
Patriot-Raketen „made in Ukraine“: Hat Trump wirklich Ja gesagt?

Die Ukraine will künftig selbst Patriot-Abfangraketen bauen, und US-Präsident Donald Trump soll dafür endgültig grünes Licht gegeben haben. Das hat Wolodymyr Selenskyj am Freitag Journalisten mitgeteilt. Die Zusage sei bei einem Treffen am Rande der UN-Generalversammlung in New York gefallen. Einen Haken gibt es allerdings: Bisher bestätigt das nur Kiew.
Ein Versprechen mit Vorgeschichte
Ob Washington die Produktionslizenz schon formell erteilt hat oder Trump nur mündlich zugestimmt hat, ist offen. Diese Unsicherheit hat eine Vorgeschichte. Schon Anfang Juli hatte Trump erklärt, die USA würden der Ukraine „das Recht geben, Patriots herzustellen“. Medienberichten zufolge nannte er die Idee damals sogar „ziemlich cool“.
Danach wurde Trump vorsichtiger. Die Vereinigten Staaten müssten mit einer solchen Genehmigung sehr behutsam umgehen, sagte er laut Berichten. Erst Zusage, dann Zögern, jetzt angeblich das endgültige Okay: Nach diesem Hin und Her ist Skepsis angebracht, bis ein unterschriebenes Dokument vorliegt. Mitte September hatten Medien zudem berichtet, Trump denke eher an eine Lizenz für die ältere Variante PAC-2 GEM-T. Bei ihr gebe es keine Engpässe in der Produktion.
Kiew gehen die Abfangraketen aus
Kiew drängt aus gutem Grund. Die Bestände an Patriot-Raketen schrumpfen. Das System gilt als die einzige Waffe, die russische ballistische Raketen zuverlässig abfangen kann. Laut „Bild“ musste die Ukraine ihre letzten Abfangraketen zuletzt für besonders wichtige Ziele aufheben. Das ist Luftverteidigung im Notbetrieb.
Bald beginnt der Winter, und damit wächst die Sorge vor neuen russischen Angriffen auf Strom- und Heizkraftwerke. Nach Angaben Selenskyjs aus dem vergangenen Monat bräuchte sein Land etwa fünf Prozent der amerikanischen Patriot-Bestände, um über den Winter zu kommen. Um alle russischen ballistischen Raketen abzuwehren, wären es sogar zehn Prozent. Parallel arbeitet Kiew Berichten zufolge an einem eigenen Abwehrsystem mit dem Namen „Freya“.
Auch Amerikas Arsenal wird knapp
Die USA sind selbst unter Druck. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs im Februar haben sie laut Berichten große Mengen Patriot-Raketen verschossen. Ein erheblicher Teil der Produktion muss deshalb erst die eigenen Lager wieder auffüllen. Für die Ukraine bleibt wenig übrig. Eine Lizenz wirkt da wie ein eleganter Ausweg: Washington liefert das Know-how, die anderen tragen das Risiko.
Schnelle Hilfe bringt eine Lizenz allerdings nicht. Laut Medienberichten würde der Aufbau der nötigen Fabriken mehr als ein Jahr dauern. Den akuten Bedarf in Kiew deckt das nicht. Offen ist außerdem, wie eine Rüstungsfabrik in einem Land geschützt werden soll, das täglich mit Raketen und Drohnen angegriffen wird.
Schrobenhausen rückt ins Blickfeld
Käme die Lizenz, stünde in der Ukraine die zweite Produktionsstätte für Patriot-Raketen außerhalb der USA. Die erste entsteht gerade im bayerischen Schrobenhausen bei Augsburg. Dort wartet das Unternehmen COMLOG seit Jahren Patriot-Raketen. Es gehört je zur Hälfte MBDA Deutschland und dem US-Konzern Raytheon. Ende 2023 bekam es den Auftrag, neue GEM-T-Raketen für den europäischen Markt zu bauen.
Wer bezahlt die Rechnung?
Die entscheidende Frage stellt in Berlin kaum jemand laut: Wer finanziert die Werke, die Materialien und die Lizenzgebühren? Kritiker rechnen damit, dass am Ende vor allem die Europäer zahlen, und damit auch der deutsche Steuerzahler. Die Bundesregierung macht ohnehin schon Schulden in Rekordhöhe. Die Amerikaner dagegen dürften an jeder verkauften Lizenz mitverdienen.
Wann in der Ukraine die erste Rakete vom Band laufen könnte und wie viele es werden sollen, weiß derzeit niemand. Bis Washington selbst etwas bestätigt, bleibt Selenskyjs Nachricht eine Ankündigung.

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