
Merz und China: Wie der Kanzler Deutschlands wichtigste Wirtschaftsbeziehung aufs Spiel setzt

Fast ein Jahr im Amt â und kein einziger Besuch beim wichtigsten Handelspartner der letzten Dekade. Was Friedrich Merz sich bei seiner China-Politik leistet, grenzt an wirtschaftspolitischen Selbstmord. WĂ€hrend die deutsche Industrie von Krise zu Krise taumelt, wĂ€hrend Standorte geschlossen und ArbeitsplĂ€tze abgebaut werden, gönnt sich der Bundeskanzler den Luxus demonstrativer Ignoranz gegenĂŒber Peking. Erst jetzt, nach quĂ€lend langen Monaten des Schweigens, steht endlich die erste Chinareise an.
Politik durch Unterlassen â ein gefĂ€hrliches Spiel
Die Chronologie der Merz'schen Staatsbesuche liest sich wie ein LehrstĂŒck in Fehlpriorisierung. Paris, Warschau, Kiew, Tirana, Rom â alles abgehakt. Im Juni 2025 der obligatorische Antrittsbesuch bei Donald Trump, dann G7 in Kanada. Im Januar 2026 Indien, Anfang Februar die Golfstaaten. Alles wichtig, keine Frage. Doch ein Land fehlte konsequent auf der Agenda: China. Ausgerechnet jene aufsteigende Supermacht, die in 66 von 74 SchlĂŒsseltechnologien weltweit fĂŒhrend ist, die den globalen Markt fĂŒr Seltene Erden dominiert und ohne die weder Energiewende noch Hightech-Industrie funktionieren können.
Man stelle sich vor, ein mittelstĂ€ndischer Unternehmer wĂŒrde nach seiner Ernennung zum GeschĂ€ftsfĂŒhrer monatelang seinen gröĂten Kunden ignorieren. Er wĂŒrde stattdessen Nebenkunden besuchen, Visitenkarten verteilen und Smalltalk halten â wĂ€hrend der HauptumsatztrĂ€ger vergeblich auf einen Anruf wartet. In der Privatwirtschaft wĂ€re ein solches Verhalten ein KĂŒndigungsgrund. In der Bundespolitik nennt man es offenbar âStrategie".
Der fatale Kurs der Ampel wird nahtlos fortgesetzt
Besonders bitter ist die Erkenntnis, dass Merz damit exakt jenen Kurs fortsetzt, den er im Wahlkampf noch scharf kritisiert hatte. Die Ampel-Regierung unter Habeck und Baerbock hatte die China-Politik mit moralischer Ăberheblichkeit und strategischer Ahnungslosigkeit an die Wand gefahren. Eine belehrende Rhetorik, die offene Rede von âEntkopplung" und âSystemrivalitĂ€t", eine sogenannte China-Strategie ohne jede operative Substanz â all das hatte ĂŒber Jahre Vertrauen zerstört. Deutschland trat nicht als Partner auf, sondern als Besserwisser. Und wurde entsprechend behandelt.
Dass ausgerechnet Friedrich Merz, der sich als Wirtschaftskanzler inszenierte, diesen desaströsen Kurs nicht korrigiert, sondern durch demonstrative Ignoranz noch verschÀrft, ist ein politisches Versagen ersten Ranges. Es ist, als hÀtte man den KapitÀn ausgetauscht, aber das Steuer in dieselbe Richtung verriegelt gelassen.
Auch das Kabinett glÀnzt durch Abwesenheit
Und als wĂ€re die UntĂ€tigkeit des Kanzlers nicht genug, setzt sein Kabinett dem Ganzen die Krone auf. AuĂenminister Wadephul reiste im August 2025 zunĂ€chst nach Japan â ausgerechnet jenes Land, das als erklĂ€rter geopolitischer Gegenspieler Chinas wahrgenommen wird. Von dort ging es weiter nach Indonesien, wirtschaftlich fĂŒr Deutschland von deutlich geringerer Bedeutung. China? Wieder ausgelassen. Auch Wirtschaftsministerin Reiche fĂ€llt durch bemerkenswerte PassivitĂ€t auf. Keine wirtschaftspolitische Initiative, kein sichtbarer Dialog, keine industriepolitische Strategie gegenĂŒber Peking. In einer Zeit, in der deutsche Unternehmen verzweifelt nach Orientierung und politischer RĂŒckendeckung suchen, herrscht betretenes Schweigen.
In Peking wird diese PrioritĂ€tensetzung sehr genau registriert. Dort weiĂ man, dass solche Entscheidungen nicht zufĂ€llig fallen, sondern in enger Abstimmung mit dem Bundeskanzleramt getroffen werden. Es ist ein diplomatischer Affront, der Konsequenzen haben dĂŒrfte.
