
Intel-Absturz nach Börsenschluss: KI-Boom frisst das PC-Geschäft!

Der US-Chipriese Intel hat am Donnerstagabend mit einem düsteren Ausblick auf das Schlussquartal einen Ausverkauf ausgelöst. Im nachbörslichen Handel in New York verlor die Aktie rund ein Fünftel ihres Werts: Sie fiel von gut 92 auf etwa 72 Dollar. Rechnerisch lösten sich damit binnen Minuten fast 100 Milliarden Dollar Börsenwert in Luft auf.
Die Zahlen hinter dem Kurssturz
Für das laufende Vierteljahr stellt Intel nur noch einen Umsatz zwischen 15 und 16 Milliarden Dollar in Aussicht. Analysten hatten mit rund 17 Milliarden gerechnet. Noch schlimmer sieht es beim Gewinn aus. Der Konzern erwartet einen bereinigten Gewinn je Aktie von 25 US-Cent. Der Markt hatte 43 Cent eingepreist.
Das Bittere daran: Das abgelaufene dritte Quartal lief sogar gut. Medienberichten zufolge kam Intel auf einen bereinigten Gewinn von 52 Cent je Aktie und lag damit klar über den Prognosen. Der Umsatz kletterte um 21 Prozent auf 16,51 Milliarden Dollar. An der Börse zählt aber eben nicht das Gestern. Gehandelt wird die Zukunft, und die sieht plötzlich trüb aus.
Das KI-Paradox: Der eigene Boom wird zur Bremse
Finanzchef David Zinsner sagte dem Sender CNBC, Intel beobachte schon seit Wochen eine Abkühlung. Wegen der hohen Speicherpreise würden schlicht weniger Geräte gekauft. Das PC-Geschäft werde auch noch über das erste Halbjahr 2027 hinaus gebremst bleiben.
Dahinter steckt eine Ironie. Die Speicherpreise sind in den vergangenen Monaten förmlich explodiert, weil Tech-Konzerne Rechenzentren für Künstliche Intelligenz hochziehen. Derselbe KI-Rausch, der Intels Rechenzentrumsgeschäft befeuert, würgt also das klassische PC-Geschäft ab. Laut Berichten wuchs die Sparte für Rechenzentren und KI um 78 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit Client-Computern schrumpfte dagegen um 5 Prozent auf 8,1 Milliarden. Dazu kommt ein harter Vergleich mit dem Vorjahr: Damals hatte das Support-Ende von Windows 10 Unternehmen weltweit zum Kauf neuer Rechner gezwungen.
Tödliches Unglück in Israel
Als wäre das nicht genug, belastet ein Unglück in einer israelischen Fabrik die Bilanz. Mitte Oktober hatte es Medienberichten zufolge am Standort Kiryat Gat eine Explosion gegeben, bei der zwei Arbeiter ums Leben kamen. Nach Angaben des Konzerns kostet der Vorfall rund 300 Millionen Dollar Umsatz pro Quartal.
Wenn der Traum auf die Realität trifft
Der Absturz fällt umso heftiger aus, weil die Erwartungen in den Himmel gewachsen waren. Anfang Oktober lag die Intel-Aktie Berichten zufolge seit Jahresbeginn rund 220 Prozent im Plus. Auf dem Höhepunkt kostete sie mehr als 142 Dollar. Investitionen der US-Regierung, die seit 2025 an Intel beteiligt ist, und große KI-Fantasien hatten den Kurs angetrieben.
Die Analysten von TD Cowen hatten schon im Januar gewarnt, die Rally beruhe eher auf einem „Traum“ als auf der kurzfristigen Realität. Wer heute auf den Kurszettel blickt, dürfte ihnen kaum widersprechen. Ein einziger Ausblick reicht, und ein Fünftel des Werts ist weg.
Was Anleger daraus lernen sollten
Der Fall Intel zeigt einmal mehr, wie anfällig Aktien sind, wenn ihre Bewertung auf Zukunftshoffnungen statt auf soliden Gewinnen ruht. Ein Konzern, der nach den US-Bilanzregeln weiterhin Milliardenverluste ausweist, braucht Perfektion, um seinen Kurs zu rechtfertigen. Ein Fehltritt genügt, und die Stimmung kippt.
Gerade in solchen Phasen gewinnen Sachwerte an Bedeutung, die von Quartalszahlen, Produktionsunfällen und Hype-Zyklen unabhängig sind. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio helfen, Vermögen gegen solche Kurskapriolen abzusichern. Sie liefern keine Quartalsprognose und enttäuschen deshalb auch keine.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Anlageprodukten dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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