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Kettner Edelmetalle
24.07.2026
15:09 Uhr

Öl über 100 Dollar: Wie die Meerengen-Krise die Rohstoffmärkte in einen "Super-Squeeze" treibt

Öl über 100 Dollar: Wie die Meerengen-Krise die Rohstoffmärkte in einen "Super-Squeeze" treibt

Es ist ein Szenario, das jeden aufhorchen lassen sollte, der die globalen Rohstoffmärkte im Auge behält: Die Chaos-Spirale an den maritimen Nadelöhren dieser Welt dreht sich immer schneller. Was in der Straße von Hormus begann, hat sich mittlerweile bis zur Meerenge Bab el-Mandeb – dem strategischen Zugang zum Roten Meer – ausgeweitet. Gleichzeitig lodern die Kämpfe im Schwarzen Meer zwischen Russland und der Ukraine mit neuer Intensität. Die Folge: Die Rohstoffpreise könnten regelrecht durch die Decke gehen.

HSBC schlägt Alarm: "Es wird schlimmer"

Paul Bloxham, Chefökonom der Großbank HSBC für den Bereich Rohstoffe, findet in einer aktuellen Notiz ungewohnt deutliche Worte. Der eskalierende Nahost-Konflikt habe den Rohstoffmärkten einen gewaltigen Druck aufgebürdet, so seine Einschätzung. Der Schiffsverkehr durch Hormus sei nahezu zum Erliegen gekommen, und die Störungen hätten längst auch die Bab-el-Mandeb-Meerenge erreicht – jenen Flaschenhals, über den saudisches Öl nach Asien fließt und der den Handel zwischen Europa und Asien durch den Suezkanal überhaupt erst ermöglicht.

Hormus, Mandeb, Öl bei 100 Dollar ... es wird schlimmer. Und es ist noch nicht vorbei.

Bloxhams Botschaft ist von einer Nüchternheit, die einem den Atem stocken lässt. Mit Brent-Öl jenseits der 100-Dollar-Marke und weltweit rapide schrumpfenden strategischen Reserven steuere der Energiemarkt geradewegs auf einen "Super-Squeeze" zu – eine Angebotsverknappung von bisher ungekanntem Ausmaß.

Die Preise ziehen an allen Fronten an

Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Der Brent-Ölpreis ist scharf gestiegen, auf über 100 Dollar je Barrel. Die europäischen und asiatischen Gaspreise legten binnen eines Monats um mehr als 40 Prozent zu. Raffinerieprodukte wie Kerosin und Diesel schießen in die Höhe. Selbst Harnstoff verteuerte sich um 13 Prozent, während die Weizenpreise ein Drei-Jahres-Hoch erklommen haben. Alles getrieben von der Sorge um versiegende Lieferketten.

Das gefährliche Spiel mit den Reserven

Warum sind die Preise nicht schon früher explodiert? Die Antwort liegt in einer trügerischen Beruhigungspille: dem massiven Abbau von Lagerbeständen. Die USA haben ihre strategischen Reserven angezapft, China hat seine Ölimporte gedrosselt. Doch dieser Puffer ist endlich. Bloxham warnt eindringlich, dass die Lagerbestände nur eine begrenzte Zeit als Stoßdämpfer dienen könnten. Nähern sich die Vorräte kritischen Grenzen – dem sogenannten "tank bottom" –, drohten nichtlineare Preissprünge, die sich jeder Prognose entziehen.

Man muss sich das vor Augen führen: Man verheizt die eiserne Reserve, um kurzfristig die Preise zu drücken, und riskiert dabei, im Ernstfall mit leeren Tanks dazustehen. Es ist die Logik desjenigen, der sein Notgroschen verprasst, um heute den Schein zu wahren – und morgen umso härter fällt.

Ein wachsender Chor der Warner

HSBC steht mit dieser düsteren Einschätzung keineswegs allein da. Auch die Analysten von Goldman Sachs, RBC Capital Markets und JPMorgan schlagen inzwischen Alarm. Helima Croft, bei RBC verantwortlich für globale Rohstoffstrategie, spricht von einer "gefährlichen Phase", in der das Rote Meer und kritische Infrastruktur ins Visier gerieten. Goldman-Stratege Daan Struyven hält gar einen Brent-Preis von über 120 Dollar im vierten Quartal für möglich, sollte die Hormus-Krise andauern.

Der politische Zündstoff

In den USA hat der Durchschnittspreis für Benzin die psychologisch heikle Marke von vier Dollar je Gallone überschritten. Das ist Sprengstoff für jede Regierung. Der Druck auf die Trump-Administration, einen diplomatischen Ausweg zu suchen, dürfte damit spürbar wachsen. Denn nichts fürchtet ein Wähler mehr, als an der Zapfsäule zur Kasse gebeten zu werden.

Was bedeutet das für den deutschen Sparer?

Während in Berlin munter über Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro und die Verankerung von Klimazielen im Grundgesetz debattiert wird, entscheidet sich die reale wirtschaftliche Zukunft an ganz anderen Orten – etwa in einer schmalen Meerenge am Persischen Golf. Deutschland, dessen Industrie ohnehin am seidenen Faden hängt, ist von funktionierenden Lieferketten und bezahlbarer Energie abhängig wie kaum ein anderes Land. Eine anhaltende Rohstoffverknappung träfe uns mit voller Wucht.

In Zeiten, in denen geopolitische Verwerfungen die Papierwerte in Sekunden pulverisieren können, zeigt sich einmal mehr der zeitlose Wert physischer Edelmetalle. Gold und Silber lassen sich weder durch eine blockierte Meerenge entwerten noch durch politische Fehlentscheidungen in Berlin oder Washington aus dem Portfolio streichen. Als krisenfeste Beimischung eines breit gestreuten Vermögens waren sie schon immer der ruhende Anker, wenn die Märkte ins Schlingern gerieten.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier wiedergegebenen Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion sowie den uns vorliegenden Informationen. Jede Anlageentscheidung – ob in Rohstoffe, Öl, Edelmetalle oder andere Anlageklassen – birgt Risiken. Wir empfehlen jedem Leser ausdrücklich, eigenständig gründlich zu recherchieren und im Zweifel fachkundigen Rat einzuholen. Für getroffene Anlageentscheidungen ist allein der Anleger selbst verantwortlich.

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