
Millionäre gegen Abschiebung: Wie Campino auf der Bühne den Innenminister auspfeifen ließ
Ein lauer Juliabend im Münchner Schwabing. Während die wohlhabenden Familien ihre Sprösslinge im Lastenrad durch die Altbaustraßen chauffieren und in den schicken Austernbars der Hohenzollernstraße der Rosé entkorkt wird, versammeln sich unweit davon 19.000 Menschen am Olympiapark. Der Anlass? Ein Konzert der Toten Hosen. Zwischen 75 und 120 Euro kostet das Vergnügen, den Musikmillionären zu lauschen, die seit über vier Jahrzehnten gegen das sogenannte Establishment ansingen – und dabei zunehmend selbst zu diesem geworden sind.
Die Ironie des rebellischen Multimillionärs
Es ist ein Phänomen, das man in Deutschland immer wieder beobachten darf: Wohlhabende Prominente, die sich in ihrem gut gepolsterten Elfenbeinturm verschanzen, um dem Volk zu erklären, wie es zu denken habe. Frontmann Campino, ein Mann, der sein Vermögen über Jahrzehnte mit rebellischer Attitüde verdient hat, wandte sich an diesem Abend direkt an den Bundesinnenminister – oder besser gesagt, an dessen Abwesenheit.
Anwesende berichten, der Sänger habe sich gezielt an „Herrn Dobrindt" gerichtet und das anschließende Buhen der Menge als willkommenen Klangteppich für seine Ansprache genutzt. Es könne doch nicht sein, so die Botschaft, dass in München „das größte Abschiebezentrum Europas" gebaut werde.
Worum geht es eigentlich?
Konkret bezieht sich die Empörung auf das geplante „Rückführungs-Terminal" am Münchner Flughafen. Eine Einrichtung also, die dafür sorgen soll, dass abgelehnte Asylbewerber und ausreisepflichtige Personen tatsächlich unser Land verlassen – etwas, das in Deutschland viel zu selten und viel zu spät geschieht. Campino nannte das Vorhaben „Geldverschwendung" und „reine Symbolpolitik", die das „Problem eh nicht lösen" werde.
„Dass es ein Problem gibt, sieht also sogar Campino." – Eine bemerkenswerte Einsicht des Alt-Linken, die zwischen den Zeilen deutlich hervortritt.
Die selektive Wahrnehmung der Bessergestellten
Interessant ist die Widersprüchlichkeit: Der Sänger, in seiner Heimat Düsseldorf sicher nicht blind für die Realität auf deutschen Straßen, hatte noch im Mai in einem Podcast sanftere Töne angeschlagen. In München jedoch, umgeben von Gleichgesinnten, ließ sich die vertraute Melodie wieder anstimmen. Man kennt das Ritual: Wer nicht in den Chor der Betroffenheitsbewegung einstimmt, wird schnell zur „rechten Dumpfbacke" degradiert.
Und selbstverständlich durfte auch der obligatorische Ruf nicht fehlen. Nicht etwa „Kriminelle raus" oder „Straftäter raus", sondern – man ahnt es – „Nazis raus". Ein Moment, den Campino laut Süddeutscher Zeitung als „immer den schönsten Moment des Konzertes" bezeichnete. Wie schön für ihn.
Wenn Symbolpolitik auf Realitätsverweigerung trifft
Was hier auf der Bühne zelebriert wurde, ist symptomatisch für ein größeres Problem. Während die Mehrheit der deutschen Bevölkerung sich seit Jahren eine konsequente Rückführungspolitik wünscht – und angesichts steigender Kriminalitätszahlen und der zunehmenden Messerangriffe auch wünschen muss –, dürfen wohlhabende Künstler von der Bühne herab jene diffamieren, die endlich Ordnung schaffen wollen. Bezeichnend, dass ausgerechnet ein Rückführungsterminal, das für eine funktionierende Migrationspolitik unerlässlich ist, als „Geldverschwendung" gebrandmarkt wird. Die eigentliche Verschwendung findet an ganz anderer Stelle statt.
Es bleibt die Frage, wie glaubwürdig eine Rebellion sein kann, die aus der komfortablen Position des Multimillionärs heraus formuliert wird. Der SUV zum Klimastreik, wie es in einem neuen Song heißt, ist eben nicht nur eine Zeile – er ist gelebte Doppelmoral.
Und so bleibt am Ende die nüchterne Erkenntnis: Die Probleme, die ein Campino aus sicherer Distanz belächelt, tragen die einfachen Bürger unseres Landes tagtäglich aus. Sie sind es, die in ihren Wohnvierteln mit den Folgen einer jahrelangen Fehlpolitik leben müssen – nicht die feiernde Prominenz im gut gesicherten Backstage-Bereich.
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