
Generationenkonflikt um die Rente: Warum die Boomer-Debatte in die Irre führt
Die Diskussion um die geburtenstarken Jahrgänge und ihre vermeintliche Belastung für das Sozialsystem nimmt bisweilen groteske Züge an. Während jüngere Generationen die sogenannten Babyboomer als Sündenböcke für strukturelle Probleme des Rentensystems abstempeln, mahnt der renommierte Soziologe Heinz Bude zu mehr Differenzierung – und trifft damit einen wunden Punkt unserer Gesellschaft.
Das Märchen von den reichen Rentnern
Die öffentliche Wahrnehmung zeichnet ein verzerrtes Bild: Wohlhabende Boomer, die auf Kosten ihrer Enkel in Saus und Braus leben. Doch die Realität sieht anders aus. Bude, selbst Jahrgang 1954 und damit ein sogenannter „Frühboomer", weist auf einen oft übersehenen Umstand hin: Erstmals in der Nachkriegsgeschichte existiert eine beträchtliche Gruppe hochgebildeter Menschen mit erschreckend niedrigen Alterseinkünften. Brüche in der Erwerbsbiografie, Trennungen und die Folgen eines flexibilisierten Arbeitsmarktes haben ihre Spuren hinterlassen.
Die durchschnittliche Rente beläuft sich auf gerade einmal 1.600 Euro monatlich. Von fürstlichen Bezügen kann da wohl kaum die Rede sein. Hinzu kommt, dass die Boomer bereits erhebliche Einschnitte hinnehmen mussten: die Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre, Krankenkassenbeiträge auf die Rente und deren Versteuerung – Belastungen, die frühere Generationen nicht kannten.
Der Vorwurf der Kinderlosigkeit: Eine globale Entwicklung wird zur Schuldfrage
Besonders perfide erscheint der Vorwurf, die Boomer hätten den Generationenvertrag durch zu wenige Kinder gebrochen. Bude kontert diese Anschuldigung mit nüchternen Fakten: Der Rückgang der Geburtenraten korreliert weltweit mit der steigenden Bildungsbeteiligung von Frauen. Je gebildeter die weibliche Bevölkerung, desto niedriger die Geburtenrate – ein globales Phänomen, das man schwerlich einer einzelnen Generation anlasten kann.
„Man kann doch nicht etwas, das eine globale Tendenz ist, den Boomern vorwerfen."
Diese Erkenntnis sollte eigentlich selbstverständlich sein, wird aber im aufgeheizten Generationendiskurs geflissentlich ignoriert. Stattdessen wird eine ganze Alterskohorte zum Prügelknaben für strukturelle Versäumnisse der Politik gemacht.
Ost und West: Unterschiedliche Erfahrungen, gemeinsame Prägung
Interessant ist Budes Beobachtung, dass die Boomer-Debatte zunächst als reines West-Phänomen wahrgenommen wurde. Im Osten Deutschlands waren die Zugänge zu Universitäten und Arbeitsmarkt staatlich reguliert, die Erfahrung des Massenandrangs fehlte. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich eine gemeinsame Prägung: die Elterngeneration, die durch die Jugendorganisationen der Nationalsozialisten gegangen war und deren Leistungsfanatismus an ihre Kinder weitergab.
Die vergessenen Opfer einer Generation
Was in der aktuellen Debatte völlig untergeht: Die Boomer waren die erste Nachkriegsgeneration, die erneut dramatische Einschnitte erlebte. Die Aids-Epidemie forderte ihre Opfer, manche verloren sich in Sekten wie den Bhagwan-Anhängern, andere gerieten in die Fänge des RAF-Terrorismus. Diese Schicksale werden heute kaum noch erinnert, passen sie doch nicht ins Bild der angeblich so privilegierten Generation.
Verbitterungsverbot statt Generationenkrieg
Bude hat sich nach eigener Aussage ein „Verbitterungsverbot" auferlegt – eine Haltung, die man sich von allen Seiten der Debatte wünschen würde. Statt gegenseitiger Schuldzuweisungen wäre eine nüchterne Analyse der tatsächlichen Probleme angebracht. Die Boomer haben die Einschränkungen ihrer Alterseinkünfte weitgehend klaglos hingenommen – in Frankreich hätte dies vermutlich eine Revolution ausgelöst.
Bemerkenswert ist auch Budes Hinweis auf die zeitliche Dimension: In 30 Jahren wird der demografische „Boomer-Bauch" verschwunden sein. Das Problem löst sich gewissermaßen biologisch von selbst. Bis dahin wäre es klüger, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, statt Generationen gegeneinander auszuspielen.
Die wahre Herausforderung: Würdevolles Altern
Die eigentliche Aufgabe, die den Boomern bevorsteht, ist eine andere: Sie werden zu Pionieren des Altwerdens in einer Gesellschaft, deren Institutionen auf Hochbetagtheit kaum vorbereitet sind. Wie man angesichts dessen ein würdevolles Sterben ermöglicht, wird die große Leistung dieser Generation sein – eine Leistung, von der auch die nachfolgenden Generationen profitieren werden.
Vielleicht wäre es an der Zeit, die Boomer-Debatte vom Kopf auf die Füße zu stellen. Statt einer Generation die Schuld für politische Versäumnisse zuzuschieben, sollten wir uns fragen, warum unser Rentensystem so anfällig für demografische Schwankungen ist – und welche politischen Entscheidungen dazu geführt haben.
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