
Öl über 100 Dollar: Jetzt droht der Zins-Hammer der Fed!

Die Inflation ist zurück – und mit ihr die Angst vor steigenden Zinsen. An den US-Terminmärkten schnellte die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Federal Reserve bei der Sitzung am 15. und 16. September auf rund 70 Prozent. Auslöser: enttäuschende Erzeugerpreise und ein Ölpreis, der die Marke von 100 Dollar je Barrel gesprengt hat.
Nach dem FedWatch-Barometer der CME Group taxieren Händler inzwischen auch die Chance auf eine zweite Erhöhung im Dezember auf knapp 60 Prozent. Der Leitzins liegt derzeit bei 3,50 bis 3,75 Prozent.
Der Preisdruck kommt aus der Pipeline
Der Produzentenpreisindex, der Kostendruck vor der Ladenkasse misst, stieg im August um 0,4 Prozent. Das entsprach den Prognosen – doch der Juli-Wert wurde nachträglich auf plus 0,1 Prozent angehoben. Ergebnis: eine Jahresrate von 5,4 Prozent, mehr als erwartet.
Parallel schickte die Eskalation im Nahen Osten die Rohstoffmärkte auf Talfahrt der Nerven. US-Rohöl kletterte um rund vier Prozent auf über 100 Dollar. Und weil Energie in nahezu jedem Produkt steckt, wandert dieser Schock mit Verzögerung in die Verbraucherpreise.
Da der Konflikt mit dem Iran länger andauere als von vielen erwartet, verfestige sich der Inflationsdruck zunehmend – eine Zinserhöhung nächste Woche erscheine wahrscheinlich, so die Einschätzung des Chefökonomen von LPL Financial.
Auch die EZB zieht an – Sparer im Zwiespalt
Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag ihre Leitzinsen um einen Viertelpunkt angehoben und die Inflationsprognose nach oben korrigiert; der Einlagesatz steigt damit laut Marktberichten von 2,25 auf 2,50 Prozent. Die Begründung: Der Iran-Krieg könnte die Preise länger und tiefer beschädigen als gedacht.
Für deutsche Sparer klingt das nach mehr Zinsen – tatsächlich bleibt die Rechnung ernüchternd. Solange die Teuerung schneller läuft als die Verzinsung, schrumpft das Guthaben real weiter. Wer baut oder Kredite braucht, zahlt dagegen sofort mehr.
Freitag entscheidet: der letzte Datenpunkt
Vor der Fed-Sitzung folgt noch ein Paukenschlag: die Verbraucherpreise. Der Konsens erwartet eine Jahresrate von 3,4 Prozent, die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel bei 2,4 Prozent. Maßgeblich für die Notenbank ist allerdings der PCE-Index – dort standen im Juli 3,7 Prozent (Gesamtrate) und 3,3 Prozent im Kern.
Fed-Chef Kevin Warsh hatte zuletzt bekräftigt, dass der PCE der offizielle Maßstab bleibe. Die Bank of America rechnet Marktberichten zufolge mit einer Kernrate von rund 0,3 Prozent im Monat – und damit mit grünem Licht für die Erhöhung. Das Haus gilt als besonders "hawkish" und erwartet gleich drei Schritte.
Wenn Notenbanken hinter der Kurve laufen
Ein Marktstrateg warnte, der Preisdruck sei noch nicht verarbeitet, weil Rohöl und Raffinerieprodukte nach der Datenerhebung weiter gestiegen seien. Ein anderer Beobachter mahnte, wer nur auf Verbraucherpreise schaue, übersehe das Problem in der Lieferkette.
Genau das ist die bittere Lektion der Jahre 2021 und 2022: Notenbanken erkennen Inflation meist erst, wenn sie längst in den Regalen angekommen ist. Gold notiert derweil bei über 4.300 Dollar je Unze – für viele Anleger die stille Antwort auf Kriege, Ölschocks und Geldpolitik im Blindflug. Physische Edelmetalle bleiben aus Sicht unserer Redaktion eine sinnvolle Beimischung zur Vermögenssicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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