
Gas-Alarm vor dem Winter: Jetzt bekommt es auch Merz mit der Angst

Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie nie zuvor zu dieser Jahreszeit. Der Füllstand lag am 3. September bei 53,28 Prozent – im Vorjahr waren es zum Monatsanfang noch 70,65 Prozent. Und im Kanzleramt wächst die Nervosität.
Öffentlich hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu den mageren Beständen bisher nicht geäußert. Medienberichten zufolge teilte er aber bei der Kabinettsklausur in der vergangenen Woche die Sorge von Digitalminister Karsten Wildberger vor Engpässen im Winter. Das Kanzleramt lasse sich seither regelmäßig über die Lage unterrichten.
Söder warnt vor einer „Zitterpartie“
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) prescht vor: Der Bund müsse rasch für ausreichende Füllstände sorgen, forderte er nach einer Kabinettssitzung in München. Aktuell sei es zu wenig, es deute sich erneut eine „Zitterpartie“ an. Söder brachte eine nationale Gasreserve nach dem Muster der strategischen Ölreserve ins Spiel.
Damit gerät Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) unter Druck. Sie setzt seit Monaten auf die marktgetriebene Befüllung und lehnte im gesamten ersten Halbjahr staatliche Eingriffe ab. Mitte August erklärte eine Sprecherin ihres Hauses, nach aktuellem Erkenntnisstand sei keine Gasmangellage zu erwarten.
Rekordtief seit Beginn der Aufzeichnungen
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Am 20. August waren die deutschen Speicher zeitweise nur zu 50,2 Prozent gefüllt – laut dem Branchenverband INES der niedrigste Wert für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen 2011. Der europäische Schnitt liegt bei 65,39 Prozent.
Das Ziel: rund 80 Prozent im November. Auf dem aktuellen Pfad wirkt das kaum erreichbar. Gebucht waren im Mai gerade einmal 76 Prozent der Speicherkapazitäten.
„Wir haben bereits im letzten Winter gelernt, dass ein Buchungs- und Füllstand von 76 Prozent nur ausreicht, wenn die Wetterbedingungen günstig sind“, sagte INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.
In einem kalten Szenario – gerechnet mit den Temperaturen des Referenzjahres 2010 – drohen Deutschland nach der INES-Analyse vom Mai Versorgungslücken von insgesamt 20 Terawattstunden in den Monaten Januar bis März 2027.
Preise auf höchstem Stand seit der Energiekrise
Nachbuchen ist teuer geworden. Am niederländischen Handelspunkt TTF, dem europäischen Referenzmarkt, kosteten Terminkontrakte am 27. August rund 68 Euro je Megawattstunde – so viel wie zuletzt im Januar 2023. Am 3. September notierten sie zeitweise über 73 Euro.
Ein Treiber ist der Nahostkonflikt. Vor dem Iran-Krieg passierten rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Flüssigerdgases die Straße von Hormus. Fällt Angebot weg, steigt der Preis – auch für deutsche Verbraucher.
Unabhängig von Russland, aber ohne Reserve
Zur Beruhigung wird gern auf die Importstruktur verwiesen: Fast die Hälfte des Bedarfs kommt aus Norwegen, dazu Pipelinegas über Frankreich und Belgien sowie LNG über deutsche Terminals, überwiegend aus den USA. Doch verlässliche Lieferanten ersetzen keinen vollen Speicher.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Streit ein Grundproblem: Eine Regierung, die an unzähligen Stellen reguliert, verweist ausgerechnet bei der Grundversorgung auf den Markt – nachdem sie ihm zuvor per Energiepolitik die Rahmenbedingungen diktiert hat. Für viele Bürger dürfte am Ende vor allem eines zählen: die Heizkostenabrechnung.
Wer sein Vermögen gegen Energiepreisschocks und Kaufkraftverlust absichern will, findet in physischen Edelmetallen seit jeher eine bewährte Beimischung.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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