
Grönemeyers Wutausbruch: Wenn der Millionär aus dem Londoner Domizil über das deutsche Volk richtet

Es gibt Momente, da entlarvt sich eine ganze gesellschaftliche Schieflage in nur wenigen Zeilen. Herbert Grönemeyer, einst gefeierter Barde von „Bochum“ und „Männer“, hat es geschafft, eine demokratisch zustande gekommene Abstimmung des Europäischen Parlaments in einem handschriftlichen Instagram-Pamphlet als „Schandfleck in der europäischen Geschichte auf ewig“ zu brandmarken. Man fragt sich unweigerlich: Wer hat diesem Mann eigentlich die Deutungshoheit über Geschichte, Moral und Demokratie verliehen?
Eine Verordnung gegen illegale Migration – und der Aufschrei der Bessermenschen
Worum geht es eigentlich? Am 17. Juni beschloss das EU-Parlament mit den Stimmen konservativer und rechter Fraktionen eine Rückführungsverordnung. Sie soll schnellere Abschiebungen ermöglichen, den Mitgliedstaaten wirksamere Instrumente im Kampf gegen illegale Migration an die Hand geben und sogar Rückführungszentren im Ausland erlauben. Kurzum: ein längst überfälliger Schritt, der dem Wunsch eines Großteils der europäischen Bevölkerung nach Ordnung, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit endlich Rechnung trägt.
Doch für Grönemeyer ist das Ganze ein „bizarres, schamlos brutales Triumphgebrüll der weißen Überheblichkeit“ – ein „Höhepunkt des unanständigen, zutiefst menschenverachtenden Zynismus, kalter Verhöhnung, größenwahnsinnig und dramatisch inhuman“. Man muss diese Wortgewalt zweimal lesen, um zu begreifen, dass sie sich gegen einen demokratischen Parlamentsbeschluss richtet, nicht gegen ein Kriegsverbrechen.
„Unvergessbar und unentschuldbar“ – mit diesen Worten beendet der 70-Jährige seine Wutschrift gegen die Abgeordneten, die schlicht ihren Wählerauftrag erfüllt haben.
„Send them back“ – oder die Furcht vor dem Volkswillen
Was die selbsternannten Moralapostel besonders erzürnte: Nach der Abstimmung erhoben sich mehrere Abgeordnete zum Applaus, teils ertönte der Ruf „Send them back“. Beteiligt waren die EVP, der auch die Union angehört, die EKR sowie die ESN, in der die AfD vertreten ist. Ein breites bürgerlich-konservatives Bündnis also, das einen Kurswechsel in der gescheiterten europäischen Migrationspolitik einleitete.
Doch statt das Ergebnis als das anzuerkennen, was es ist – nämlich das Resultat eines demokratischen Verfahrens – ergeht sich Grönemeyer in der gleichen Verachtung, die er angeblich bekämpfen will. Ein wahrer Demokrat würde Mehrheitsentscheidungen respektieren. Doch wer Andersdenkende lieber in „ihre Löcher verschwinden“ sehen möchte, hat ein eigenwilliges Verständnis von Demokratie.
Vom Liedermacher zum Hassprediger der Selbstgerechten
Es ist nicht das erste Mal, dass der gebürtige Göttinger ausfällig wird. In der Wiener Stadthalle wetterte er im Februar gegen „die Rechten“ und ihr „furchtbares rechtes Geschwafel“, bei einem Konzert in Dortmund bezeichnete er Andersdenkende gar als „rechte Ratten“. Man stelle sich nur einen Augenblick vor, ein konservativer Künstler würde politische Gegner als „Ratten“ titulieren. Der mediale Aufschrei wäre ohrenbetäubend, die Karriere wäre über Nacht beendet.
Bei Grönemeyer hingegen folgt die Belohnung auf dem Fuße: Am 23. Juni überreicht ihm Thomas Mirow (SPD), Vorsitzender der Deutschen Nationalstiftung, den Deutschen Nationalpreis – für sein angebliches Engagement für „unsere Demokratie“ und eine „offene, freiheitliche Gesellschaft“. Welch bitterer Hohn, dass derjenige geehrt wird, der Mitbürger entmenschlicht.
Moralische Belehrung aus dem Londoner Wohnzimmer
Besonders pikant: Grönemeyer lebt seit Jahren überwiegend in London – also fernab jener gesellschaftlichen Realitäten, die er den Deutschen so leidenschaftlich vorschreiben möchte. Die Asylkrise von 2015 lobte er einst als „Glücksfall“ für Deutschland. Die Konsequenzen dieser Politik – steigende Kriminalität, überforderte Kommunen, eine zunehmend gespaltene Gesellschaft – trägt freilich nicht der wohlhabende Künstler, sondern der gewöhnliche Bürger, der morgens zur Arbeit fährt und abends seine Steuern zahlt.
Genau hier liegt das Problem einer abgehobenen Prominentenkaste, die sich ihre moralische Überlegenheit gerne vergolden lässt, während sie die Sorgen des normalen Volkes als „rechte Hetze“ abtut. Es ist die immergleiche Arroganz jener, die meinen, das Volk müsse erzogen statt regiert werden.
Der Kern bleibt: Wer mahnt, wer urteilt?
Die Verschärfung der europäischen Migrationspolitik ist keine Schande, sondern die längst notwendige Antwort auf jahrelanges Versagen. Dass ein Künstler dies als „menschenverachtend“ geißelt, sagt mehr über die Verwahrlosung des öffentlichen Diskurses aus als über die Verordnung selbst. Wahre Menschenverachtung wäre es vielmehr, weiterhin tatenlos zuzusehen, wie Schleuserbanden florieren und der Rechtsstaat aushöhlt wird.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer Andersdenkende mit „Ratten“ gleichsetzt und demokratische Beschlüsse zu „Schandflecken auf ewig“ erklärt, sollte vielleicht selbst einmal innehalten und über sein Demokratieverständnis nachdenken – statt sich dafür mit Preisen feiern zu lassen.
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