
Nur noch 4,3 Milliarden: Deutschlands USA-Geschäft bricht ein

Deutsche Unternehmen ziehen sich aus dem wichtigsten Auslandsmarkt zurück. Im ersten Halbjahr 2026 flossen nur noch rund 4,3 Milliarden Euro an deutschen Direktinvestitionen in die USA – ein Minus von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das geht aus Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis von Bundesbank-Daten hervor, über die mehrere Medien berichten.
Fast 80 Prozent weniger als vor Trumps Rückkehr
Noch dramatischer wirkt der Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2024, dem letzten vor Donald Trumps Wiedereinzug ins Weiße Haus: Der Rückgang beträgt laut IW knapp 80 Prozent. Und im langfristigen Bild? In den fünf Jahren vor der Pandemie investierten deutsche Firmen im ersten Halbjahr im Schnitt 15,8 Milliarden Euro jenseits des Atlantiks.
Das ist fast das Vierfache des heutigen Werts. Die IW-Ökonomin Samina Sultan verweist darauf, dass sich der Negativtrend seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit im Januar 2025 fortsetze. Die Zollpolitik des US-Präsidenten habe Handelspartner wie Deutschland und die EU verprellt.
Der Handel leidet ebenfalls
Die Investitionszahlen sind nur die eine Hälfte der Bilanz. Zwischen Februar und Oktober 2025 sanken die deutschen Exporte in die USA laut IW um rund neun Prozent – abgesehen von der Corona-Zeit der stärkste Einbruch seit 2010. Besonders hart traf es die Herzkammern der deutschen Industrie:
- Kraftwagen und Kraftwagenteile: minus knapp 19 Prozent
- Maschinenbau: rund minus zehn Prozent
- Chemische Erzeugnisse: mehr als minus zehn Prozent
Sultan bezeichnet die anhaltende Unsicherheit über Zölle als schädlich für Investitionen und Handel. Wer Standorte plane, kalkuliere über Jahre – wenn sich die Spielregeln über Nacht ändern könnten, werde eben verschoben.
Trotzdem: Amerika bleibt attraktiv – und das ist die eigentliche Ohrfeige
Interessant ist der Blick ins Detail. Für das Gesamtjahr 2025 fielen sowohl Direktinvestitionskredite als auch reinvestierte Gewinne überdurchschnittlich hoch aus, während das Beteiligungskapital – also echte Neuanlagen, Zukäufe, neue Werke – unterdurchschnittlich blieb.
„Unternehmen, die bereits in den USA aktiv sind, investieren ihre dortigen Gewinne demnach weiterhin im Land“, erklärt die Ökonomin. „Das spricht dafür, dass die USA grundsätzlich ein attraktiver Markt bleiben.“
Wer in Amerika Geld verdient, lässt es dort. Zurück nach Deutschland kommt es offenbar seltener. Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Befund, der weniger über Washington als über den Standort Deutschland aussagt: Energiepreise, Steuerlast, Bürokratie und ein Regulierungsdickicht aus Berlin und Brüssel machen Investitionen hierzulande zur Mutprobe. Laut einer DIHK-Umfrage wollten zuletzt 41 Prozent der Betriebe mit US-Standorten dort mehr Kapital einsetzen – unter dem langjährigen Durchschnitt, aber immer noch eine stattliche Zahl.
Und der nächste Zoll-Schlag kommt schon
Ruhe ist nicht in Sicht. Trump hat Zölle von bis zu 100 Prozent auf importierte Drohnen und Bauteile angekündigt. Betroffen sind Berichten zufolge vor allem Geräte mit einem Startgewicht über 25 Kilogramm sowie Modelle mit Wärmebildtechnik; kleinere Drohnen sollen mit 25 Prozent belegt werden, für europäische Hersteller ist ein niedrigerer Satz vorgesehen. Der Großteil der Abgaben soll am 3. September greifen. Ins Visier geraten dürften vor allem chinesische Anbieter.
Für Anleger heißt das: Handelspolitik ist wieder ein Kursrisiko. In einem Umfeld, in dem politische Entscheidungen Lieferketten binnen Tagen umschreiben, gewinnen physische Edelmetalle als staatsunabhängige Beimischung eines breit gestreuten Vermögens an Bedeutung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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