
Nato probt den Ernstfall in der Arktis – und Deutschland schickt eine Fregatte
Während sich die geopolitischen Spannungen weltweit verschärfen und die Krisenherde von der Ukraine über den Nahen Osten bis in die Arktis reichen, startet das westliche Verteidigungsbündnis eine seiner größten Winterübungen der vergangenen Jahre. Unter dem Namen „Cold Response" werden seit diesem Montag rund 25.000 Soldaten aus 14 Nationen in den eisigen Weiten Norwegens und Finnlands zusammengezogen. Ein Signal der Stärke – oder doch eher ein Eingeständnis, wie verwundbar die Nordflanke der Nato tatsächlich ist?
Trumps Grönland-Ambitionen als Katalysator
Die alle zwei Jahre stattfindende Übung, die vom 9. bis 19. März läuft, ist eingebettet in die übergeordnete Nato-Mission „Arctic Sentry". Diese wurde nicht zuletzt ins Leben gerufen, um die Spannungen zu entschärfen, die US-Präsident Donald Trump mit seinen wiederholten Forderungen nach einer Übernahme Grönlands ausgelöst hatte. Trump hatte argumentiert, die Vereinigten Staaten benötigten die strategisch bedeutsame Insel zur Abwehr russischer und chinesischer Interessen in der Arktisregion. Sowohl die dänische als auch die grönländische Regierung wiesen diese Ansinnen unmissverständlich zurück.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Nato-Mitglied drängt einen anderen Bündnispartner zur Abtretung von Territorium – und das Bündnis reagiert mit einer gemeinsamen Militärübung, die offenbar auch dazu dienen soll, die transatlantischen Wogen zu glätten. Diplomatie im Tarnanzug, sozusagen.
Washington zieht Kampfjets ab – Zufall oder Kalkül?
Trotz der diplomatischen Verwerfungen werde erwartet, dass die USA mit rund 4.000 Soldaten an der Übung teilnehmen. Allerdings sorgte eine Entscheidung des Pentagon im Vorfeld für Stirnrunzeln: Eine komplette Staffel F-35-Kampfjets wurde abgezogen. Ob der eskalierende Konflikt im Nahen Osten – wo Israel und der Iran in eine offene militärische Konfrontation geraten sind – dabei eine Rolle gespielt habe, ließ ein Sprecher der U.S. Marines in Europa bewusst offen. Die amerikanischen Streitkräfte seien weltweit im Einsatz, und es sei „nicht ungewöhnlich", dass Kräfte kurzfristig umverteilt würden.
Nicht ungewöhnlich? Vielleicht. Aber es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Überdehnung der amerikanischen Militärkapazitäten, wenn mitten in einer arktischen Großübung hochmoderne Kampfflugzeuge abkommandiert werden müssen, weil an anderer Stelle die Welt brennt.
Deutschlands bescheidener Beitrag
Und Deutschland? Das Verteidigungsministerium in Berlin verkündete, die Fregatte „Sachsen" werde an der Übung teilnehmen. Dies sei ein „wichtiger Beitrag für die Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktisregion", hieß es. Eine einzelne Fregatte als „wichtiger Beitrag" – man könnte fast meinen, die Bundeswehr habe den Humor nicht verloren, auch wenn ihr bekanntlich an so vielem anderen mangelt. Während andere Nationen Tausende Soldaten entsenden, wirkt der deutsche Anteil einmal mehr wie ein symbolisches Feigenblatt.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Bundeswehr nach Jahrzehnten der Kaputtsparpolitik kaum in der Lage ist, ihren Bündnisverpflichtungen in vollem Umfang nachzukommen. Das von der neuen Großen Koalition unter Friedrich Merz beschlossene 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur wird zwar auch der Verteidigung zugutekommen sollen – doch bis aus Haushaltsmitteln einsatzbereite Verbände werden, vergehen Jahre. Jahre, die angesichts der aktuellen Bedrohungslage möglicherweise nicht zur Verfügung stehen.
Norwegen setzt auf „Gesamtverteidigung"
Bemerkenswert ist der Schwerpunkt, den die diesjährige Übung auf die zivile Einsatzbereitschaft legt. Norwegen hat das Jahr 2026 zum „Jahr der Gesamtverteidigung" erklärt – ein Konzept, das in Deutschland längst in Vergessenheit geraten ist. Generalmajor Lars Lervik, Chef der norwegischen Armee, betonte, es gehe auch darum zu üben, wie Zivilisten die militärischen Bemühungen direkt unterstützen könnten. Etwa wenn der Sanitätsdienst eine höhere Anzahl verletzter Soldaten behandeln müsse.
Diese nüchterne Formulierung verbirgt eine unbequeme Wahrheit: Die Nato bereitet sich auf Szenarien vor, in denen es nicht mehr um abstrakte Bedrohungslagen geht, sondern um reale Verwundete, reale Versorgungsengpässe und reale Kampfhandlungen unter extremsten Bedingungen. Minus 30 Grad, meterhoher Schnee, arktische Dunkelheit – wer hier bestehen will, braucht mehr als politische Sonntagsreden.
Die Arktis als neues geopolitisches Schlachtfeld
Die strategische Bedeutung der Arktis kann kaum überschätzt werden. Mit dem Abschmelzen des Polareises öffnen sich neue Schifffahrtsrouten und der Zugang zu gewaltigen Rohstoffvorkommen wird erleichtert. Russland hat seine militärische Präsenz in der Region seit Jahren massiv ausgebaut, China deklariert sich selbst als „arktisnaher Staat" und investiert Milliarden in die Erschließung der nördlichen Seewege. Dass die Nato hier nicht tatenlos zusehen kann, liegt auf der Hand.
Neben den USA und Großbritannien nehmen an „Cold Response" auch die Niederlande, Frankreich, Italien, Kanada, Spanien, die Türkei, Schweden, Finnland, Dänemark und Belgien teil. Besonders die Teilnahme Schwedens und Finnlands – beide erst seit kurzem vollwertige Nato-Mitglieder – unterstreicht die veränderte Sicherheitsarchitektur in Nordeuropa. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat bewirkt, was Jahrzehnte der Diplomatie nicht vermochten: Die skandinavische Neutralität ist Geschichte.
Ob 25.000 Soldaten bei einer zehntägigen Übung ausreichen, um Russland und China in der Arktis glaubwürdig abzuschrecken, darf bezweifelt werden. Doch immerhin zeigt die Nato, dass sie die Bedrohung erkannt hat. Bleibt zu hoffen, dass auch die deutsche Politik endlich begreift, dass Sicherheit nicht zum Nulltarif zu haben ist – und dass eine einzelne Fregatte im Nordatlantik noch keine Verteidigungsstrategie ausmacht.
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