
Ölpreise im Sog des Nahostkonflikts: Kurze Verschnaufpause nach Irak-Kurdistan-Deal
Inmitten eines der schwersten geopolitischen Konflikte der jüngeren Geschichte haben die Ölmärkte am Mittwoch eine kurze Atempause erhalten. Die Einigung zwischen der irakischen Zentralregierung und den kurdischen Behörden über die Wiederaufnahme von Ölexporten über den türkischen Hafen Ceyhan ließ die Rohölpreise um mehr als zwei Dollar je Barrel fallen. Doch wer glaubt, damit sei Entwarnung gegeben, der irrt gewaltig.
Ein Tropfen auf den heißen Stein
Die Brent-Futures gaben um 2,26 Dollar beziehungsweise 2,19 Prozent auf 101,16 Dollar je Barrel nach, nachdem sie am Vortag noch um über drei Prozent zugelegt hatten. Das amerikanische Pendant WTI sackte sogar um 2,99 Dollar oder 3,11 Prozent auf 93,22 Dollar ab. Iraks Ölminister Hayan Abdel-Ghani verkündete über staatliche Medien, dass die Ölflüsse aus Ceyhan am Mittwochmorgen beginnen sollten – zunächst mit bescheidenen 100.000 Barrel pro Tag.
Bescheiden ist dabei das Schlüsselwort. Denn die Realität sieht düster aus: Die Ölproduktion aus den wichtigsten südirakischen Ölfeldern, wo der Großteil des irakischen Rohöls gefördert und exportiert wird, sei um erschreckende 70 Prozent auf nur noch 1,3 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen. Der Grund? Der Iran-Konflikt hat die lebenswichtige Straße von Hormus faktisch lahmgelegt – jene Meerenge, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert werden.
Eskalationsspirale ohne Ende
Die geopolitische Lage könnte kaum bedrohlicher sein. Iran bestätigte am Dienstag, dass sein Sicherheitschef Ali Larijani bei einem israelischen Angriff getötet worden sei. Er wäre damit die ranghöchste Persönlichkeit, die seit der Tötung des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei am ersten Tag des US-israelischen Krieges Ende Februar ins Visier genommen wurde. Ein hochrangiger iranischer Beamter erklärte, Irans neuer Oberster Führer habe Deeskalationsangebote, die über Vermittlerstaaten übermittelt worden seien, kategorisch abgelehnt.
Gleichzeitig teilte das US-Militär mit, es habe Stellungen entlang der iranischen Küste nahe der Straße von Hormus angegriffen, da iranische Anti-Schiffs-Raketen eine Gefahr für die internationale Schifffahrt darstellten. Eine gefährliche Eskalationsdynamik, die jeden Hoffnungsschimmer auf ein baldiges Ende des Konflikts im Keim zu ersticken droht.
Die 100-Dollar-Marke als neue Normalität?
Vier Handelstage in Folge schlossen die Brent-Futures über der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar je Barrel. Was vor wenigen Monaten noch als Schreckensszenario galt, scheint sich zur neuen Realität zu verfestigen. „Wir befinden uns weiterhin in einem Umfeld von 100 Dollar pro Barrel Öl, und die Krise rund um die Straße von Hormus zeigt keinerlei Anzeichen einer Beruhigung", konstatierte eine Analystin des Datendienstleisters LSEG nüchtern.
Für Deutschland und Europa bedeutet dies nichts Gutes. Die ohnehin angespannte Energieversorgungslage verschärft sich weiter. Die Inflation, die man in Berlin bereits für gebändigt hielt, dürfte durch explodierende Energiepreise neuen Auftrieb erhalten. Und die neue Große Koalition unter Friedrich Merz? Sie steht vor der Herkulesaufgabe, ein Land zu stabilisieren, dessen energiepolitische Verwundbarkeit durch Jahre ideologiegetriebener Politik – Stichwort Atomausstieg und einseitige Abhängigkeit von fossilen Importen – auf schmerzhafte Weise offengelegt wird.
Steigende US-Lagerbestände als schwacher Trost
Einen weiteren preisdämpfenden Faktor lieferten die amerikanischen Rohöllagerbestände. Diese stiegen laut API-Daten in der Woche bis zum 13. März um satte 6,56 Millionen Barrel – weit über den von Reuters prognostizierten 380.000 Barrel. Doch auch dieser Aufbau vermag die fundamentale Angebotsverknappung durch den Hormus-Engpass kaum zu kompensieren.
In Zeiten derartiger geopolitischer Verwerfungen und wirtschaftlicher Unsicherheit zeigt sich einmal mehr, warum physische Edelmetalle wie Gold und Silber als Krisenwährung und Vermögensschutz unverzichtbar sind. Wenn Ölpreise explodieren, Inflation galoppiert und geopolitische Risiken eskalieren, bieten Edelmetalle jene Stabilität und Wertbeständigkeit, die weder Papiergeld noch volatile Aktienmärkte garantieren können.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.
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