
Geschichtsfälschung auf dem CDU-Parteitag: Linnemann erfindet das Wirtschaftswunder neu

Es gibt Momente in der deutschen Politik, die einen sprachlos zurücklassen. Nicht wegen ihrer Brillanz, sondern wegen ihrer dreisten Geschichtsklitterung. Der CDU-Parteitag in Stuttgart lieferte am vergangenen Wochenende einen solchen Moment – und zwar aus dem Munde von Generalsekretär Carsten Linnemann höchstpersönlich.
Wenn Wunschdenken auf historische Fakten trifft
Linnemann, einst von manchen als konservativer Hoffnungsträger innerhalb der Union gehandelt, hielt vor den Delegierten eine Rede, die man getrost als programmatisches Geschichtsmärchen bezeichnen darf. Seine zentrale These: Ohne Migranten hätte es das deutsche Wirtschaftswunder nicht gegeben. Deutschland wäre ohne sie nie Exportweltmeister geworden. Der Staat würde ohne sie schlicht nicht funktionieren.
Klingt emotional. Klingt inklusiv. Klingt nach dem, was man in den Redaktionsstuben der öffentlich-rechtlichen Sender gerne hört. Nur leider hat es mit der historischen Realität ungefähr so viel zu tun wie ein Märchen der Gebrüder Grimm mit einem Geschichtslehrbuch.
Die unbequemen Fakten
Das deutsche Wirtschaftswunder – jene beispiellose wirtschaftliche Aufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg – wird von Historikern gemeinhin auf den Zeitraum zwischen 1949 und 1966 datiert. Der entscheidende Aufschwung vollzog sich um das Jahr 1955. Zu diesem Zeitpunkt lag der Anteil ausländischer Arbeitskräfte in der Bundesrepublik bei gerade einmal 0,4 Prozent. Man lese diese Zahl ruhig zweimal.
Das deutsch-türkische Anwerbeabkommen wurde erst 1961 geschlossen. Die ersten türkischen Gastarbeiter erreichten die Bundesrepublik Ende desselben Jahres – als der wirtschaftliche Motor längst auf Hochtouren lief. Selbst das Abkommen mit Italien datiert erst auf das Jahr 1955. Und noch 1962 betrug der Anteil ausländischer Arbeitskräfte lediglich 3,1 Prozent, wobei türkische Arbeitnehmer nur einen Bruchteil davon ausmachten.
Die historische Wahrheit ist denkbar einfach: Die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte war eine Folge des Wirtschaftswunders – nicht dessen Ursache. Der Wiederaufbau Deutschlands aus Trümmern und Asche wurde maßgeblich zwischen 1945 und 1955 von deutschen Händen geleistet. Von Trümmerfrauen, von heimkehrenden Soldaten, von einer Generation, die mit bloßem Überlebenswillen und unvorstellbarem Fleiß ein zerstörtes Land wieder aufrichtete. Diesen Menschen ihre Lebensleistung abzusprechen, indem man den Erfolg kurzerhand der Migration zuschreibt, ist nicht nur historisch falsch – es ist eine Beleidigung.
Zwischen den Anwerbeabkommen und dem Anwerbestopp
Zwischen 1961 und dem Anwerbestopp im Jahr 1973 reisten rund 867.000 Türken nach Deutschland ein, von denen etwa 240.000 in diesem Zeitraum wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Die Arbeitsmigration war dabei keineswegs ein einseitiges Geschenk an die Bundesrepublik: Die Türkei profitierte erheblich von den Devisenüberweisungen ihrer Landsleute. Waren es 1964 noch acht Millionen US-Dollar, so stiegen die Überweisungen bis 1973 auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar an. Ein durchaus lukratives Geschäft für Ankara.
Historiker weisen zudem darauf hin, dass das deutsch-türkische Anwerbeabkommen weniger aus einem drängenden deutschen Bedarf heraus entstand, sondern vielmehr auf erheblichen außenpolitischen Druck zurückging. Die Türkei, damals ein strategisch wichtiger NATO-Partner, drängte auf die Vereinbarung – auch um die eigene Arbeitslosigkeit zu exportieren und Devisen ins Land zu holen.
Die AfD als „Partei des Abgrunds" – eine bemerkenswerte Projektion
Doch Linnemann begnügte sich nicht mit Geschichtsumschreibung. Er nutzte die Bühne des Parteitags auch für eine scharfe Attacke gegen die AfD, die er als „Partei des Abgrunds" bezeichnete. Die CDU sei das „Gegenteil", man glaube „an die Zukunft" und „an die Zuversicht".
