
Frankreich jagt Epsteins Schatten: Ermittlungen wegen Menschenhandel und Steuerbetrug
Was viele längst vermutet haben, wird nun endlich zur juristischen Realität: Frankreich hat umfassende Ermittlungen gegen das Netzwerk des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein eingeleitet. Die Pariser Staatsanwaltschaft untersucht sowohl Menschenhandel als auch ein ganzes Bündel an Finanzverbrechen – darunter Geldwäsche, Korruption und Steuerhinterziehung. Man fragt sich unweigerlich: Warum erst jetzt?
Zwei Ermittlungsstränge, ein Abgrund
Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau verkündete am Mittwoch im französischen Radio, dass die Untersuchungen auf öffentlich zugänglichem Material sowie auf Anzeigen von Kinderschutzorganisationen basieren würden. Fünf Staatsanwälte sollen die veröffentlichten Akten durchforsten – auf der Suche nach Hinweisen, ob französische Staatsbürger in sexuelle oder finanzielle Vergehen verwickelt gewesen sein könnten. Die Behörde selbst sprach von einer „titanischen Arbeit, ohne zu wissen, was dabei herauskommen wird". Eine bemerkenswert ehrliche Einschätzung, die allerdings auch wenig Zuversicht verbreitet.
Epstein, der sich 2019 in einer Gefängniszelle in Manhattan das Leben nahm, war bereits 2008 wegen der Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt worden. Seine Komplizin Ghislaine Maxwell wurde in den USA des Menschenhandels mit minderjährigen Mädchen schuldig gesprochen. Doch das wahre Ausmaß dieses Netzwerks scheint bis heute kaum erfasst.
Prominente Namen im Fadenkreuz
Bereits jetzt geraten hochrangige französische Persönlichkeiten ins Visier der Ermittler. Gegen den ehemaligen Kulturminister Jack Lang und seine Tochter Caroline laufen Vorermittlungen wegen des Verdachts auf Steuerbetrug. Ebenfalls unter der Lupe: der französische Diplomat Fabrice Aidan, dem vorgeworfen werde, Dokumente der Vereinten Nationen an Epstein weitergegeben zu haben. Aidan habe die Vorwürfe bestritten.
Die vom US-Justizministerium freigegebenen Dokumente umfassen Flugprotokolle und E-Mails, die belegen sollen, dass Epstein regelmäßig Paris besuchte, wo er eine Luxuswohnung in unmittelbarer Nähe des Arc de Triomphe besaß. Frankreich sei das einzige Land außerhalb der Vereinigten Staaten, in dem Epstein Immobilien besessen habe, betonte Homayra Sellier von der Kinderschutzorganisation „Innocence en danger".
Verschleppte Aufklärung – ein Muster mit System?
Es ist nicht das erste Mal, dass französische Ermittler dem Epstein-Komplex nachgehen. Bereits 2019 hatte die Staatsanwaltschaft Untersuchungen eingeleitet – nur um diese 2023 stillschweigend einzustellen, nachdem Jean-Luc Brunel, ein langjähriger Vertrauter Epsteins und Hauptverdächtiger, in einem französischen Gefängnis verstorben war. Ein bemerkenswerter Zufall, der an Epsteins eigenen Tod in Haft erinnert und Fragen aufwirft, die wohl nie beantwortet werden.
Dass die Ermittlungen nun wieder aufgenommen werden, dürfte nicht zuletzt dem politischen Druck geschuldet sein. Am Dienstag hatte ein unabhängiges Expertengremium des UN-Menschenrechtsrats die Existenz eines „globalen kriminellen Netzwerks" im Zusammenhang mit Epstein nahegelegt und von Handlungen gesprochen, die möglicherweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellten. Eine Einschätzung, die das ganze Ausmaß dieser Affäre erahnen lässt.
Ein System des Schweigens
Der Fall Epstein ist weit mehr als eine Kriminalgeschichte – er ist ein Spiegel der Verkommenheit globaler Eliten, die sich jahrzehntelang unantastbar wähnten. Dass mächtige Netzwerke aus Politik, Diplomatie und Finanzwelt offenbar über Jahre hinweg einen verurteilten Sexualstraftäter schützten oder zumindest von seinen Verbindungen profitierten, sollte jeden Bürger alarmieren. Die Staatsanwaltschaft in Paris äußerte die Hoffnung, dass die mediale Aufmerksamkeit weitere Opfer ermutigen könnte, sich zu melden. Es bleibt zu hoffen, dass diese Ermittlungen nicht erneut im Sand verlaufen – wie so viele unbequeme Untersuchungen zuvor.
Denn eines steht fest: Das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Institutionen erodiert mit jedem Fall, der vertuscht, verschleppt oder stillschweigend zu den Akten gelegt wird. Ob in Frankreich, den USA oder anderswo – die Menschen haben ein Recht darauf zu erfahren, wer in dieses monströse Netzwerk verstrickt war. Und sie haben ein Recht auf Gerechtigkeit.

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