
Iran-Krieg sprengt alten Ă–l-Pakt: Wackelt jetzt der Petrodollar?

Seit Ende Februar 2026 tobt der Krieg um den Iran, und am Persischen Golf geht es längst um mehr als Raketen und Tanker. Auf dem Spiel steht ein Abkommen, das seit über 50 Jahren den US-Dollar stützt: der Petrodollar. Weltweit warnen Analysten, dass die Golfstaaten ihre Treue zu Washington infrage stellen könnten. Für das globale Finanzsystem wäre das ein Erdbeben.
Der Deal: Schutz gegen Dollar
Das Prinzip ist simpel. Die USA bieten Saudi-Arabien, Kuwait, den Emiraten, Bahrain und Katar militärischen Schutz. Dafür verkaufen diese Länder ihr Öl in Dollar und legen einen großen Teil der Erlöse wieder in amerikanischen Staatsanleihen an. Ein US-Kommentator nennt das Arrangement ohne diplomatische Watte eine Art Schutzgeld-Geschäft.
Entstanden ist der Pakt Mitte der 1970er-Jahre. Kurz davor, im Jahr 1971, hatte Präsident Nixon die letzte Verbindung des Dollars zum Gold gekappt. Was blieb, war eine reine Papierwährung. Das Öl wurde gewissermaßen zum neuen Anker des Dollars. Wer Energie kaufen wollte, brauchte Dollar. Diese künstliche Nachfrage half Washington, Defizite zu finanzieren, die sich kein anderes Land leisten könnte.
Wenn der BeschĂĽtzer nicht mehr schĂĽtzt
Doch genau dieses Versprechen bröckelt. Seit dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran am 28. Februar haben Medienberichten zufolge vor allem die Golfnachbarn unter iranischen Raketen und Drohnen gelitten. Getroffen wurde Energie-Infrastruktur, die Straße von Hormus war über Wochen praktisch dicht. Bis heute verhandeln Washington und Teheran zäh über ihre Öffnung.
Da drängt sich die Frage auf: Warum sollten Riad oder Abu Dhabi ihren Teil der Abmachung erfüllen, wenn die US-Präsenz sie eher zur Zielscheibe macht, statt sie zu schützen? Die Summen sind gewaltig. Laut Reuters halten die Golfstaaten rund 800 Milliarden Dollar an Reserven für ihre Dollar-Bindung. Ihre Staatsfonds verwalten demnach über sechs Billionen Dollar. Saudi-Arabien und die Emirate besitzen zusammen fast 250 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen.
Pekings Lockangebot: Ă–l gegen Yuan und Gold
Auf der anderen Seite des Tisches wartet China, der größte Ölimporteur der Welt und wichtigster Handelspartner des Golf-Kooperationsrats. Schon 2018 startete in Shanghai ein Öl-Terminkontrakt in Yuan. Zudem kursierten Berichte, Teheran könnte die Durchfahrt durch Hormus an Ölzahlungen in chinesischer Währung knüpfen.
Pekings eigentlicher Trumpf ist aber ein anderer: Exporteure können überschüssige Yuan über chinesische Handelsplätze in physisches Gold tauschen. Damit entfällt das Problem, Berge einer ungeliebten Währung horten zu müssen. Wie riskant Dollar-Reserven sein können, hat Washington 2022 selbst vorgeführt, als es nach dem Einmarsch in die Ukraine russische Devisenreserven einfror. Physisches Gold im eigenen Tresor lässt sich nicht per Mausklick sperren.
Die Prophezeiung des Ron Paul
Am 15. Februar 2006 hielt der Kongressabgeordnete Ron Paul im US-Repräsentantenhaus eine fast vergessene Rede über das Ende der Dollar-Vorherrschaft. Sinngemäß übersetzt sagte er:
„Wir werden wissen, dass dieser Tag naht, wenn ölproduzierende Länder für ihr Öl Gold oder dessen Gegenwert verlangen statt Dollar oder Euro.“
Zwanzig Jahre später ist dieser Weg vom Öl über den Yuan ins Gold technisch längst vorhanden. Ob die Golfstaaten ihn tatsächlich in großem Stil gehen, ist offen. Dass sie darüber nachdenken, gilt unter Beobachtern aber als sicher.
Was das fĂĽr deutsche Sparer bedeutet
Sinkt die weltweite Nachfrage nach Dollar und US-Anleihen, könnten Zinsen und Inflation steigen und die Kurse an den Märkten schwanken. Europa sitzt dabei keineswegs in der ersten Reihe der Profiteure. Berlin finanziert sein Sondervermögen auf Pump, Brüssel reguliert lieber, als Stärke aufzubauen. Wer sein Erspartes nicht allein Papierversprechen anvertrauen will, sollte sich einen Gedanken in Ruhe vor Augen führen: Die Zentralbanken der Welt kaufen seit Jahren Gold. Gold und Silber in physischer Form können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine Versicherung sein, die kein Staat einfrieren und keine Notenbank vermehren kann.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Leser muss selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.












