
Jobkahlschlag im Osten: Sachsen verliert 38.000 Industriestellen

Der Osten Deutschlands blutet industriell aus. Bei einer Betriebsrätetagung am Dresdner Flughafen zog die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie am Mittwoch eine ernüchternde Bilanz: Allein Sachsen habe seit 2023 rund 38.000 Industriearbeitsplätze verloren. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) war als Gast dabei — und brachte eine überraschende Forderung mit.
„Strukturelle Krisen durch die Bank hinweg“
Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin der IG BCE, verhandelt für rund 150.000 Industriebeschäftigte in über 750 Betrieben zwischen Rostock und Suhl. Ihre Diagnose fällt düster aus.
„Wir sind also überall im Osten, in allen Branchen und durch die Bank hinweg mit strukturellen Krisen konfrontiert. Und es droht der Verlust von weiteren, tausenden guten, tarifgebundenen Industriearbeitsplätzen“
Zukunftsbranchen wie Halbleiter oder Pharma stabilisierten punktuell, könnten die Einbrüche in Chemie, Papier, Kunststoff, Glas und Energiewirtschaft aber kaum auffangen. Als Hauptprobleme nennt die Gewerkschafterin die Planungsunsicherheit durch ständige politische Kurswechsel — und die Energiepreise. Ihre Zielmarke: fünf Cent pro Kilowattstunde Industriestrom. Die Netzentgelte gehörten in den Bundeshaushalt.
Wenn der Strompreis den Hightech-Filter killt
Wie konkret das wird, zeigt der Medizingerätehersteller B. Braun mit drei sächsischen Standorten. In Berggießhübel entsteht die energieintensive Hightech-Hohlfaser für Dialysefilter — Blutfilter für nierenkranke Menschen.
Betriebsrat Benny Nitsche berichtet, die chinesische Konkurrenz sei gut und häufig günstiger. Grund seien niedrigere Löhne, deutlich billigere Energie und die Förderpolitik des chinesischen Staates. Deutsche Nachhaltigkeitsinnovationen nützen wenig, wenn die Kilowattstunde ein Vielfaches kostet.
Die Ministerin entdeckt den Zoll
Bas' Antwort: Handelsschutz. Wer glaube, Deutschland könne bei den Löhnen mit China mithalten, setze am falschen Punkt an. Man müsse die eigenen Potenziale heben und die Industrie dort schützen, wo unfairer Handel sie gefährde — deshalb brauche es auch eine Debatte über Zölle. Überschwemmten Wettbewerber den Markt mit subventionierten Billigprodukten, dürfe man nicht länger zuschauen.
Bemerkenswert: Dieselbe Politik, die Trumps Zollpolitik als Sündenfall geißelte, entdeckt nun selbst den Schutzzoll. Nur — Zölle senken keinen einzigen Strompreis und schaffen keine Genehmigung schneller. Aus Sicht unserer Redaktion behandelt Berlin damit Symptome, während die selbstverschuldeten Standortkosten unangetastet bleiben.
Böhlen: Der Riss im Herzen der Ost-Chemie
Bei Dow in Böhlen scheinen die Würfel gefallen. Der US-Eigentümer hat die Schließung des Crackers für das vierte Quartal 2027 angekündigt — Medienberichten zufolge sind zusammen mit dem Standort Schkopau rund 550 Beschäftigte betroffen, andere Schätzungen sprechen von etwa 700 direkt betroffenen Stellen in Böhlen.
Der Cracker liefert Ethylen, Propylen und Butadien — Grundstoffe für Kunststoffe, Lacke, Folien. Betriebsratschef Patrick Brückner verweist darauf, dass viele Chemiewerke der Region per Rohrleitung direkt daran hängen und künftig teuer importieren müssten. Das stehe im krassen Widerspruch zu den Bekenntnissen nach der Pandemie, Schlüsseltechnologien zurückzuholen.
Der Trend ist bundesweit: Nach Zahlen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle wurden im zweiten Quartal 2026 knapp 5.000 Firmeninsolvenzen registriert — der höchste Stand seit 21 Jahren. Bas nennt Deutschland weiter die drittstärkste Industrienation der Welt. Die Frage ist, wie lange noch.
Wer erlebt, wie Wertschöpfungsketten wegbrechen, denkt zwangsläufig über die Stabilität eigener Ersparnisse nach. Physische Edelmetalle sind seit Jahrhunderten ein bewährter Anker — als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt unsere Einordnung auf Basis der vorliegenden Informationen. Jeder Leser trifft Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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