
Inflation im Visier: Bleibt Warshs Zinserhöhung ein Einzelstück?

Am kommenden Mittwoch legt Washington die US-Verbraucherpreise für September vor. Die französische Investmentbank Natixis erwartet keine böse Überraschung. Ihre Ökonomen gehen sogar noch weiter: Die Zinserhöhung der US-Notenbank Fed vom September könnte der einzige Zinsschritt des gesamten Zyklus bleiben. Das ist eine kühne Wette gegen die Mehrheit der Notenbanker selbst.
Die Prognose: War der August nur ein Ausreißer?
Die Natixis-Volkswirte Christopher Hodge und Selin Aker rechnen in ihrer Vorschau für September mit einem Plus von 0,19 Prozent bei der Kerninflation, also den Preisen ohne Energie und Lebensmittel. Die Gesamtrate dürfte dagegen um kräftige 0,6 Prozent steigen. Den höher als erwarteten August-Wert halten sie für eine Ausnahme. Die Preistreiber von damals würden sich nicht wiederholen.
Zur Erinnerung: Im August waren die Verbraucherpreise laut offiziellen Daten um 0,4 Prozent gestiegen, auf Jahressicht um 3,4 Prozent. Die Kernrate legte um 0,3 Prozent zu. Medienberichten zufolge lag das unter anderem an deutlich teureren Mobilfunkverträgen und an Flugtickets. Trifft die Natixis-Prognose zu, bliebe die Kerninflation im Jahresvergleich bei 2,4 Prozent.
Öl, Zölle, Krieg: Die eigentlichen Preistreiber
Warum zieht die Gesamtrate dann so stark an? Laut Natixis liegt das vor allem an Energie und Lebensmitteln. Eine neue, breite Teuerungswelle sehen die Ökonomen darin nicht. Die Angebotsschocks würden bislang nicht auf die Kernpreise durchschlagen.
Die Liste der Schocks ist allerdings lang. Die Breite der Inflation habe sich bis zur zweiten Jahreshälfte 2025 verbessert, schreiben die Analysten. Dann hätten Trumps sogenannte „Liberation Day“-Zölle gewirkt. Mit dem Beginn des Iran-Kriegs kam der Energieschock dazu. Medienberichten zufolge kletterte Brent-Öl im September wieder über 100 Dollar je Barrel, Diesel kostete in den USA erstmals mehr als sechs Dollar pro Gallone. Und die Reallöhne sanken im August im fünften Monat in Folge.
Warshs neuer Blick auf die Teuerung
Fed-Chef Kevin Warsh spricht auffallend oft von der „zugrunde liegenden Inflation“. Er verweise dabei auch auf alternative Messgrößen wie den getrimmten Mittelwert oder den Median der Preisanstiege, heißt es bei Natixis. Diese von regionalen Fed-Banken berechneten Werte zeigten eine Besserung, allerdings noch nicht zurück auf das Zwei-Prozent-Ziel.
Warsh achtet zudem darauf, wie viele Teilkomponenten über drei Prozent liegen. So lässt sich unterscheiden, ob einzelne Bereiche heiß laufen oder ob sich die Teuerung überall festsetzt. Eine Arbeitsgruppe der Fed soll nun prüfen, ob solche Kennzahlen künftig mehr Gewicht bekommen.
Ein Zinsschritt und dann Funkstille?
Am 16. September hatte die Fed den Leitzins einstimmig um einen Viertelpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Es war die erste Erhöhung seit drei Jahren. Die Ironie: Trump hatte Warsh in der Erwartung ausgewählt, dass er die Zinsen senkt. Laut den Projektionen rechnen 16 von 18 Notenbankern bis Jahresende mit mindestens einem weiteren Schritt.
Natixis hält dagegen. Normalerweise erhöhe die Fed mehrfach, um den Preisdruck wirklich zu brechen, räumen die Ökonomen ein. Doch:
„Das ist kein typischer Zyklus.“
Ende Oktober erwartet die Bank eine Pause, auch um politischen Ärger kurz vor den Midterm-Wahlen Anfang November zu vermeiden. Das allein spricht Bände über die angebliche Unabhängigkeit der Notenbank. Ganz traut Natixis der eigenen These aber nicht. Weil Monatsdaten stark schwanken, plant die Bank vorsichtshalber eine weitere Erhöhung im Dezember oder Januar ein.
Was bleibt für Sparer?
Für Anleger ist das ein Lehrstück. Die Prognosen der Profis wackeln, das Weiße Haus drängt lautstark auf Zinssenkungen, und Krieg und Zölle treiben die Preise. Wer seine Ersparnisse allein in Papierwährungen hält, verlässt sich darauf, dass die Notenbanken alles richtig machen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen ein Stück Unabhängigkeit von solchen Unsicherheiten bieten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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