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Kettner Edelmetalle
31.07.2026
07:18 Uhr

Peking bohrt selbst, Berlin bettelt weiter: Chinas Gas-Wende lässt den LNG-Boom wackeln

Während deutsche Politiker noch stolz Flüssiggas-Terminals einweihen, die niemand mehr braucht, zieht China längst die Konsequenzen aus einer Welt, in der Energie zur Waffe geworden ist. Die Volksrepublik reduziert ihre Importe von Flüssigerdgas, pumpt Milliarden in die eigene Förderung und lässt die Exporteure in Katar und den USA mit ihren Milliardenprojekten allein. Wer verstehen will, wie strategische Energiepolitik aussieht, muss derzeit nicht nach Brüssel oder Berlin schauen – sondern nach Peking.

Der Iran-Krieg als Weckruf – zumindest für die Chinesen

Die Eskalation im Nahen Osten, die Angriffe auf Energieanlagen in Katar und die massiven Störungen an der Straße von Hormus haben in China offenbar einen Nerv getroffen. Die Schlussfolgerung der Führung in Peking sei simpel und brutal pragmatisch: Wer sich auf Tanker verlässt, die durch ein Nadelöhr fahren müssen, das jederzeit von Raketen bedroht werden könne, habe seine Souveränität verspielt. Analysten von S&P gehen davon aus, dass China auch bei einer Normalisierung der Lieferungen aus dem Persischen Golf künftig deutlich zurückhaltender mit LNG umgehen werde. Der Krieg beschleunige das Streben nach Energieautarkie.

Man halte kurz inne und vergleiche: Deutschland hat sich in wenigen Jahren von russischem Pipelinegas gelöst – nicht durch eine kluge Diversifizierungsstrategie, sondern durch eine Mischung aus Sprengstoff an der Ostsee, Sanktionsdogmatik und ideologischer Verbohrtheit. Das Ergebnis? Teures Schiffsgas aus Übersee, ein Industriestandort im Rückwärtsgang und eine Regierung, die den Bürgern erklärt, das alles sei ein Beitrag zur Freiheit.

590 Millionen Dollar, die plötzlich anders investiert werden

Wie ernst es Peking ist, zeigt eine Entscheidung des Staatskonzerns Sinopec: Der Ausbau des LNG-Terminals in Tianjin wurde im März gestoppt. Die dafür eingeplanten 590 Millionen Dollar fließen nun in die heimische Gasförderung. Schiefergas, Kohleflözgas – China erschließt, was unter dem eigenen Boden liegt. Die heimische Produktion wuchs über 25 Jahre hinweg um durchschnittlich 9,5 Prozent pro Jahr. Parallel drückt der massive Ausbau von Wind- und Solarkapazitäten den Gasbedarf im Stromsektor. Ein Manager des größten chinesischen Ölkonzerns bezeichnete die Erneuerbaren bereits im Februar als „strukturellen Gegenwind“ für LNG – schlicht, weil sie billiger seien.

Der entscheidende Unterschied zu Deutschland: China baut Erneuerbare zusätzlich – nicht als Ersatz für abgeschaltete Grundlast, sondern obendrauf, während Kohle, Gas und Kernkraft weiterlaufen. Versorgungssicherheit zuerst, Ideologie später.

Die Zahlen sprechen für sich. Rystad Energy, ICIS und S&P erwarten, dass Chinas LNG-Importe in diesem Jahr von 68,4 auf 61 bis 64 Millionen Tonnen fallen – das zweite Rückgangsjahr in Folge. Chinesische Händler verkauften überschüssige Mengen schon im Frühjahr gewinnbringend nach Südkorea, Thailand und andere asiatische Abnehmer weiter. Ein Land, das Energie einkauft, um sie mit Profit weiterzuveräußern, verhandelt aus einer Position der Stärke. Deutschland kauft, weil es muss.

Wenn Milliardenprojekte plötzlich niemand mehr braucht

Für die globale Gasindustrie ist das eine bittere Nachricht. Die Internationale Energieagentur rechnet bis 2030 mit rund 217 Millionen Tonnen neuer Exportkapazität – mehr als 40 Prozent über dem heutigen Niveau. Bis zu zehn Prozent davon könnten überflüssig werden. Große Banken und Beratungshäuser haben ihre Prognosen für Chinas Nachfragewachstum Anfang der 2030er-Jahre um 14 bis 22 Millionen Tonnen gekappt. Besonders gefährdet seien Projekte mit langen Bauzeiten und hohen Entwicklungskosten. Analysten der Eurasia Group warnen, dass Streichungen kaum zu vermeiden seien.

Interessant für europäische Verbraucher ist dabei vor allem eines: Ein Überangebot könnte Preise drücken – aber eben nur so lange, wie die Politik nicht mit neuen Verboten, Abgaben und CO₂-Aufschlägen dazwischenfunkt.

Und Russland? Liefert weiter – nur eben nach Osten

Gleichzeitig baut China seine Pipeline-Verbindungen nach Russland aus. Eine Leitung von Sachalin nach Nordostchina soll 2027 in Betrieb gehen, über „Kraft Sibiriens“ fließen bereits rund 38 Milliarden Kubikmeter jährlich. Über das noch größere Projekt „Kraft Sibiriens 2“ mit bis zu 50 Milliarden Kubikmetern verhandeln Moskau und Peking seit über einem Jahrzehnt – China pocht auf Schleuderpreise, Russland braucht die Abnehmer dringender. Das Gas, das Europa aus moralischen Gründen nicht mehr will, wird also verbrannt. Nur eben dort, wo es die Industrie stärkt, die unsere eigene gerade überrollt.

Die Lehre für den deutschen Bürger

Energiesicherheit ist keine Frage der Gesinnung, sondern der Physik und der Geografie. Peking rechnet, Berlin moralisiert. Wer Versorgung, Preise und damit die Kaufkraft der eigenen Bürger einer politischen Erzählung unterordnet, produziert Inflation und Wohlstandsverluste. Genau deshalb greifen immer mehr Sparer zu Werten, die keine Regierung per Verordnung entwerten kann: physisches Gold und Silber, außerhalb des Bankensystems, ohne Gegenparteirisiko, seit Jahrtausenden Versicherung gegen politische Fehlentscheidungen. Ein solides, breit gestreutes Vermögen braucht heute mehr denn je einen Kern aus echtem Edelmetall.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jeder Leser ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Bei individuellen Fragen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Steuer- oder Rechtsberater. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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