
Leipziger Buchmesse verbannt AfD-Politiker Krah – und entlarvt sich dabei selbst

Es ist ein Schauspiel, das sich in der deutschen Kulturlandschaft mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederholt: Eine große Literaturmesse lädt einen konservativen oder rechten Autor aus, beruft sich auf nebulöse „Sicherheitsbedenken" – und liefert damit genau jenen Kräften Munition, die sie eigentlich bekämpfen will. Die Leipziger Buchmesse hat nun erneut in dieses Fettnäpfchen getreten, indem sie die Präsentation eines Romans des AfD-Politikers Maximilian Krah kurzfristig aus dem Programm strich.
„Sicherheitsbedenken" als bequeme Ausrede
Die Messeleitung begründete ihre Entscheidung mit „massiven Sicherheitsbedenken". Krahs Bekanntheit und seine „öffentlich sehr kontrovers diskutierten Positionen" hätten ein erhöhtes Risiko dargestellt. Man müsse schließlich Schulklassen und Familien schützen. Klingt fürsorglich. Klingt vernünftig. Klingt – bei näherer Betrachtung – nach einer fadenscheinigen Begründung, die einer ernsthaften Prüfung kaum standhält.
Denn man stelle sich die Frage: Wenn die deutsche Justiz es schaffte, Krahs Sicherheit bei seinem Auftritt als Zeuge in einem brisanten China-Spionage-Prozess zu gewährleisten – warum sollte eine Buchmesse, die jährlich Hunderttausende Besucher managt, nicht in der Lage sein, eine einzelne Buchvorstellung ordnungsgemäß abzusichern? Proteste lassen sich kanalisieren, Sicherheitskräfte lassen sich aufstocken, Zugänge lassen sich kontrollieren. Das kostet Geld und Aufwand, gewiss. Aber was kostet es eine Institution, wenn sie den Eindruck erweckt, unliebsame Stimmen mundtot zu machen?
Der Ausgeladene als strahlender Gewinner
Maximilian Krah dürfte die Nachricht seiner Ausladung mit einem breiten Grinsen zur Kenntnis genommen haben. Denn er weiß – und jeder halbwegs politisch denkende Mensch weiß es ebenfalls –, dass ihm diese Absage mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschafft, als es eine beschauliche Lesung vor ein paar Dutzend Messebesuchern je vermocht hätte. Seine Reaktion fiel entsprechend aus: Er sprach von einem Klima, in dem abweichende Meinungen systematisch ausgegrenzt würden, und erklärte die Buchmesse kurzerhand für „intellektuell tot".
Man mag von Krah halten, was man will. Man mag seine politischen Positionen teilen oder vehement ablehnen. Doch eines muss man nüchtern konstatieren: Die Messeleitung hat ihm die Vorlage auf dem Silbertablett serviert. Statt einer Lesung, die vermutlich in den Weiten des Messeprogramms untergegangen wäre, gibt es nun eine bundesweite Debatte über Zensur, Cancel Culture und die Frage, ob in Deutschland noch Meinungsfreiheit herrscht.
Ein Muster, das sich verfestigt
Der Fall Krah steht nicht isoliert. Er reiht sich ein in eine beunruhigende Serie von Vorfällen, die das Verhältnis zwischen Kulturinstitutionen und der freien Debatte zunehmend belasten. Man denke an den Tumult um Björn Höckes Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse, an die erzwungenen Statements zum Gaza-Krieg bei der Berlinale, an die Ausladung der Autorin Susanne Dagen in Mannheim oder an die kurzfristige Absage eines Auftritts des Publizisten Michel Friedman im Literaturhaus Klütz – ebenfalls mit „Sicherheitsbedenken" begründet.
Bemerkenswert ist, dass selbst der PEN Berlin, wahrlich keine Bastion des Konservatismus, bei früheren Fällen scharfe Kritik an solchen Ausladungen übte und vor einem „fatalen Signal" für die Freiheit der Debatte warnte. Die Autorenvereinigung formulierte es mit einer Klarheit, die man sich von mancher Messeleitung wünschen würde:
„Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit gelten nicht nur dann, wenn es einem in den Kram passt, sondern auch dann, wenn es einem nicht in den Kram passt. Gerade dann."
Die Spaltung wird institutionalisiert
Was die Verantwortlichen der Leipziger Buchmesse offenbar nicht begreifen – oder nicht begreifen wollen –, ist die fatale Dynamik, die sie mit solchen Entscheidungen in Gang setzen. Jede Ausladung, jede vorgeschobene Sicherheitsbegründung, jede Verweigerung des offenen Diskurses treibt einen weiteren Keil in die ohnehin tief gespaltene Gesellschaft. Alternative Buchmessen mit einem dezidiert rechten Spektrum sprießen aus dem Boden, positionieren sich als Gegenentwurf zu den etablierten Formaten – und können ihre Veranstaltungen offenbar ohne jene mysteriösen Sicherheitsbedenken durchführen, die bei den großen Messen regelmäßig als Totschlagargument herhalten müssen.
Die Ironie könnte kaum bitterer sein: Institutionen, die sich der Literatur, dem freien Wort und dem intellektuellen Austausch verschrieben haben, werden zu Totengräbern eben jener Werte, die sie zu verteidigen vorgeben. Wer den Diskurs verweigert, schafft keinen sicheren Raum – er schafft ein Vakuum, das andere nur zu gerne füllen.
Deutschland braucht keine Kulturinstitutionen, die vor kontroversen Meinungen einknicken. Es braucht Räume, in denen gestritten, argumentiert und widersprochen wird. Denn eine Demokratie, die nur noch die Meinungen zulässt, die dem gerade herrschenden Zeitgeist entsprechen, ist keine Demokratie mehr. Sie ist eine Inszenierung – mit hübscher Kulisse, aber ohne Substanz.

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