
Geld statt Bäume: Klamme Kommunen opfern ihren Wald für Windräder

Von Niedersachsen bis Bayern entdecken finanziell angeschlagene Gemeinden ihren Wald als Geldquelle. Im Oktober 2026 hat der Gemeinderat im niedersächsischen Bothel einstimmig beschlossen, künftige Windkraft-Einnahmen gemeinsam mit Nachbarkommunen zu bündeln und eine Beteiligung an Windparks zu prüfen. Anderswo locken Pachten in sechsstelliger Höhe. Dafür fallen oft Bäume.
„Wenn wir alle überleben wollen“
Über konkrete Rodungen hat Bothel nicht entschieden. Worum es eigentlich geht, ist trotzdem klar: ums Geld. Der stellvertretende Bürgermeister Sascha Murso brachte die Stimmung im Rat auf den Punkt:
„Wenn wir alle überleben wollen, sollten wir uns zusammenschließen.“
Der Satz verrät viel über den Zustand vieler Gemeindekassen. Wer das Wasser bis zum Hals stehen hat, schaut sich an, was ihm gehört. Und vielen Kommunen gehört Wald. Verpachten sie ihn an Windkraftbetreiber, fließt Jahr für Jahr Geld, und das über Jahrzehnte.
Eine Million Euro pro Jahr: Wer sagt da schon Nein?
Ein Beispiel ist Bruchsal in Baden-Württemberg. Auf städtischen Waldflächen sollten vier Windräder entstehen, die Stadt rechnete mit rund einer Million Euro im Jahr. Die CDU-Fraktion sagte offen, worum es ging: „Wir können uns einen Verzicht auf ca. 1 Million Euro pro Jahr nicht leisten.“
Eine Bürgerinitiative setzte einen Bürgerentscheid durch. Am 14. Dezember 2025 stimmten nach offiziellen Angaben 58,14 Prozent dafür, dass die Stadt ihre Waldflächen verpachten darf. Zwei Tage vorher war der Projektierer jedoch überraschend ausgestiegen, und zwar per E-Mail. Das Votum steht also, das Geld ist aber noch nicht da.
Birkenfeld im Enzkreis rechnet ebenfalls: Sechs Windräder auf Gemeindeflächen im Wald könnten jährlich 300.000 bis 600.000 Euro Pacht bringen. Die Gemeinde sagt selbst, dass sie das Geld für laufende Ausgaben verwenden könnte. Den Wert eines gewachsenen Lebensraums dagegen kann kein Kämmerer als Einnahme verbuchen.
Erst die Säge, dann das Fundament
Was das im Wald bedeutet, sieht man derzeit im bayerischen Weisinger Forst. Für den Windpark Holzheim mit vier Anlagen haben im Oktober 2026 die Vorarbeiten begonnen. Zuerst werden Bäume und Sträucher entfernt. Danach kommen Zufahrtswege, die Befestigung des Baugrunds und die Fundamente. Kommunale Partner sollen insgesamt zu 25 Prozent beteiligt sein.
Dazu kommen Flächen für Schwertransporte, Kräne und die dauerhafte Erschließung. Manche Flächen werden nur während der Bauzeit gebraucht und können später zum Teil wieder aufgeforstet werden. Ein jahrzehntealter Wald wächst aber nicht in ein paar Jahren nach. Die Energiewende soll die Natur schützen und braucht dafür ausgerechnet Natur. Dieser Widerspruch lässt sich nicht wegdiskutieren.
Auf Kredit ins Windgeschäft
Üchtelhausen bei Schweinfurt geht noch weiter. Die Gemeinde steigt als gleichberechtigte Partnerin in eine Windparkgesellschaft ein und leiht sich dafür 3,5 Millionen Euro. Die Aufsicht hat den nötigen Nachtragshaushalt im Oktober genehmigt. Bürgermeister Johannes Grebner hoffe auf langfristig solide Einnahmen, heißt es. Er verweist auch auf die unterdurchschnittliche Einnahmelage seiner Gemeinde. Eine Kommune macht also Schulden, um auf künftige Windgewinne zu setzen. Ob die Rechnung aufgeht, weiß heute niemand.
Berlin dreht am Pacht-Hahn
Im Landkreis Gießen schlagen Bürgermeister bereits Alarm. Nach Medienberichten will die Bundesregierung mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Pacht für alle Flächen eines Windparks auf 3,5 Prozent des jährlichen Standortertrags begrenzen. Die Kommunen fürchten deutliche Einbußen, manche Projekte würden sich womöglich nicht mehr rechnen.
Daran sieht man, wie das Geschäft funktioniert: Ob ein Windpark gebaut wird, hängt nicht nur vom Strom ab, sondern auch davon, wie viel Geld an Grundbesitzer und Gemeinden geht. Ändert sich die Pacht, ändert sich die Kalkulation.
Schiedsrichter und Mitspieler zugleich
Das eigentliche Problem ist die Doppelrolle der Gemeinden. Sie sollen ihre Flächen im Interesse der Allgemeinheit verwalten und verdienen gleichzeitig daran, wenn sie diese Flächen wirtschaftlich nutzen. Bei Freiflächen-Solarparks ist es ähnlich. Allerdings macht es einen großen Unterschied, ob die Module auf einer alten Deponie stehen oder auf einer unberührten Wiese.
Dass überall nur das Geld entscheidet, lässt sich aus den bekannten Fällen nicht belegen. Doch die genannten Pachtsummen zeigen, wie groß die Versuchung ist. Aus Sicht unserer Redaktion ist der Wald zu wertvoll, um mit ihm Haushaltslöcher zu stopfen. Klimaschutz ist kein Freibrief für jeden Eingriff in die Natur. Wer an der Rodung mitverdient, muss sich besonders kritische Fragen gefallen lassen.
- Themen:
- #Energie
- #CDU-CSU
- #Insolvenzen
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













