bei Befragten mit hohem Abschluss liegt die Zustimmung bei 40 Prozent, bei Menschen ohne Abschluss bei 25 Prozent. Vial schließt daraus, entscheidend sei nicht, ob Menschen gebildet seien, sondern worin.

Premierminister Sébastien Lecornu sagt, die Regierung lasse sich nicht einschüchtern. Bis zur Präsidentschaftswahl 2027 bleibt allerdings wenig Zeit. Für Deutschland ist das eine Warnung: Wenn Hochschulen und Netzwerke politische Gewalt salonfähig machen, kann ein Schulprotest schnell zum Aufstand werden.

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