Man muss sich diese Worte auf der Zunge zergehen lassen. Ausgerechnet die CDU – jene Partei, die unter Angela Merkel 16 Jahre lang die Weichen für genau jene Probleme gestellt hat, unter denen Deutschland heute ächzt – maßt sich an, andere als „Partei des Abgrunds" zu brandmarken. Wer hat denn die Grenzen geöffnet? Wer hat die Energiewende ohne Plan vorangetrieben? Wer hat die Bundeswehr kaputtgespart? Wer hat die Infrastruktur verfallen lassen?
„Die AfD ist eine Partei, deren Geschäftsmodell der Abgrund ist. Wir sind das Gegenteil. Wir glauben an die Zukunft. Wir glauben an die Zuversicht."
Hohle Phrasen, die über die inhaltliche Leere kaum hinwegtäuschen können. Wenn die CDU tatsächlich an die Zukunft glaubt, warum hat sie dann gemeinsam mit der SPD ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen beschlossen, das kommende Generationen mit Schulden belastet? Warum hat sie die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankert – ein ideologisches Projekt, das die deutsche Wirtschaft weiter strangulieren wird? Friedrich Merz hatte versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Das Versprechen hielt nicht einmal bis zur Regierungsbildung.
Linnemann – vom Hoffnungsträger zum Systemsprecher
Carsten Linnemann galt einmal als einer der wenigen in der CDU, die noch den Mut hatten, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Er forderte Deutschpflicht auf Schulhöfen, sprach sich für eine härtere Migrationspolitik aus, gab sich wirtschaftsliberal und bodenständig. Viele Konservative setzten Hoffnungen in ihn.
Diese Hoffnungen dürften sich spätestens nach dieser Rede in Luft aufgelöst haben. Linnemann hat sich offenbar vollständig dem Partei-Establishment untergeordnet. Statt historische Fakten zu benennen, verbreitet er Narrative, die dem Zeitgeist gefallen. Statt die eigene Partei zur Selbstkritik zu bewegen, zeigt er mit dem Finger auf die politische Konkurrenz. Es ist das alte Spiel: Wer keine Argumente hat, der diffamiert den Gegner.
Die CDU unter Friedrich Merz regiert nun in einer Großen Koalition mit der SPD – also mit genau jener Partei, die für einen erheblichen Teil der deutschen Misere mitverantwortlich ist. Der Koalitionsvertrag „Verantwortung für Deutschland" liest sich wie ein Sammelsurium aus Formelkompromissen und ideologischen Zugeständnissen. Von einem echten Kurswechsel ist wenig zu spüren.
Ein Volk, das seine Geschichte kennt, lässt sich nicht belügen
Was Linnemann auf dem Parteitag betrieben hat, ist mehr als nur eine historische Ungenauigkeit. Es ist der bewusste Versuch, die deutsche Nachkriegsgeschichte umzuschreiben – um damit eine bestimmte politische Agenda zu legitimieren. Wer das Wirtschaftswunder den Gastarbeitern zuschreibt, der relativiert die ungeheure Leistung der deutschen Nachkriegsgeneration. Und wer gleichzeitig jede Kritik an der Migrationspolitik als „Abgrund" diffamiert, der versucht, eine demokratische Debatte zu unterbinden.
Die Bürger dieses Landes haben ein feines Gespür dafür, wenn sie belogen werden. Die Kommentarspalten unter Linnemanns Rede sprechen Bände: Von „Geschichtsumschreibung" ist die Rede, von „Märchenbüchern" und „Satire". Viele Menschen fühlen sich verhöhnt – und das zu Recht. Denn es waren ihre Großeltern und Eltern, die Deutschland aus den Ruinen wieder aufgebaut haben. Nicht mit Sonntagsreden, sondern mit Schweiß, Entbehrung und einem unbändigen Willen zum Wiederaufstieg.
In Zeiten, in denen das Vertrauen in die politische Klasse ohnehin auf einem historischen Tiefpunkt angelangt ist, wirken solche Auftritte wie ein Brandbeschleuniger. Wer die Geschichte verfälscht, um die Gegenwart zu rechtfertigen, der sägt an den Fundamenten der Demokratie – und zwar weitaus effektiver als jene, die er als „Partei des Abgrunds" beschimpft.
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