
Gasspeicher nur halb voll: Wird der Winter zur Kostenfalle?

Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie seit der Energiekrise 2022 nicht mehr. Der Füllstand liegt bei knapp 48 Prozent – rund 24 Prozentpunkte unter dem historischen Mittel der Jahre 2017 bis 2021. Gleichzeitig treibt der Krieg im Iran die Preise an den Börsen nach oben. Für Millionen Haushalte stellt sich eine simple Frage: Wird es diesen Winter teuer?
Der Blick auf die Speicher: ernĂĽchternd
Gesetzlich müssen die Speicher bis November zu 70 Prozent gefüllt sein. Bis dahin ist noch Luft – aber der Abstand zum Ziel ist beachtlich. Bereits zwischen Oktober und April lagen die Füllstände deutlich unter dem Minimum der Vorjahre.
Gasexpertin Natasha Fielding vom Analysehaus Argus Media ordnet die Lage europaweit ein:
„Europa insgesamt und Deutschland im Besonderen steuern darauf zu, mit den niedrigsten Gasspeicherreserven seit der Energiekrise von 2022 – und womöglich seit mehr als einem Jahrzehnt – in den Winter zu gehen.“
Niedrige Reserven, so Fielding, erhöhten das Risiko von Preisspitzen. Vor allem dann, wenn Kälteeinbrüche und ungeplante Versorgungsengpässe zusammenfielen.
250 Terawattstunden Puffer – bei 850 Terawattstunden Verbrauch
Ein Blick auf die Größenordnungen erklärt, warum das Thema Nerven kostet. Die deutschen Speicher fassen insgesamt rund 250 Terawattstunden. Verbraucht wurden 2024 fast 850 Terawattstunden – der Löwenanteil davon in der kalten Jahreszeit.
Die Speicher sind also kein Selbstzweck, sondern der Puffer für den Winter. Immerhin: Der aktuelle Verbrauch liegt spürbar unter dem historischen Schnitt. In der Woche vom 27. Juli bis 2. August 2026 flossen bundesweit acht Terawattstunden durch die Leitungen – 19,6 Prozent weniger als in vergleichbaren Wochen der Jahre 2018 bis 2021. Ob das ein Erfolg der Sparsamkeit ist oder ein Symptom schrumpfender Industrieproduktion, darüber lässt sich trefflich streiten.
Der Iran-Krieg schlägt bis auf die Heizkostenabrechnung durch
Der Day-Ahead-Preis an der Europäischen Energiebörse EEX liegt derzeit bei rund 5,57 Cent je Kilowattstunde. Verglichen mit dem Panik-Sommer 2022, als kurzzeitig über 30 Cent aufgerufen wurden, ist das moderat. Doch Fachleute warnen: Je länger der Konflikt andauert, desto teurer dürfte es werden.
Zwar bezieht Europa nur einen kleinen Teil seines Gases über die Straße von Hormus. Aber der Weltmarkt ist ein einziger großer Topf. Drohende Knappheit anderswo bedeutet Konkurrenz um dieselben Ladungen – insbesondere um amerikanisches Flüssigerdgas.
Abhängigkeit neu sortiert – aber nicht beseitigt
US-LNG macht bereits ein Viertel der EU-weiten Erdgaslieferungen aus. Bei den deutschen LNG-Importen sind es sogar mehr als 90 Prozent. Aus einer Abhängigkeit wurde eine andere. Und asiatische Abnehmer greifen ebenfalls nach diesen Mengen.
Hinzu kommt hausgemachter Druck: Die steigende CO2-Bepreisung verteuert Gas ganz unmittelbar – politisch gewollt, vom Verbraucher zu zahlen.
Behörden geben Entwarnung – mit Einschränkungen
Die Bundesnetzagentur betont, Speicherstände allein seien kein ausreichender Gradmesser für Versorgungssicherheit. Eine Sprecherin erklärte, der Speicherstand sei niedriger als in den Vorjahren, ungewöhnlich sei er jedoch nicht. Wichtigster Lieferant sei Norwegen, gefolgt von den Niederlanden und Belgien.
Auch der Versorger RheinEnergie sieht keine physische Mangellage: Deutschland könne sich über die bestehenden LNG-Terminals jederzeit am Weltmarkt versorgen. Neuere Bezugsquellen, allen voran Norwegen, hätten sich als politisch „weitaus stabiler“ erwiesen.
Was Verbraucher jetzt tun sollten
Besondere Handlungspflichten für Privathaushalte bestehen laut Bundesnetzagentur nicht. Trotzdem gilt: Wer in der Grundversorgung steckt oder einen auslaufenden Vertrag hat, sollte Preisgarantien und Laufzeiten prüfen. Die Unterschiede zwischen Alttarifen und Neuangeboten können erheblich sein.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall vor allem eines: Energiepreise sind längst geopolitisch bestimmt – und damit ein Kaufkraftrisiko. Wer sein Vermögen breit aufstellt, zieht daraus die Konsequenz. Physische Edelmetalle können in einem gestreuten Portfolio als Gegengewicht zu Inflations- und Krisenrisiken dienen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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