
Jeder Dritte zweifelt: Deutschen schwindet das Vertrauen in Wahlen

Fast ein Drittel der Deutschen glaubt Wahlergebnissen grundsätzlich nicht. Das ist das Ergebnis einer neuen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa, die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde. Besonders bei Anhängern der AfD ist die Skepsis ausgeprägt — sie sind die einzige Wählergruppe, in der die Zweifler die Mehrheit bilden.
55 gegen 31 — und ein tiefer Riss
Laut der Umfrage vertrauen 55 Prozent der Befragten den Ergebnissen von Wahlen, 31 Prozent tun das nicht. Unter den AfD-Unterstützern kippt das Bild: Dort äußern 54 Prozent grundsätzliche Zweifel an den Stimmauszählungen, nur 33 Prozent haben Vertrauen.
Am größten ist das Vertrauen bei den Wählern der Union mit 81 Prozent, gefolgt von den Grünen-Anhängern mit 75 und den SPD-Wählern mit 68 Prozent. Bei der FDP sind es 64 Prozent, bei der Linkspartei 60 Prozent. Beim BSW hält sich das Lager mit genau 50 Prozent die Waage.
Die Jungen misstrauen, die Alten glauben
Bemerkenswert ist der Altersgraben. Bei den 18- bis 29-Jährigen vertrauen nur 38 Prozent dem Wahlergebnis, 37 Prozent zweifeln. Mit jedem Lebensjahrzehnt dreht sich das Verhältnis: 47 Prozent bei den 30- bis 39-Jährigen, 53 Prozent bei den 40- bis 49-Jährigen, 62 Prozent bei den 60- bis 69-Jährigen — und 69 Prozent bei den über 70-Jährigen.
Auch die alte Trennlinie zwischen Ost und West hält sich hartnäckig. Im Westen vertrauen 56 Prozent den Wahlergebnissen, im Osten 48 Prozent. Wer sich fragt, warum die politische Stimmung zwischen Rostock und Stuttgart so unterschiedlich ausfällt, findet hier einen Hinweis.
Noch schlechter kommen die Umfragen selbst weg
Interessant ist, dass die Demoskopie sich selbst kein gutes Zeugnis ausstellt: Beim Vertrauen in Wahlumfragen steht es 42 zu 42 Prozent — Patt. Bei den über 70-Jährigen misstrauen sogar 46 Prozent den Erhebungen, während nur 39 Prozent ihnen glauben. Ausgerechnet jene Altersgruppe, die dem amtlichen Ergebnis am meisten vertraut, hält von Prognosen am wenigsten.
Aus Sicht unserer Redaktion sind solche Zahlen weniger ein Beleg für tatsächliche Unregelmäßigkeiten — die Auszählung in Deutschland wird von ehrenamtlichen Wahlhelfern, Wahlausschüssen und im Streitfall von Gerichten kontrolliert — als vielmehr ein Alarmsignal für die Entfremdung zwischen Bürgern und politischem Betrieb. Wer sich von den Regierenden nicht mehr repräsentiert fühlt, beginnt irgendwann auch am Verfahren zu zweifeln.
Und die Sonntagsfrage? Kaum Bewegung
In der aktuellen Insa-Sonntagsfrage bleibt die AfD stabil bei 29 Prozent. Es folgen die Union mit 20,5 Prozent, die Grünen mit 13,5 und die SPD mit zwölf Prozent. Die Linkspartei verliert 0,5 Punkte auf 10,5 Prozent, das BSW gewinnt 0,5 Punkte auf 3,5 Prozent, die FDP verharrt bei 4,5 Prozent.
Rechnet man nach, kommt die regierende Koalition aus CDU/CSU und SPD zusammen auf gut 32 Prozent. Eine Regierung, die im Februar 2025 mit dem Versprechen des Kurswechsels antrat, findet damit nur noch bei rund einem Drittel der Befragten Zustimmung. Wer daraus keine Lehren zieht, dürfte sich über weiter wachsendes Misstrauen kaum wundern müssen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einordnung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.
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