
Le Pen macht Ernst: „Nationale Priorität“ für Franzosen!

Sieben Monate vor der französischen Präsidentschaftswahl hat Marine Le Pen ihren Wahlkampf eröffnet – mit einer Kampfansage. Im nordfranzösischen Hénin-Beaumont, der Hochburg des Rassemblement National (RN), kündigte sie eine sogenannte „nationale Priorität“ an. Franzosen sollen künftig etwa bei der Vergabe von Wohnraum bevorzugt werden.
„Alle Franzosen haben das Recht, im eigenen Land bevorzugt zu werden“, sagte Le Pen vor jubelnden Anhängern. Der Satz dürfte den Ton dieses Wahlkampfs bestimmen.
Weniger Auflagen, billigerer Sprit
Le Pen verspricht mehr als Symbolpolitik. Sie will den Wohnungsbau massiv beschleunigen – und dafür zahlreiche Umweltvorschriften streichen, darunter Regeln zur Flächenversiegelung und zur Energieeffizienz. Auch Autofahrer sollen entlastet werden: Die Steuern auf Kraftstoff will sie senken.
Es ist die Blaupause eines Programms, das man in abgewandelter Form auch in Deutschland kennt: Wer bauen will, stolpert über Normen. Wer pendelt, zahlt an der Zapfsäule drauf. Dass eine Kandidatin damit in Umfragen führt, sagt weniger über sie aus als über den Frust vieler Bürger.
Streit um ein Wort: „Renaissance“
Frankreich müsse sich entscheiden, ob es weiter „im Treibsand der Gewohnheiten“ versinke oder eine „Renaissance Frankreichs“ beginne, rief Le Pen. Pikant: Genau so heißt die Mitte-Partei von Präsident Emmanuel Macron. Deren juristischer Versuch, Le Pen den Slogan zu untersagen, scheiterte Berichten zufolge.
Auf der Bühne stand auch RN-Parteichef Jordan Bardella, dem Le Pen nachträglich zum 31. Geburtstag gratulierte. Zu Wort kam der einstige Hoffnungsträger allerdings nicht. Beobachter registrieren seit Monaten eine gewisse Kühle zwischen beiden, vor allem in wirtschaftspolitischen Fragen. Im Erfolgsfall soll Bardella Premierminister werden.
Das Urteil, das über allem schwebt
Über der Kandidatur hängt weiterhin ein Justizverfahren. Im Kern geht es um den Vorwurf, Mitarbeiter des Europäischen Parlaments hätten in Wahrheit für die Partei gearbeitet. In erster Instanz war Le Pen im März 2025 verurteilt und mit einem fünfjährigen Kandidaturverbot belegt worden.
Das Pariser Berufungsgericht milderte dies Anfang Juli 2026 ab: Medienberichten zufolge blieben 15 Monate Unwählbarkeit – bereits abgeleistet – sowie eine Haftstrafe, die per Fußfessel vollzogen werden soll, und eine Geldstrafe von 100.000 Euro. Der RN wurde demnach zu zwei Millionen Euro Strafe verurteilt. Rechtskräftig ist das alles nicht: Das oberste Berufungsgericht muss noch entscheiden. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.
Umfragen, Gegner, Termine
Aktuell liegt Le Pen bei 34 bis 36 Prozent klar vorn. Ob das für die Stichwahl reicht, ist offen. Als Konkurrenten gelten der Mitte-rechts-Politiker Édouard Philippe, Renaissance-Fraktionschef Gabriel Attal und der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon. Im linken Lager entscheidet im Oktober eine Vorwahl, als aussichtsreich gilt dort Raphaël Glucksmann. Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.
Gewählt wird am 18. April und 2. Mai. Für Europas zweitgrößte Volkswirtschaft steht damit ein politisches Beben im Kalender – bei einer Staatsverschuldung, die laut offiziellen Statistiken längst jenseits der 110 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt. Politische Unsicherheit in Paris trifft die gesamte Eurozone. Wer sein Vermögen breit aufstellt, hat physische Edelmetalle traditionell als ruhenden Pol im Depot geschätzt.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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