
Ökonom Schiff prophezeit Dollar-Kollaps: „2008 war nur ein Sonntagsausflug"

Die Warnungen werden lauter, die Töne schriller – und diesmal kommen sie von einem Mann, der bereits vor der Finanzkrise 2008 Alarm schlug, als die Mainstream-Ökonomen noch selig schlummerten. Peter Schiff, Chef-Ökonom von Euro Pacific Asset Management, zeichnet ein düsteres Bild der amerikanischen Wirtschaftszukunft. Seine Prognose ist nichts für schwache Nerven: Die kommende Krise werde das Desaster von 2008 wie einen harmlosen Wochenendausflug erscheinen lassen.
Gold und Silber als Seismographen der Krise
In einem Interview mit Fox Business Ende Januar ließ Schiff keinen Zweifel an seiner Einschätzung: „Wir steuern auf eine US-Dollar- und Staatsschuldenkrise zu." Der erfahrene Ökonom sieht im jüngsten Rekordanstieg des Goldpreises weit mehr als nur eine übliche Absicherungsstrategie nervöser Investoren. Für ihn sind die Edelmetalle regelrechte Warnsignale, die eine beschleunigte Inflation und schwindendes globales Vertrauen in den US-Dollar ankündigen.
Die Fakten, die Schiff anführt, sind durchaus beunruhigend: Zentralbanken weltweit kaufen Gold in rauen Mengen, um ihre eigenen Währungen zu stützen. Sie trennen sich von Dollar-Reserven und US-Staatsanleihen. „Die Welt zieht den USA den Boden unter den Füßen weg", konstatiert der Ökonom mit einer Direktheit, die manchen Beobachter erschaudern lässt.
Die amerikanische Schulden-Zeitbombe tickt
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, die selbst eingefleischte Optimisten nachdenklich stimmen sollte. Die US-Staatsverschuldung liegt laut KfW Research bei fast 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das US-Finanzministerium beziffert die Schulden aktuell auf über 38,6 Billionen US-Dollar – eine Summe, die sich das menschliche Gehirn kaum noch vorstellen kann. Noch alarmierender: Die Zinsausgaben haben sich seit 2020 verdreifacht. Im Jahr 2024 flossen bereits 18 Prozent aller Staatseinnahmen allein in die Tilgung von Zinsen.
Ohne Gegenmaßnahmen, so prognostiziert KfW Research, könnte die Schuldenquote in den kommenden zehn Jahren auf 150 bis 170 Prozent des BIP ansteigen. Eine Entwicklung, die an die Verhältnisse in Bananenrepubliken erinnert – nicht an die vermeintlich größte Volkswirtschaft der Welt.
Der Dollar verliert seinen Glanz
Der schleichende Bedeutungsverlust des Greenbacks lässt sich in nüchternen Zahlen ablesen: Der Dollar-Anteil an den Zentralbankreserven weltweit sank laut IMF-Daten von 71 Prozent im Jahr 1999 auf nur noch 57,3 Prozent im Jahr 2024. Ein Rückgang von fast 14 Prozentpunkten in einem Vierteljahrhundert – das ist kein Zufall, sondern ein Trend.
Schiff formuliert es drastisch: Für Gold gebe es „keine Obergrenze", da es beim US-Dollar „keine Untergrenze" gebe. Der Dollar werde zusammenbrechen und „durch Gold ersetzt werden". Eine Aussage, die vor wenigen Jahren noch als Spinnerei abgetan worden wäre, heute jedoch angesichts der geopolitischen Verwerfungen und der amerikanischen Schuldenpolitik durchaus Gehör findet.
Kritiker halten dagegen – doch wie lange noch?
Natürlich gibt es auch Stimmen, die Schiffs Pessimismus für übertrieben halten. Carrie Sheffield vom Independent Women's Forum wirft dem Ökonomen vor, mit „lauten Prognosen um TV-Zeit zu werben". Sie verweist auf das BIP-Wachstum von 4,4 Prozent im dritten Quartal 2025 und eine durchschnittliche Inflation von 2,7 Prozent unter Präsident Trump. Die USA befänden sich „in einer robusten und wachsenden Position".
Doch solche Beschwichtigungen klingen angesichts der strukturellen Probleme wie Pfeifen im Walde. Die Geschichte lehrt uns, dass Kassandrarufe oft erst dann ernst genommen werden, wenn es bereits zu spät ist. Peter Schiff warnte 2007 vor der Subprime-Krise – und wurde verlacht. Wenige Monate später kollabierte Lehman Brothers.
Historischer Crash bei Edelmetallen – ein Widerspruch?
Ironischerweise folgte auf Schiffs Warnung nur wenige Tage später ein historischer Einbruch der Edelmetallpreise. Am 31. Januar 2026 stürzte Gold um bis zu 12,5 Prozent ab, Silber brach sogar um 30 Prozent ein – die größten Tagesverluste in diesem Jahrtausend. Auslöser war die Nominierung von Kevin Warsh als neuer Fed-Chef, der als Verfechter einer strengen Zinspolitik gilt.
Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen warnt jedoch davor, zu viel aus dieser Korrektur abzuleiten. Der Goldpreis bleibe grundsätzlich gut unterstützt, da die geopolitische Unsicherheit weiter bestehe. Das Ausmaß der Korrektur lege nahe, dass Marktteilnehmer nach dem rapiden Preisanstieg nur auf eine Gelegenheit für Gewinnmitnahmen gewartet hätten.
Was bedeutet das für deutsche Anleger?
Für Anleger in der Eurozone hat die Dollar-Schwäche zwei Seiten: Einerseits macht sie deutschen Exporteuren das Leben schwer – ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski spricht von einem „zusätzlichen Zoll für die Exporteure". Andererseits profitieren Verbraucher, da ein Großteil der importierten Waren in Dollar bezahlt wird.
Die Entwicklungen in den USA sollten auch hierzulande als Mahnung verstanden werden. In Zeiten, in denen Papiergeld und Staatsanleihen zunehmend fragwürdig erscheinen, gewinnen physische Edelmetalle als Vermögenssicherung an Bedeutung. Gold und Silber haben über Jahrtausende ihren Wert behalten – eine Eigenschaft, die weder Dollar noch Euro für sich beanspruchen können.
„Zentralbanken kaufen Gold, um ihre Währungen zu stützen. Sie werden ihre Dollars los. Sie werden ihre Staatsanleihen los."
Diese Worte Peter Schiffs sollten jeden Anleger zum Nachdenken anregen. Physische Edelmetalle können als sinnvolle Ergänzung zur Vermögenssicherung und als Beimischung eines breit gestreuten Anlage-Portfolios dienen – gerade in Zeiten, in denen das Vertrauen in Papierwährungen schwindet.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung ausreichend recherchieren sowie gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.












