
Moskaus Tresore leeren sich: Kreml verkauft seinen Goldschatz

Die russische Zentralbank hat ihre Goldreserven auf den niedrigsten Stand seit über sechs Jahren gedrückt. Wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Daten der Bank of Russia hervorgeht, sanken die Bestände bis zum 1. August auf 73,2 Millionen Feinunzen – ein Minus von 1,6 Millionen Unzen seit Jahresbeginn. So wenig Gold lagerte in Moskaus Tresoren zuletzt im Januar 2020.
Der Wert der Goldreserven schrumpfte den Angaben zufolge binnen sieben Monaten um 33,7 Milliarden US-Dollar. Umgerechnet entspricht der Abfluss rund 50 Tonnen physischem Metall – und das ausgerechnet bei einem Staat, der jahrelang als hungrigster Goldkäufer der Welt galt.
Vom größten Käufer zum Verkäufer
Die Bank of Russia war einst der mit Abstand bedeutendste staatliche Goldkäufer des Planeten. Sie kaufte über Jahre einen Großteil der heimischen Minenproduktion auf, bis sie die Zukäufe Anfang 2020 stoppte.
Zwei Jahre später – nach dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 – kündigte die Notenbank an, wieder zu kaufen. Damit fing sie einen Teil jener Mengen auf, die wegen der westlichen Sanktionen nicht mehr exportiert werden konnten. Zu großflächigen Zukäufen kam es aber nie. Offizielle Zahlen zur Goldförderung veröffentlicht Moskau seit Kriegsbeginn ohnehin nicht mehr.
Warum der Kreml sein Tafelsilber antastet
Der Grund für den Ausverkauf liegt im Haushalt. Das Finanzministerium veräußert Gold und Devisen aus dem Nationalen Wohlstandsfonds, um Löcher zu stopfen, die schwächelnde Energieeinnahmen gerissen haben. Über einen sogenannten Spiegelmechanismus führt die Zentralbank am Binnenmarkt jeweils entsprechende Gegengeschäfte aus, damit Rubel und Finanzsystem nicht ins Rutschen geraten.
Medienberichten zufolge lag Russlands Haushaltsdefizit in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits bei 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung – deutlich über dem offiziellen Jahresziel von 1,6 Prozent. Die Wirtschaft schrumpfte demnach im ersten Quartal leicht, Analysten erwarten für 2026 nur noch minimales Wachstum bei einem Leitzins um die 14 Prozent.
Ein Warnsignal – aber nicht gegen Gold
Wer daraus schließt, Gold habe seinen Reiz verloren, verwechselt Ursache und Wirkung. Moskau verkauft nicht, weil Gold schwach wäre, sondern weil der Krieg Liquidität frisst und Dollar- wie Euro-Geschäfte durch Sanktionen blockiert sind.
Genau das ist die unbequeme Lehre für jeden Sparer: Physisches Gold ist die einzige Reserve, die auch dann noch funktioniert, wenn Konten eingefroren und Zahlungswege gekappt werden. Beobachter sehen darin eine Bestätigung der uralten Funktion des Metalls als letzte Rückfallebene.
Bemerkenswert ist der Kontrast zum Rest der Welt: Während Russland abgibt, kaufen andere Notenbanken – vor allem in Asien und Osteuropa – nach Angaben des World Gold Council weiter zu. An den Terminmärkten notierte Gold zuletzt bei rund 4.713 Dollar je Unze, Silber sprang auf über 75 Dollar.
Was das für deutsche Anleger bedeutet
Russlands Verkäufe erhöhen kurzfristig das Angebot. Strukturell aber zeigt der Vorgang, wie ein Staat unter Druck agiert – und warum Notenbanken weltweit ihre Goldbestände seit Jahren ausbauen, statt sich auf Papierversprechen zu verlassen.
Für private Vermögen gilt dieselbe Logik im Kleinen: Physische Edelmetalle können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio helfen, Kaufkraft über Krisen hinweg zu bewahren – unabhängig davon, was Regierungen mit ihren Haushalten anstellen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte sich eigenständig informieren.

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