
Merz verkauft ein sinkendes Schiff als "Fundament der Stabilität" – und die Investoren spüren das Leck

Es gibt Momente in der Politik, die eine ganze Regierungsphilosophie entlarven. Der geplante Investitionsgipfel des Bundeskanzlers Friedrich Merz ist ein solcher Moment. Nach einem Bericht der Financial Times will die Bundesregierung im Oktober erstmals eine große Werbeveranstaltung für internationales Kapital ausrichten – nach dem Vorbild des französischen Formats "Choose France", mit dem Präsident Emmanuel Macron seit Jahren um ausländische Geldgeber buhlt. Der Titel der Charme-Offensive? Deutschland als "Europas Fundament der Stabilität".
Man muss sich diese Formulierung auf der Zunge zergehen lassen. Ein Fundament der Stabilität – während gleichzeitig die Industrie in Rekordtempo abwandert, während die Energiekosten in astronomische Höhen schießen und während das Land seine Schuldenbremse für ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen kurzerhand über Bord geworfen hat.
Werbebroschüren gegen die Wirklichkeit
In den Unterlagen für internationale Investoren, so heißt es, prahle die Bundesregierung mit der soliden Haushaltslage, der Spitzenbonität bei den drei großen Ratingagenturen, hoher Rechtssicherheit und einer breit aufgestellten Industrie. Hinzu kämen Reformen zur Wachstumsförderung sowie milliardenschwere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.
Solide Haushaltslage? Man fragt sich unwillkürlich, in welchem Land der Verfasser dieser Broschüre eigentlich lebt. Ausgerechnet jene Koalition aus CDU/CSU und SPD, deren Kanzler im Wahlkampf noch beteuert hatte, keine neuen Schulden zu machen, hat mit dem Sondervermögen ein Schuldenpaket geschnürt, das kommende Generationen über Jahrzehnte hinweg mit Zins und Tilgung fesseln wird. Die Rechnung für diese vermeintliche "Stabilität" zahlen am Ende die arbeitenden Bürger – über steigende Steuern, wachsende Abgaben und eine Inflation, die den Wert des Ersparten still und heimlich auffrisst.
Die Realität kennt keine Hochglanzprospekte
Während Berlin also die Werbetrommel rührt, sprechen die Fakten eine unmissverständliche Sprache. Große Betriebe verlassen den Standort Deutschland. Fachkräfte packen ihre Koffer. Die Kombination aus utopischen Energiekosten, überbordender Bürokratie, hohen Lohnstückkosten und politischer Unberechenbarkeit macht das Land für Kapitalgeber zunehmend uninteressant. Wer heute investieren will, schaut sich anderswo um – in Ländern, die nicht ideologiegetrieben ihre eigene wirtschaftliche Basis demontieren.
Ein Standort, der erst systematisch seine Wettbewerbsfähigkeit ruiniert und dann mit Hochglanzbroschüren um Kapital bettelt, hat das Vertrauen der Märkte längst verspielt.
Bezeichnend ist auch, was Gesprächsteilnehmer laut dem Bericht durchblicken ließen: Investoren fordern konkrete Nachweise für die Wirkung der Reformen und mehr Klarheit darüber, welche Zukunftsbranchen die Regierung überhaupt fördern wolle. Mit anderen Worten – die vollmundigen Versprechen reichen den nüchtern rechnenden Kapitalgebern nicht. Sie wollen Substanz sehen, keine Sonntagsreden.
Ein Pensionsfonds am Kapitalmarkt – was könnte schon schiefgehen?
Als besonderes Highlight kündigte Berlin im Juni einen staatlichen Pensionsfonds nach schwedischem Vorbild an, der Teile der Rentenbeiträge am Kapitalmarkt anlegen soll. Der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing soll als Investitionsbeauftragter bei institutionellen Anlegern für den Standort werben. Man wolle den Zugang für privates Kapital, so das Wirtschaftsministerium, "einfacher, schneller und attraktiver gestalten".
Dass ausgerechnet ein Staat, der seine eigenen Finanzen kaum im Griff hat, nun die Altersvorsorge seiner Bürger den Launen der Börse anvertrauen will, dürfte bei vielen Sparern nicht gerade Vertrauen wecken. Wer sein Vermögen wirklich vor politischer Willkür und schleichender Geldentwertung schützen möchte, sucht sich seit jeher krisenfeste Alternativen – nicht selten in Form physischer Edelmetalle wie Gold und Silber, die über Jahrtausende bewiesen haben, dass sie im Gegensatz zu Papierversprechen und staatlichen Fondskonstrukten ihren Wert bewahren.
Wenn die Fassade bröckelt
Der Kern des Problems liegt tiefer als in einem missglückten Werbeslogan. Er liegt in einer Politik, die den Bezug zur wirtschaftlichen Realität verloren zu haben scheint. Eine Regierung, die das eigene Land in Grund und Boden reguliert, die Klimaneutralität bis 2045 gar im Grundgesetz verankert und dabei die Kosten den kommenden Generationen aufbürdet, kann noch so viele Investorengipfel abhalten – das verlorene Vertrauen kauft sie damit nicht zurück.
Ein großer Teil der Bevölkerung durchschaut dieses Spiel längst. Was Deutschland braucht, ist keine weitere Werbekampagne, sondern eine grundlegende Kehrtwende: niedrigere Steuern, bezahlbare Energie, weniger Bürokratie und eine Politik, die endlich wieder für das Land arbeitet, statt gegen es. Bis dahin bleibt der Slogan vom "Fundament der Stabilität" das, was er ist – eine hohle Phrase auf brüchigem Boden.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Meinung unserer Redaktion wieder und dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er stellt weder eine Anlage-, Steuer- noch eine Rechtsberatung dar. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich vor einer Investitionsentscheidung eigenständig zu informieren und gegebenenfalls fachkundigen Rat einzuholen. Für die eigenen Anlageentscheidungen trägt jeder Leser die alleinige Verantwortung.

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