Derisking â aber gegen Deutschland selbst
Die wirtschaftliche RealitĂ€t spricht eine brutale Sprache. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. ProduktionsrĂŒckgĂ€nge, StandortschlieĂungen, Investitionsstopps, massiver Stellenabbau â kaum ein Tag vergeht ohne neue Hiobsbotschaften. Und hier offenbart sich die bittere Ironie der Merz'schen China-Politik: Das viel beschworene âDerisking" findet lĂ€ngst statt â nur nicht gegenĂŒber China, sondern gegenĂŒber Deutschland selbst.
Unternehmen ziehen sich nicht aus China zurĂŒck, weil der chinesische Markt unattraktiv geworden wĂ€re. Sie ziehen sich aus Deutschland zurĂŒck, weil Deutschland unberechenbar, moralisierend und strategielos geworden ist. Eine Politik, die sich im geopolitisch inszenierten China-Bashing profiliert, zahlt den Preis nicht selbst. Ihn zahlen Industrie, Mittelstand und Arbeitnehmer. Die internationalen Wettbewerber reiben sich derweil die HĂ€nde, wĂ€hrend deutsche WeltmarktfĂŒhrer das sinkende Schiff verlassen.
China hĂ€tte in dieser Situation kein Allheilmittel sein können â aber durchaus ein tragfĂ€higer Rettungsanker. Das Reich der Mitte hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten maĂgeblich zum deutschen Wohlstand beigetragen. Es hĂ€tte auch heute Teil der Lösung sein können. Doch diese Option wurde nicht einmal geprĂŒft. Statt Dialog herrscht Schweigen, statt Strategie Abwesenheit.
Die spÀte Chance zur Kurskorrektur
Nach der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz blickt Merz nun offenbar mit vorsichtigem Optimismus auf seine bevorstehende Chinareise. Die Konferenz habe erneut vor Augen gefĂŒhrt, wie sehr globale StabilitĂ€t von belastbaren Dialogformaten abhĂ€nge â gerade zwischen wirtschaftlich eng verflochtenen Akteuren. FĂŒr Merz biete sich nun die Gelegenheit, Handelsfragen, Investitionsbedingungen und strategische AbhĂ€ngigkeiten offen anzusprechen.
Doch die entscheidende Frage bleibt: Hat dieser Kanzler ĂŒberhaupt eine kohĂ€rente eigene Linie gegenĂŒber Peking entwickelt? Eine Linie, die deutsche und europĂ€ische Interessen selbstbewusst definiert und nicht primĂ€r als Reaktion auf die Schwankungen der amerikanischen Politik unter Donald Trump verstanden wird? Die Skepsis ist berechtigt. Denn wer fast ein Jahr lang den wichtigsten Handelspartner ignoriert, der hat entweder keine Strategie â oder eine sehr schlechte.
Deutschland braucht keine moralische Selbstinszenierung auf der WeltbĂŒhne. Was dieses Land braucht, ist eine nĂŒchterne, interessengeleitete AuĂen- und Wirtschaftspolitik. Eine Politik, die versteht, dass AuĂenpolitik heute immer auch Wirtschaftspolitik ist. Und dass Nicht-Handeln, Nicht-Reden und Nicht-Reisen ebenfalls Entscheidungen sind â mit sehr realen Konsequenzen fĂŒr Millionen von ArbeitsplĂ€tzen und den Wohlstand einer ganzen Nation.
In Zeiten, in denen die Trumpschen Zollerhöhungen von 20 Prozent auf EU-Importe den transatlantischen Handel ohnehin massiv belasten, wĂ€re eine kluge Diversifizierung der Handelsbeziehungen â und dazu gehört zwingend ein funktionierendes VerhĂ€ltnis zu China â nicht nur wĂŒnschenswert, sondern ĂŒberlebensnotwendig. Wer in dieser Lage seinen wichtigsten Handelspartner links liegen lĂ€sst, der spielt nicht nur mit dem eigenen politischen Schicksal, sondern mit der Zukunft Deutschlands.
FĂŒr Anleger, die angesichts dieser geopolitischen Unsicherheiten und der wirtschaftlichen Schieflage Deutschlands nach StabilitĂ€t suchen, dĂŒrften physische Edelmetalle einmal mehr als bewĂ€hrter Anker der Vermögenssicherung in den Fokus rĂŒcken. Gold und Silber haben sich in Zeiten politischer Fehlentscheidungen und wirtschaftlicher Turbulenzen stets als verlĂ€ssliche Wertaufbewahrungsmittel erwiesen â unabhĂ€ngig davon, welche Fehler die jeweilige Regierung gerade begeht.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach RĂŒcksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. FĂŒr etwaige Verluste, die aus Anlageentscheidungen resultieren, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden, ĂŒbernehmen wir keinerlei Haftung.

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