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Gas-Schock: Warum Deutschlands Chemie gegen Amerika chancenlos ist

Gas-Schock: Warum Deutschlands Chemie gegen Amerika chancenlos ist
Symbolbild: KI-generiert

Am europäischen Handelsplatz TTF kostete Erdgas am 23. Oktober rund 93 Euro je Megawattstunde. In den USA lag der Preis bei 2,64 Dollar je Million British Thermal Units, umgerechnet ist das mehr als zehnmal billiger. Für Chemiekonzerne, Düngemittelhersteller und andere energieintensive Betriebe in Deutschland geht es damit um die Frage, ob sie hier überhaupt noch produzieren können.

Die nackten Zahlen

Zur Einordnung: Eine Megawattstunde entspricht etwa 3,4 Millionen BTU. Amerikanische Abnehmer zahlen damit grob neun Dollar je Megawattstunde. Deutsche Unternehmen zahlen ein Vielfaches davon. Zwar handelt es sich um Großhandelspreise und nicht um einzelne Lieferverträge. Die Lücke zwischen beiden Wirtschaftsräumen zeigen sie trotzdem deutlich.

Und die Lage spitzt sich zu. Medienberichten zufolge stieg der europäische Gaspreis am 28. Oktober zum ersten Mal seit Ende 2022 wieder über 100 Euro. Gestörte Flüssiggaslieferungen aus dem Nahen Osten und niedrige EU-Gasspeicher treiben die Notierungen kurz vor dem Winter nach oben.

Gas ist mehr als Heizstoff

Was in der Debatte gern untergeht: Die Grundstoffindustrie verbrennt Erdgas nicht nur, um ihre Anlagen zu beheizen. Sie braucht es auch als Rohstoff, etwa für Ammoniak, Methanol und Dünger. Kein Windrad und kein Solarpanel kann dieses Molekül ersetzen.

Wenn diese Basisproduktion abwandert, trifft es auch die Branchen dahinter. Kunststoffverarbeiter, Autozulieferer und Pharmaunternehmen könnten wichtige Lieferanten im eigenen Land verlieren. Neue Werke entstehen dann dort, wo die Energie dauerhaft günstig ist.

Hunderte Milliarden – und trotzdem teuer

Deutschland hat über Jahrzehnte Hunderte Milliarden Euro in erneuerbare Energien gesteckt. Bezahlbaren Strom und bezahlbare Wärme für die Industrie hat das nicht gebracht. Wind und Sonne liefern nur, wenn Wetter und Tageszeit passen. Deshalb braucht das System weiter Reservekraftwerke, neue Netze und teure Speicher.

Dazu kommt der Atomausstieg im April 2023. Damit fiel verlässliche Stromerzeugung weg, an der Abhängigkeit vom Gas änderte sich aber nichts. Eine Energiewende, die Kraftwerke abschaltet und die Industrie trotzdem am Gas hängen lässt, hat aus Sicht vieler Beobachter ein grundlegendes Konstruktionsproblem.

Wasserstoff: Hoffnung mit hohem Preis

Als Alternative gilt grüner Wasserstoff. Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft warnte am 9. Oktober allerdings vor hohen Produktionskosten und fehlenden langfristigen Abnahmeverträgen. Zudem stünden regulatorische Vorgaben einem wirtschaftlichen Betrieb von Elektrolyseuren im Weg. Amerikanische Konkurrenten nutzen derweil billiges Schiefergas, während von deutschen Betrieben teils der Umstieg auf deutlich teurere Technik erwartet wird.

Die Statistik schlägt Alarm

Die Folgen zeigen sich inzwischen auch in den amtlichen Zahlen. Laut Statistischem Bundesamt lagen die industriellen Erzeugerpreise im September 2026 um 6,7 Prozent über dem Vorjahr:

  • Energie: plus 14,9 Prozent
  • Erdgas in der Verteilung: plus 15 Prozent
  • Vorleistungsgüter: plus 6,4 Prozent

Zwar hellte sich das Geschäftsklima der Chemiebranche im September etwas auf. Das ifo Institut meldete Anfang Oktober aber weiterhin dünne Auftragsbücher und geplanten Stellenabbau. Ein Teil der Erholung geht zudem auf vorübergehende internationale Lieferstörungen zurück.

Ein geschlossenes Werk kommt nicht zurück

Die größte Gefahr sind Investitionen, die dauerhaft verloren gehen. Ein stillgelegtes Chemiewerk lässt sich nicht einfach wieder anfahren. Neuen Standorten im Ausland folgen meist auch Zulieferer und Forschungsabteilungen. So können ganze Wertschöpfungsketten nach und nach abwandern, und zwar Richtung USA, die von ihrer eigenen Gasförderung profitieren.

Die Regierung von Kanzler Friedrich Merz müsste ihre Energiepolitik daher am Erhalt der Industrie messen und nicht an der Zahl neu installierter Windräder. Der Verlust russischer Lieferungen und die Krisen im Nahen Osten erklären einen Teil der Preise. Gerade deshalb gehören aus Sicht von Kritikern alle Optionen auf den Tisch, die Kosten senken und die Versorgung sichern. Neue Förderprogramme allein schließen eine Preislücke um das Zehnfache nicht.

Bleibt es dabei, zahlen die Bürger am Ende mit weniger Arbeitsplätzen, weniger Wertschöpfung und geringeren Steuereinnahmen. Wer sein Erspartes gegen steigende Preise und schwächelnde Standorte absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt unsere redaktionelle Meinung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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06.10.2026
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