
Louvre im Chaos: Macron setzt nach Skandalserie auf neuen Museumschef
Das meistbesuchte Museum der Welt gleicht derzeit eher einem Schauplatz aus einem Kriminalroman als einem Tempel der Hochkultur. Gestohlene Kronjuwelen, Ticketbetrug, Wasserschäden und Aktivisten-Attacken – der Pariser Louvre hat in den vergangenen Monaten eine beispiellose Krisenserie durchlebt. Nun zieht die französische Regierung die Reißleine und installiert mit Christophe Leribault einen neuen Direktor an der Spitze des legendären Hauses.
Rücktritt und Blitzberufung
Die Ernennung des 62-jährigen Kunsthistorikers erfolgte am Mittwoch – gerade einmal einen Tag, nachdem seine Vorgängerin Laurence des Cars ihren Rücktritt eingereicht hatte. Schneller geht es kaum. Präsident Emmanuel Macron ließ über den Élysée-Palast verlauten, das Museum brauche nun „Ruhe und einen starken neuen Impuls", um große Projekte in den Bereichen Sicherheit und Modernisierung erfolgreich umzusetzen. Man darf sich fragen, ob diese Worte nicht auch als stille Kritik an der bisherigen Führung zu verstehen sind.
Leribault wechselt vom Schloss Versailles, wo er seit 2024 in leitender Funktion tätig war. Zuvor stand er an der Spitze des renommierten Musée d'Orsay. Ein Mann also, der die französische Museumslandschaft kennt wie seine Westentasche. Ob das reicht, um den angeschlagenen Louvre wieder auf Kurs zu bringen, wird sich zeigen müssen.
Eine Pannenserie, die ihresgleichen sucht
Die Liste der Katastrophen, die den Louvre in den vergangenen Monaten heimgesucht haben, liest sich wie ein schlechtes Drehbuch. Im Oktober vergangenen Jahres gelang es Dieben, französische Kronjuwelen aus dem vermeintlich hochgesicherten Museum zu entwenden. Bis heute fehlt von den Schmuckstücken jede Spur. Ein Sicherheitsdesaster ersten Ranges, das Fragen aufwirft, die weit über die Museumsmauern hinausreichen.
Doch damit nicht genug. Ein mutmaßlicher Ticketbetrug erschütterte das Vertrauen in die Verwaltungsstrukturen des Hauses. Ein Wasserschaden richtete weitere Verwüstungen an. Und als wäre das alles nicht genug, verübte das britische Aktivistenkollektiv „Everyone Hates Elon" einen Streich im Museum – eine jener Aktionen, die man in einer Zeit, in der selbsternannte Weltverbesserer meinen, mit Vandalismus und Provokation die Gesellschaft voranbringen zu können, leider immer häufiger erlebt.
800 Millionen Euro für die Renovierung – wer zahlt?
Macron hatte bereits vor der aktuellen Krise einen gewaltigen Renovierungsplan im Umfang von 800 Millionen Euro angekündigt. Eine beeindruckende Summe, die allerdings auch finanziert werden will. Ein Teil des Geldes soll über höhere Eintrittspreise für Besucher aus Nicht-EU-Staaten hereinkommen. Ein pragmatischer Ansatz, der zumindest den europäischen Steuerzahler teilweise entlastet – eine Logik, die man sich auch in anderen Bereichen der europäischen Politik häufiger wünschen würde.
Die schnelle Nachfolgeentscheidung signalisiert zweifellos Handlungsbereitschaft. Doch ob ein Personalwechsel an der Spitze allein ausreicht, um die strukturellen Probleme eines Hauses zu lösen, das jährlich Millionen von Besuchern empfängt und gleichzeitig unschätzbare Kulturgüter schützen muss, darf bezweifelt werden. Frankreich steht vor der Herausforderung, sein kulturelles Kronjuwel – im wahrsten Sinne des Wortes – wieder sicher zu machen. Leribault hat keine leichte Aufgabe vor sich. Aber vielleicht ist genau das der Moment, in dem sich zeigt, ob ein erfahrener Museumsdirektor auch ein Krisenmanager sein kann.
- Themen:
- #Steuern












