
Kerkeling legt nach: Neue Faschismus-Warnung – ohne die AfD zu nennen

Hape Kerkeling hat wieder zugeschlagen, diesmal nicht mit einer Pointe, sondern mit einer Mahnung. Bei der Verleihung des Talisman-Preises der Deutschlandstiftung Integration am Dienstagabend in Frankfurt rückte der Komiker Rechtspopulisten in die Nähe des Faschismus. Den Namen AfD sprach er nicht aus. Nach Lesart von Beobachtern meinte er sie aber trotzdem.
„Gossenjargon“ und der Blick zurück
Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, warnte Kerkeling, Rechtspopulisten wollten an die Macht und griffen dabei auf „Gossenjargon“ zurück. An diesen Ton dürfe man sich niemals gewöhnen, denn genau so habe der Faschismus angefangen.
„Der Hass hatte in unserer Geschichte einen Platz, und genau deshalb darf er in unserer Zukunft keinen mehr haben.“
Wer damals geglaubt habe, es werde schon nicht so schlimm kommen, habe sich tödlich geirrt, so Kerkeling. Gleichzeitig wollte er Mut machen: „Wer heute sagt, es ist eh alles verloren, der irrt genauso.“ An das Publikum appellierte er: „Bleiben Sie mutig und lassen Sie uns dafür sorgen, dass Geschichte sich nicht wiederholt und es nicht so schlimm wird.“
Vom Entertainer zum Dauer-Mahner
Neu ist der Ton nicht. Im April sprach Kerkeling beim Gedenkakt zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald. Er trat dort als Enkel eines Mannes auf, der Medienberichten zufolge drei Jahre in dem Lager inhaftiert war. Diese Familiengeschichte verdient Respekt, ohne Wenn und Aber.
Anfang Oktober sprach er im Justizausschuss des Thüringer Landtags bei einer Anhörung zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren. Berichten zufolge sprach er sich dort klar für ein Verbot aus. Die AfD hatte den früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen geschickt. Er sah demnach keine Erfolgschance und verwies auf Umfragen von Allensbach und Insa, wonach eine Mehrheit der Befragten ein Verbot ablehne. Beantragen könnten ein solches Verfahren ohnehin nur Bundesregierung, Bundestag oder Bundesrat.
Ein Komiker für Schloss Bellevue?
Inzwischen wird Kerkeling sogar als Staatsoberhaupt gehandelt. Eine Online-Petition will ihn als Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten am 30. Januar 2027. Laut MDR hat sie rund 40.000 Unterschriften gesammelt. Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek nannte ihn einen „gut geeigneten Vorschlag“. Kerkeling selbst sagte Berichten zufolge gegenüber RTL, er schließe „nichts mehr aus“.
Preis für Zusammenhalt, Rede mit Sprengkraft
Mit dem Talisman-Preis werden Persönlichkeiten geehrt, die sich vor Ort für Teilhabe, Vielfalt und Miteinander einsetzen. Unter den fünf Preisträgern: die gewählte Göttinger Oberbürgermeisterin Onyeka Oshionwu (Grüne) und Kölns frühere Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Die Laudatio hielt Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Er lobte, was „KommunalpolitikerInnen gegen Widerstände mit Zivilcourage bewegen können“, Binnen-I inklusive.
Kerkeling betonte, Integration beginne nicht bei der Nation, sondern in Gemeinde und Nachbarschaft. Ein kluger Satz. Nur: Passt dazu eine Rede, die Millionen Wähler einer Partei zumindest indirekt in die Nähe des Faschismus rückt?
Moral von der Bühne statt Antworten?
Aus Sicht unserer Redaktion nutzt sich der ständige NS-Vergleich ab. Am Ende verharmlost er womöglich genau das, wovor er warnen will. Eine neue Pollytix-Umfrage sieht die Union bei nur noch 18 Prozent, während die AfD ihren Vorsprung deutlich ausbauen kann.
Diese Wähler erreicht man nicht mit großen moralischen Appellen von Gala-Bühnen. Man erreicht sie mit Antworten zu Migration, innerer Sicherheit und einer schwächelnden Wirtschaft. Genau diese Antworten ist die Regierung Merz vielen Bürgern bislang schuldig geblieben. Solange das so bleibt, dürfte auch die schärfste Rede wenig ändern.
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