
Handy in der Donau: Ungarns Premier Magyar verliert seine ImmunitÀt!

Ein beispielloser Vorgang in Budapest: Das ungarische Parlament hat am Montag die ImmunitĂ€t von MinisterprĂ€sident PĂ©ter Magyar aufgehoben. Einstimmig, mit 139 zu 0 Stimmen und ohne Enthaltung, machten die Abgeordneten den Weg frei fĂŒr Ermittlungen wegen mutmaĂlichen Diebstahls. Es geht um ein Handy im Wert von rund 250 Euro, das der heutige Regierungschef im Jahr 2024 in die Donau geworfen haben soll.
Medienberichten zufolge ist Magyar damit der erste amtierende MinisterprĂ€sident Ungarns, dem die ImmunitĂ€t entzogen wurde. Ein Kapitel fĂŒr die GeschichtsbĂŒcher also. Ausgelöst hat es ausgerechnet eine Nachtklub-Rangelei.
Eine Nacht in Budapest mit Folgen
Die Geschichte beginnt im Juni 2024. Magyars Tisza-Partei hatte gerade bei der Europawahl Platz zwei hinter Viktor OrbĂĄns Fidesz erreicht. In einem Budapester Nachtklub filmte ein Mann den aufstrebenden Oppositionspolitiker. Magyar soll ihm daraufhin das Telefon abgenommen haben.
SicherheitskrĂ€fte begleiteten ihn nach der Auseinandersetzung aus dem Lokal. Laut Staatsanwaltschaft soll er anschlieĂend einen schwarzen Gegenstand in die Donau geschleudert haben. Die Pointe: Das GerĂ€t im Wert von mehr als 100.000 Forint wurde spĂ€ter gefunden â und funktionierte noch. Es ging zurĂŒck an seinen Besitzer.
Vom EU-Schutzschild ins Budapester Parlament
Schon im September 2024 wollte Ungarns Generalstaatsanwalt dem damaligen EU-Abgeordneten an den Kragen. Er beantragte in BrĂŒssel und StraĂburg die Aufhebung der ImmunitĂ€t. Das EuropĂ€ische Parlament winkte ab.
Dann drehte sich das politische Rad. Im FrĂŒhjahr 2026 fegte Magyars Partei OrbĂĄn nach 16 Jahren Regierungszeit mit einem Erdrutschsieg aus dem Amt. Nachdem Magyars EU-Mandat im Mai 2026 endete und er ins nationale Parlament wechselte, genoss er erneut Schutz vor Strafverfolgung. Die Staatsanwaltschaft nahm das Verfahren wieder auf â und hatte nun Erfolg.
Magyar geht in die Offensive
Bemerkenswert: Der Premier hatte nach Berichten österreichischer Medien selbst darum gebeten, dass seine Fraktion fĂŒr die Aufhebung stimmt. Vor dem Votum erklĂ€rte er laut Politico:
«Ich habe kein Verbrechen begangen, ich ĂŒbernehme die Verantwortung fĂŒr alle meine Handlungen.»
Den Fall selbst bezeichnet Magyar als «politischen Rufmordversuch», der schon mehrfach gescheitert sei. Und er legte nach: «Wer nichts zu verbergen hat, fĂŒrchtet sich nicht davor, vor der Justiz zu stehen.» Ein Satz, den sich so mancher Politiker in Berlin einrahmen dĂŒrfte â oder besser nicht.
Die eigentliche Brisanz steckt woanders
Denn wĂ€hrend alle Welt ĂŒber das Donau-Handy schmunzelt, geht es an anderer Stelle um ganz andere Summen. Gleichzeitig verloren zwei frĂŒhere Minister der OrbĂĄn-Regierung ihre ImmunitĂ€t.
- Balåzs Hankó, Ex-Kulturminister: Ihm wird laut Politico vorgeworfen, rund 47 Millionen Euro an Kulturgeldern missbrÀuchlich verwendet zu haben.
- MiklĂłs SesztĂĄk, frĂŒherer Entwicklungsminister: Er soll mehr als 32,6 Millionen Euro an Bestechungsgeldern und RĂŒckvergĂŒtungen angenommen haben.
FĂŒr alle drei gilt die Unschuldsvermutung. Anklage wurde bislang gegen keinen von ihnen erhoben. Magyar selbst kritisierte Berichten zufolge, dass die Staatsanwaltschaft seinen 250-Euro-Fall ausgerechnet im Paket mit den Millionen-VorwĂŒrfen vorgelegt habe. Beobachter sehen darin durchaus ein KalkĂŒl: Wer alles in einen Topf wirft, verwĂ€ssert die Schlagzeilen.
LehrstĂŒck fĂŒr Europa?
Man kann den Vorgang belĂ€cheln. Man kann ihn aber auch als Signal verstehen: ImmunitĂ€t soll Abgeordnete vor politischer Verfolgung schĂŒtzen â nicht vor den Folgen eigenen Handelns. In Ungarn stimmen nun alle Seiten dafĂŒr, dass die Justiz ihre Arbeit machen darf.
Ob am Ende ein Premier wegen eines geretteten Handys verurteilt wird oder zwei Ex-Minister wegen Millionen-VorwĂŒrfen â das mĂŒssen die Gerichte klĂ€ren. Eines aber zeigt der Fall schon jetzt: Politische Macht schĂŒtzt nicht ewig. Eine Erkenntnis, die man sich auch in anderen europĂ€ischen HauptstĂ€dten zu Herzen nehmen dĂŒrfte.
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