
Goldrausch vor Diwali: Indien kauft – und der Staat tritt auf die Bremse

Indiens Lust auf Gold ist zurück. Kurz vor der traditionellen Fest- und Hochzeitssaison laufen die Juweliergeschäfte des Subkontinents wieder voll, und Anleger stecken so viel Geld in Gold-ETFs wie seit sieben Monaten nicht mehr. Das zeigt der jüngste Indien-Bericht des World Gold Council (WGC). Er zeigt aber auch, wie entschlossen die Behörden in Neu-Delhi den Goldhunger ihrer Bürger zügeln wollen.
Preisrutsch? Für Inder ein Rabatt
Im September war der Goldpreis international um 8,5 Prozent eingebrochen. Laut Kavita Chacko, der Indien-Forschungschefin des WGC, hätten höhere US-Anleiherenditen, ein festerer Dollar und kleinere Positionen an den Terminmärkten auf den Kurs gedrückt. In Indien fiel der Preis nur um 4,8 Prozent auf 147.613 Rupien je zehn Gramm. Die schwache Rupie habe den Rückgang abgefedert.
Während westliche Anleger bei fallenden Kursen oft nervös werden, gehen Inder einkaufen. Wer ohnehin Schmuck für Diwali oder eine Hochzeit kaufen wollte, kauft jetzt früher. Händler füllen ihre Lager auf und werben mit neuen Kollektionen und leichteren Stücken, die man im Alltag tragen kann.
Die Zahlen sind beachtlich: Börsennotierte Juweliere haben im Quartal von Juli bis September laut WGC 20 bis 30 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Vorjahr. Und das, obwohl wichtige Feiertage in diesem Jahr erst ins vierte Quartal fallen.
Sparer greifen zu – per ETF und per Smartphone
Auch die Anleger nutzen die Gelegenheit. Im September flossen nach Daten des indischen Fondsverbands AMFI netto 44,5 Milliarden Rupien in Gold-ETFs, umgerechnet rund 466 Millionen US-Dollar. Die Bestände wuchsen um fast drei Tonnen auf 124 Tonnen.
Noch deutlicher ist ein anderer Wert: Rund 140.000 neue Anlegerkonten kamen im September hinzu. Im August waren es nur etwa 4.000. Auch digitales Gold ist gefragt: Die Käufe lagen 83 Prozent über dem Vorjahresmonat. Nur bei Barren und Münzen hat sich die Nachfrage nach der vorherigen Rally etwas abgekühlt.
Importe im Keller – mit Absicht?
Ausgerechnet vor der Hauptsaison brechen die Goldimporte ein. Im September führte Indien Gold für nur noch 1,8 Milliarden Dollar ein. Das ist der niedrigste Wert seit März 2024 und ein Minus von 81 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut WGC liegt das vor allem an mehr Altgold im Markt: Bei manchen Händlern macht der Tausch von altem gegen neuen Schmuck schon mehr als die Hälfte des Umsatzes aus.
Der zweite Grund ist heikler. Seit dem 16. Oktober nehmen Fonds, die in Gold-ETFs investieren, vorerst kein neues Geld mehr an. Laufende Sparpläne und Auszahlungen sind davon nicht betroffen. Chacko zufolge soll der Schritt nach Gesprächen mit der Börsenaufsicht SEBI erfolgt sein und vermutlich die Importe senken. Schon im Juni waren große Direktkäufe begrenzt worden.
Ein Lehrstück für deutsche Sparer
Aus Sicht unserer Redaktion lohnt dieser Vorgang einen genauen Blick. Behörden können mit wenigen Federstrichen regeln, wie viel Geld in Papiergold fließen darf. Barren oder Münzen in eigener Hand sind solchen Eingriffen deutlich weniger ausgesetzt. Viele indische Familien wissen das seit Generationen. Für sie ist Gold kein Spekulationsobjekt, sondern ein Vermögen, das sie an die nächste Generation weitergeben.
Für die kommenden Monate rechnet der WGC mit einem günstigen Umfeld für die Nachfrage. Niedrigere Preise dürften den Schmuckkauf stützen, auch wenn das hohe Preisniveau das Mengenwachstum bremsen könne. Wer sein Vermögen gegen Krisen, Inflation und staatliche Eingriffe absichern will, kann physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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