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Kettner Edelmetalle
30.07.2026
21:07 Uhr

Peinlichkeit auf CDU-Bühne: Hallervorden verhöhnt Merz als „Kriegsminister" – und die Union klatscht brav

Es gibt Wahlkampfabende, die man besser nie gebucht hätte. In Magdeburg hat die CDU einen davon erlebt – und zwar in voller Länge, im ausverkauften Saal, mit Leinwand, Musik und einem 90-jährigen Kabarettisten, der den eigenen Kanzler von der Bühne der eigenen Partei aus in die Mangel nahm.

Dieter Hallervorden trat am Mittwochabend im OLi-Kino gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze auf. Der Rahmen: eine von der Union selbst organisierte Gesprächsreihe mit dem hübsch klingenden Titel „Kunst braucht Freiheit". Was folgte, war Freiheit in Reinform – allerdings gegen die Gastgeber gerichtet.

„Marschieren Sie eigentlich selber mit?"

Hallervorden sang ein Lied gegen Aufrüstung. Hinter ihm liefen Bilder: Friedrich Merz, Boris Pistorius, Panzer aus dem Hause Rheinmetall, Explosionen, fallende Bomben. Und dann die Ansprache an einen namenlosen „Kriegsminister", die keinerlei Interpretationsspielraum ließ, weil zeitgleich das Konterfei des Bundeskanzlers auf der Leinwand erschien.

„Hallo, Herr Kriegsminister. Sie haben meinen Sohn gebeten, im Krieg für Sie zu töten. Marschieren Sie eigentlich selber mit?"

Weiter ging es mit dem Vorwurf, Kriege würden vor allem für die Kassen der Rüstungsindustrie geführt. Von „Kampfmaschinen", „Zerstörung und Ruinen" war die Rede, von jenen, die „an Schlachten, Lärm und Tod" verdienten. Und als der Schauspieler jene Zeile anstimmte, wonach man schnell als Verräter gelte, wenn man die Täter benenne, blendete die Regie den Schriftzug „Völkermord in Gaza" ein. Auf einer CDU-Veranstaltung. Man muss sich das plastisch vorstellen: Die Partei, die sich die Staatsräson gegenüber Israel gern wie eine Monstranz vorantragen lässt, stellt die Bühne und die Technik – und lässt den Genozid-Vorwurf gegen Israel dort projizieren, wo sonst Wahlplakate hängen.

Zum Finale forderte Hallervorden Merz und Pistorius direkt auf, das Rüsten zu beenden. Verhandlungen könnten erst beginnen, wenn geschwiegen werde. Und dann der Satz, der als Video seinen Weg in die sozialen Netzwerke fand: Wenn die beiden glaubten, dass Krieg sich lohne, sollten sie gefälligst auf dem Mond kämpfen.

Ein Ministerpräsident, der lieber wegschaut

Und der Gastgeber? Schulze erklärte hinterher, Hallervorden habe ihm seine Unterstützung angeboten, sich aber nicht in sein Programm hineinreden lassen wollen – und er habe das zugesichert. Manche Äußerungen seien „schon ein bisschen an der Grenze dessen, was man in der CDU wahrscheinlich erwarten könnte". Ein offener Schlagabtausch sei ohnehin nicht Ziel des Abends gewesen.

Nicht das Ziel. Natürlich nicht. Denn das Ziel war ein anderes, und Hallervorden hat es freimütig benannt: Verhindert werden soll ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt. Dafür tingelt die Union nun mit einem Künstler durch Magdeburg, Halle, Dessau und Naumburg, der bereits beim Auftakt klarstellte, für Friedrich Merz auf Bundesebene keine Reklame zu machen. Bei „Sven" sei das anders.

Wenn die Brandmauer zur Bühne für alles wird

Man kann es drehen, wie man will: Eine Volkspartei, die zur Abwehr der eigenen politischen Konkurrenz Verbündete auf der Gegenseite des politischen Spektrums einkauft, hat kein Personalproblem, sondern ein Kompassproblem. Hallervorden hatte schon 2024 gemeinsam mit einem früheren Linken-Bundestagsabgeordneten ein Gedicht veröffentlicht, in dem von „Apartheid" und „Völkermord" die Rede war – der Zentralrat der Juden nannte das damals „wirr" und „fragwürdig". Im September 2025 unterstützte er eine Berliner Kundgebung unter dem Motto „Stoppt den Völkermord in Gaza", zu der auch Sahra Wagenknecht aufgerufen hatte. Nichts davon war ein Geheimnis. Die CDU hat es gewusst – und die Bühne trotzdem freigeräumt.

Während in Brandenburg die Junge Union rebelliert und die Parteibasis austritt, weil ihr konservative Inhalte abhandenkommen, sucht die Union im Osten ihr Heil bei einem Pazifisten, der den Kanzler als Kriegstreiber zeichnet. Das ist keine Strategie. Das ist Kapitulation mit Applausanleitung.

Der wahre Skandal steckt in den Zahlen

Bei allem Widerspruch zu Hallervordens Gaza-Thesen: Einen Punkt trifft der alte Mann, ohne ihn zu Ende zu denken. Die Aufrüstung wird auf Kredit betrieben. 500 Milliarden Euro Sondervermögen für Infrastruktur, dazu ein Wehrhaushalt, der jede Schuldenbremse aushebelt – und das von einem Kanzler, der im Wahlkampf versprach, keine neuen Schulden zu machen. Bezahlt wird das nicht von Rheinmetall, sondern von Steuerzahlern, Sparern und deren Kindern, über Abgaben und über die schleichende Entwertung des Geldes. Wer sein Vermögen langfristig gegen diese Politik absichern will, kommt an der Frage nicht vorbei, wie viel davon in Papierversprechen steckt – und wie viel in physischen Werten wie Gold und Silber, die keine Regierung per Beschluss vermehren kann.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene Recherche und liegt in der ausschließlichen Verantwortung des Anlegers; im Zweifel ist fachkundiger Rat einzuholen.

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