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29.11.2025
10:33 Uhr

Hongkong im Schockzustand: Über 100 Tote bei verheerendem Hochhausbrand – Behördenversagen im Fokus

Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong versinkt in Trauer. Nach der schlimmsten Brandkatastrophe der jüngeren Stadtgeschichte mit mindestens 128 Toten und über 200 Vermissten hat die Metropole eine dreitägige Trauerperiode ausgerufen. Was als gewöhnlicher Mittwoch begann, endete in einem Inferno, das gleich mehrere Hochhäuser des Wohnkomplexes Wang Fuk Court im Stadtteil Tai Po in Flammen aufgehen ließ.

Schweigeminuten und halbmast wehende Flaggen

Regierungschef John Lee und seine Spitzenbeamten legten in den Morgenstunden eine dreiminütige Schweigeminute ein – ein Ritual, das angesichts der schieren Dimension der Katastrophe fast hilflos wirkt. Bis einschließlich Montag werden sämtliche Flaggen vor Regierungsgebäuden auf halbmast gehisst. Doch während die Behörden ihre protokollarischen Pflichten erfüllen, stellen sich immer drängendere Fragen nach der Verantwortung für diese vermeidbare Tragödie.

Die Feuerwehr hat mittlerweile ihre Suche nach Überlebenden eingestellt. Was bleibt, ist die grausame Aufgabe, in den verkohlten Wohnungen weitere Leichen zu bergen und zu identifizieren. Die offizielle Opferzahl von 128 Toten könnte sich angesichts der über 200 Vermissten noch dramatisch erhöhen.

Elf Festnahmen – doch reicht das?

Die Behörden reagierten mit elf Festnahmen, darunter mehrere Mitarbeiter einer Baufirma. Bei Renovierungsarbeiten seien nicht zugelassene Materialien für Gerüstnetze verwendet und Fenster mit hochentzündlichen Polystyrolplatten versiegelt worden. Diese leicht entflammbaren Materialien hätten laut Experten eine Schlüsselrolle bei der rasanten Ausbreitung des Feuers gespielt.

Doch hier offenbart sich ein systemisches Problem, das weit über einzelne Bauarbeiter hinausgeht. Wo waren die Kontrolleure? Warum konnten über Jahre hinweg offensichtlich brandgefährliche Materialien in einem dicht besiedelten Wohnkomplex verbaut werden? Die Parallelen zu anderen Katastrophen, bei denen Profitgier und behördliches Wegschauen Hand in Hand gingen, sind unübersehbar.

Ein Muster des Versagens

Diese Tragödie reiht sich ein in eine lange Liste von Unglücken, die durch mangelnde Sicherheitsstandards und korrupte Strukturen begünstigt wurden. Während in Deutschland trotz aller berechtigten Kritik an überbordender Bürokratie zumindest strenge Brandschutzauflagen gelten, scheinen in Hongkong wirtschaftliche Interessen regelmäßig über Menschenleben zu triumphieren.

Die schnelle Verhaftung einiger Bauarbeiter wirkt wie ein durchschaubares Ablenkungsmanöver. Die wahren Verantwortlichen sitzen vermutlich in klimatisierten Büros und werden niemals zur Rechenschaft gezogen werden. Es ist ein Muster, das sich weltweit wiederholt: Die kleinen Leute zahlen den Preis für die Gier der Mächtigen.

Was lehrt uns diese Katastrophe?

Während Hongkong trauert, sollten wir uns fragen, was wir aus solchen Tragödien lernen können. In einer Zeit, in der auch in Deutschland immer mehr Regularien aufgeweicht werden sollen – oft unter dem Deckmantel der "Entbürokratisierung" – mahnt uns Hongkong zur Vorsicht. Ja, übertriebene Vorschriften können lähmen. Aber fehlende oder nicht durchgesetzte Sicherheitsstandards töten.

Die über 128 Toten von Hongkong sind keine Statistik. Es sind Menschen, die noch leben könnten, hätte man elementare Sicherheitsvorschriften eingehalten. Ihre Leben wurden auf dem Altar der Profitmaximierung geopfert. Das ist die bittere Wahrheit hinter den Schweigeminuten und halbmast wehenden Flaggen.

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