
Kiews Chefanklänger stürzt: Selenskyj verliert seinen letzten Schutzschild

Erst wollte er bleiben, dann war es vorbei: Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko hat am Abend des 7. September sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Auslöser sind Ermittlungen der Antikorruptionsbehörde Nabu im Fall mit dem Codenamen „Karthago“. Für Präsident Wolodymyr Selenskyj ist es der nächste schwere Schlag ins eigene Machtzentrum.
Bestechung, Callcenter und ein Millionen-Kautionsbetrag
Nabu und die Sonderstaatsanwaltschaft Sapo hatten am 5. September mitgeteilt, sie seien im Generalstaatsanwaltschaft selbst auf eine kriminelle Organisation gestoßen. Der Vorwurf laut Ermittlerangaben: regelmäßige Zahlungen gegen die Abschirmung betrügerischer Callcenter, dazu Geldwäsche der Erlöse.
Als mutmaßlicher Kopf gilt Medienberichten zufolge ein hoher Beamter der Behörde, Serhij Kropywa. Er wurde festgenommen; die Kaution soll bei 120 Millionen Hrywnja liegen – umgerechnet rund 2,7 Millionen US-Dollar. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Auch die Diensträume Krawtschenkos und seiner ersten Stellvertreterin Marija Wdowytschenko wurden durchsucht. Formell ist Krawtschenko nach vorliegenden Informationen nicht einmal als Verdächtiger geführt. Ein einziges Verfahren genügte trotzdem, um ihn aus dem Amt zu drängen.
„Politische Entscheidung“ – der Abgang mit Ansage
Krawtschenko selbst wählte deutliche Worte. Auf Telegram erklärte er, er habe bewusst gehandelt:
„Ich will nicht, dass das Amt des Generalstaatsanwalts als Instrument politischer Konfrontation benutzt wird.“
An den Vorwürfen halte er nichts für zutreffend, seine Position habe sich nicht geändert. Noch am Nachmittag hatte er erklärt, von sich aus nicht zu gehen. Nach einem längeren Gespräch mit Selenskyj kippte die Lage. Endgültig ist der Abgang erst, wenn die Werchowna Rada zustimmt – bis dahin bleibt er formal im Amt.
Warum dieser Posten für Selenskyj so wichtig ist
Beim Generalstaatsanwalt laufen die dem Präsidenten noch zugeordneten Sicherheitsstrukturen zusammen: Ermittlungsbüro DBR, Inlandsgeheimdienst SBU, Polizei. Ohne die Zustimmung des prozessführenden Staatsanwalts geht dort praktisch nichts. Wer diesen Posten kontrolliert, kontrolliert, welche Verdachtsmitteilungen Abgeordnete erreichen – und welche nicht.
Krawtschenko war erst seit Juni 2025 im Amt. Seine Bestellung fiel in die Zeit, in der die Rada im Juli 2025 ein Gesetz beschloss, das Nabu und Sapo dem Generalstaatsanwalt unterstellte. Es folgten Proteste im ganzen Land, Ende Juli wurde die Unabhängigkeit der Behörden per Gesetz wiederhergestellt. Beobachtern zufolge ist Krawtschenko binnen zehn Monaten die dritte Spitzenfigur aus Selenskyjs Umfeld, die von den Ermittlern zu Fall gebracht wurde.
Milliarden aus Europa – und wachsende Fragen
Der Zeitpunkt ist brisant: Die Front im Donbass bröckelt, russische Raketen treffen Kiew, und in Washington machen sich Sondergesandte auf den Weg. Gleichzeitig spitzt sich in Kiew ein Machtkampf zwischen Präsidialverwaltung und Antikorruptionsbehörden zu.
Für deutsche Steuerzahler ist das mehr als eine Fußnote. Berlin gehört zu den größten Geldgebern Kiews. Aus Sicht unserer Redaktion wächst mit jeder neuen Affäre die Pflicht der Bundesregierung, offen darzulegen, wie deutsche Mittel kontrolliert werden – statt Fragen als unpatriotisch abzutun.
Und die Lehre für Sparer? In Zeiten, in denen politische Systeme wackeln und Staatshaushalte immer neue Milliarden verschieben, gewinnen Werte an Bedeutung, die keiner Regierung gehören. Physisches Gold und Silber gelten vielen Anlegern deshalb als sinnvolle Beimischung eines breit gestreuten Vermögens.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Wir geben keine Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich unabhängig informieren.
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