
Heizpilz-Aus und dunkle Straßen: Brüssels Rezept gegen den Gas-Schock

Die EU-Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, beim Strom- und Gasverbrauch kräftig zu sparen. Energiekommissar Dan Jørgensen empfiehlt in einem Brief an die Energieminister, darunter Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, unter anderem ein Verbot von Heizpilzen und nachts ausgeschaltete Beleuchtung im öffentlichen Raum. Ab Montagabend beraten die Minister darüber.
Der Auslöser ist ein Preisschock, der an 2022 erinnert. Die Megawattstunde Gas für den Winter kostet inzwischen rund 70 Euro und damit mehr als doppelt so viel wie zu Jahresbeginn.
Der Brief aus Brüssel
Über das Schreiben berichtete zuerst der Informationsdienst Table.Briefings. Jørgensen argumentiert darin, eine geringere Nachfrage könne die Preise dämpfen, solange die Versorgung angespannt sei und die Kurse stark schwankten. Laut internationalen Nachrichtenagenturen spricht der Kommissar von einer Preiskrise, die mit einer Versorgungskrise zusammenhänge.
Sein Maßnahmenkatalog klingt vertraut:
- Heizpilze und andere Heizungen im Freien verbieten
- Öffentliche Beleuchtung nachts abschalten, soweit sie nicht nötig ist
- Die Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden senken
Rechtlich bindend ist das vorerst nicht. Die Minister müssen selbst entscheiden, ob sie den Empfehlungen folgen. Die Richtung ist trotzdem klar: Brüssel bereitet die Bürger auf einen Winter des Verzichts vor.
Warum Europa schon wieder zittert
Den Hintergrund bildet der Krieg um den Iran. Medienberichten zufolge ist die Straße von Hormus faktisch blockiert. Durch diese Meerenge laufen normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Öls und Flüssiggases. Die EU bezieht etwa 80 Prozent ihres Gases aus dem Ausland und bekommt jede Verwerfung auf dem Weltmarkt deshalb unmittelbar zu spüren.
Dazu kommt ein Detail, das Sorgen macht. Nach Angaben des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe waren die Gasspeicher in der EU zuletzt nur zu etwa 70 Prozent gefüllt. Das sind rund zwölf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Jørgensen betont zwar, Europa sei heute besser vorbereitet als in der Krise nach dem russischen Lieferstopp. Wirklich beruhigend klingt ein Brief mit Sparappellen allerdings nicht.
Déjà-vu aus dem Ampel-Winter
Viele Bürger kennen das Muster. Im Krisenjahr 2022 schrieb die damalige Ampel-Regierung per Verordnung vor, öffentliche Gebäude höchstens auf 19 Grad zu heizen. Baudenkmäler blieben nachts dunkel. Gleichzeitig kletterte der Gaspreis im Großhandel zeitweise auf mehr als 300 Euro je Megawattstunde. Die Rechnung dafür zahlten am Ende Haushalte und Betriebe.
Vier Jahre später sieht es so aus, als habe Europa aus dieser Lektion wenig gelernt. Kritiker bemängeln seit Langem, dass die EU zu stark von Importen abhängt, während eigene Förderung und grundlastfähige Kraftwerke politisch ausgebremst wurden. Wenn Versorgungssicherheit am Ende bedeutet, den Heizpilz vor der Eckkneipe abzuschalten, ist das aus Sicht unserer Redaktion eher ein Armutszeugnis als eine Strategie.
Wer die Folgen trägt
Besonders hart träfe ein Heizpilz-Verbot die Gastronomie, die sich vielerorts noch nicht von Corona, Inflation und steigenden Löhnen erholt hat. Und bei dunklen Straßen stellen sich viele Bürger eine einfache Frage: Wie sicher fühlt man sich nachts auf einem unbeleuchteten Platz? Gerade weil die innere Sicherheit derzeit ohnehin ein beherrschendes Thema ist, wirkt die Idee wenig durchdacht.
Fazit: Vorsorge statt Vertrauen
Ob Katherina Reiche und ihre Kollegen den Vorschlägen folgen, zeigt sich in den kommenden Tagen. Deutlich wird schon jetzt: Wer sich allein auf die Krisenfestigkeit von Politik und Energiemärkten verlässt, geht ein Risiko ein. Wenn Energiekrisen die Inflation antreiben, haben sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber über Generationen als Wertspeicher bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie für mehr Stabilität sorgen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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