
Nordkorea Zentralasiens öffnet sich: Deutsche Firmen wittern ihre Chance

Turkmenistan, eines der abgeschottetsten Länder der Welt, sendet Signale der Öffnung. Im Juli 2026 reiste die bislang größte deutsche Wirtschaftsdelegation mit rund 30 Teilnehmern nach Aschgabat – auf persönliche Einladung von Außenminister Raschid Meredow. Organisiert wurde die Reise vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft.
Ein Land wie ein verschlossener Tresor
Seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 hatte Präsident Saparmurat Nijasow, der sich „Turkmenbaschi“ nennen ließ, ein System aus striktem Neutralitätsdogma, Personenkult und einem der härtesten Visaregime der Welt errichtet. Offiziell begründete die Führung die Abschottung mit dem Afghanistan-Konflikt, Terrorismus und Drogenschmuggel.
Seit dem Machtwechsel 2022 regiert Serdar Berdymuchammedow – und plötzlich ist von Visaerleichterungen, einem WTO-Beitritt und wirtschaftlicher Diversifizierung die Rede. Politisch bleibt das Land autoritär. Reformen erfolgen kontrolliert, von einem Systemwechsel spricht niemand.
Gas im Überfluss – und trotzdem in der Klemme
Turkmenistan sitzt auf gewaltigen Erdgasvorkommen; Medienberichten zufolge zählen sie zu den vier größten der Welt. Das Gasfeld Galkynysch gilt als eines der größten Felder überhaupt. Erdgas dominiert den Außenhandel und finanziert einen Großteil des Staatshaushalts.
Genau darin liegt die Schwäche. Wer von einem einzigen Rohstoff und wenigen Abnehmern abhängt, ist den Preisschwankungen der Weltmärkte ausgeliefert. Vor allem China ist zum zentralen Käufer geworden – Berichten zufolge fließen jährlich rund 30 Milliarden Kubikmeter in die Volksrepublik. Ein Klumpenrisiko wie aus dem Lehrbuch.
Der Mittlere Korridor – Umgehung Russlands
Der Ukrainekrieg hat die Landkarte der Lieferketten neu gezeichnet. Waren, die früher über Russland rollten, suchen heute Wege südlich davon: über das Kaspische Meer, den sogenannten Mittleren Korridor zwischen China, Zentralasien und Europa.
Turkmenistan will davon profitieren. Der modernisierte Hafen Turkmenbaschi wurde ausgebaut, eine Anbindung an die Bahnverbindung China–Kirgisistan–Usbekistan ist geplant, mit Usbekistan soll eine visafreie Handelszone zwischen Schawat und Daschogus entstehen. Der Ost-Ausschuss-Vertreter Wladimir Nikitenko sagte, das Land suche international Anschluss und wolle Teil neuer Lieferketten werden.
„Die Gespräche waren von hoher Professionalität geprägt, die Infrastruktur ist gut ausgebaut und überall wird ein hoher Qualitätsanspruch deutlich.“
Made in Germany bleibt gefragt – nur nicht zu Hause
Gesucht sind deutsche Technologien: Maschinen- und Anlagenbau, Medizintechnik, Energie- und Umwelttechnik. Geplant seien Investitionen in Solarenergie, Zementwerke, Glasproduktion und das Gesundheitswesen. Siemens Healthineers ist im Klinikbereich präsent, Claas laut dem Bericht mit über 4000 Landmaschinen im Baumwollanbau.
Und doch: Nur 22 deutsche Unternehmen sind offiziell registriert. Komplexe Visa- und Zahlungsverfahren, staatlich gesteuerte Vergaben, dürftiger Informationszugang – der Markteintritt bleibt zäh. Viele Firmen operieren lieber von Nachbarstaaten aus.
Bemerkenswert bleibt die Ironie: Während deutsche Ingenieurskunst am Kaspischen Meer als Qualitätsversprechen gilt, ächzt die Industrie daheim unter Energiepreisen, Bürokratie und Klimaauflagen. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Blick nach Zentralasien vor allem eines – Wachstum entsteht dort, wo der Staat Unternehmern nicht permanent im Weg steht.
Was Anleger daraus lernen können
Ob Aschgabat wirklich dem Reformkurs Usbekistans folgt, ist offen. Klar ist: Rohstoffe, Lieferketten und geopolitische Machtverschiebungen bestimmen zunehmend den Wert von Vermögen. Wer breit streut, ergänzt sein Portfolio deshalb sinnvoll um physische Edelmetalle – greifbare Werte, unabhängig von Pipelines und Regierungslaunen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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