
Goldfieber in Indien: Privatanleger stürmen in Gold-ETFs und lassen Aktien links liegen
Was sich derzeit auf dem indischen Kapitalmarkt abspielt, dürfte so manchem Aktien-Enthusiasten die Sprache verschlagen. Zum ersten Mal seit langem haben indische Anleger im Januar mehr Geld in börsengehandelte Goldfonds gepumpt als in Aktienfonds. Ein Paradigmenwechsel? Zumindest ein unmissverständliches Signal, das die Welt der Finanzmärkte aufhorchen lassen sollte.
Rekordwerte bei Gold-ETF-Zuflüssen
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Satte 240,4 Milliarden Rupien – umgerechnet rund 2,65 Milliarden US-Dollar – flossen im Januar in indische Gold-ETFs. Damit übertrafen die Zuflüsse in das gelbe Edelmetall hauchdünn, aber symbolisch bedeutsam, die Investitionen in Aktienfonds, die bei 240,3 Milliarden Rupien lagen. Es handelt sich laut der Association of Mutual Funds in India um einen absoluten Rekordwert. Und das wohlgemerkt bei einem Goldpreis, der sich auf historischen Höchstständen bewegt. Wer bei solchen Preisen noch kauft, der glaubt offensichtlich an weiteres Aufwärtspotenzial – oder misstraut schlicht allem anderen.
Warum die Inder dem Gold vertrauen
Indien ist seit Jahrhunderten eine Goldnation. Das Edelmetall ist dort nicht bloß eine Anlageklasse, sondern tief in der Kultur verwurzelt – bei Hochzeiten, religiösen Festen und als generationenübergreifender Vermögensspeicher. Diese kulturelle Bindung wirkt wie ein Turbolader auf einen ohnehin schon globalen Trend. Denn die Triebkräfte hinter der Gold-Rally sind keineswegs auf den Subkontinent beschränkt.
Geopolitische Risiken, die sich wie ein Damoklesschwert über den Weltmärkten zusammenbrauen – vom andauernden Ukraine-Krieg über die Eskalation im Nahen Osten bis hin zu Trumps aggressiver Zollpolitik –, treiben Anleger weltweit in den sicheren Hafen Gold. Hinzu kommt ein schwindendes Vertrauen in Staatsanleihen und Fiat-Währungen, das nicht nur in Indien, sondern rund um den Globus spürbar ist. Die weltweiten Bestände an Gold-ETFs befinden sich nahe ihrem Dreijahreshoch – und das trotz zwischenzeitlicher Preisrücksetzer.
Zentralbanken als Großkäufer
Doch es sind nicht nur die Privatanleger, die dem Gold die Treue halten. Zahlreiche Zentralbanken kaufen seit geraumer Zeit massiv Gold auf. Goldman Sachs prognostiziert, dass die Notenbanken in diesem Jahr monatlich rund 60 Tonnen des Edelmetalls erwerben werden. Wenn selbst die Hüter der Geldpolitik – jene Institutionen also, die das Papiergeld drucken – lieber Gold horten, was sagt das über das Vertrauen in das eigene System aus? Die Antwort liegt auf der Hand.
Aktien bleiben stabil – aber ohne Glanz
Fairerweise muss man anmerken, dass die indischen Aktienfonds keineswegs eingebrochen sind. Im Gegenteil: Sie verzeichneten den 59. Monat in Folge Zuflüsse, getragen vor allem von automatisierten Sparplänen, die Anleger zu regelmäßigen Investitionen veranlassen. Doch der Nifty 50 Index – Indiens Leitindex – hinkte 2025 seinen internationalen Pendants hinterher. Kein Wunder also, dass das kluge Geld verstärkt in Gold umgeschichtet wird.
Ein globales Warnsignal
Was in Indien geschieht, ist kein isoliertes Phänomen. Es ist vielmehr der sichtbare Ausdruck eines tiefen Vertrauensverlustes in die Stabilität des globalen Finanzsystems. Wenn Hunderte Millionen Menschen in einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt lieber Gold kaufen als Aktien, dann sollte das auch hierzulande als Weckruf verstanden werden. In Deutschland, wo die neue Große Koalition gerade ein 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket auf den Weg gebracht hat und die Inflation weiter an der Kaufkraft der Bürger nagt, erscheint physisches Gold als Vermögenssicherung aktueller denn je.
Gold hat über Jahrtausende hinweg seinen Wert behalten – durch Kriege, Währungsreformen und politische Umwälzungen. Wer sein Portfolio klug diversifizieren möchte, sollte physische Edelmetalle als festen Bestandteil einer breit gestreuten Anlagestrategie in Betracht ziehen. Denn eines lehrt uns die Geschichte mit unerbittlicher Konsequenz: Papiergeld kommt und geht. Gold bleibt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir empfehlen, vor Investitionsentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Informationen entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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